14 Teilnehmende beschäftigen sich beim Circular Future Lab mit Kreislaufwirtschaft und entwickeln neue Geschäftsmodelle
Bielefeld. Wie lassen sich Produkte so gestalten, dass sie länger genutzt, leichter repariert und ihre Materialien wiederverwendet werden können? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 14 Studierende beim Circular Future Lab, einer einwöchigen Summer School an der Hochschule Bielefeld (HSBI). Unter dem Motto „Innovation durch Nachhaltigkeit“ entwickelten sie eigene Ideen für zirkuläre Produkte und Geschäftsmodelle.

Welche Nachhaltigkeitsziele Schüco verfolgt und wie diese umgesetzt werden, erfuhren die Studierenden bei einem Unternehmensbesuch. Foto: HSBI
Die Summer School fand zum zweiten Mal im Rahmen des Projekts CirQualityOWL plus statt. Teilgenommen haben Studierende der Hochschule Bielefeld, der Universität Bielefeld und der Universität Paderborn. Sie nutzten ihre vorlesungsfreie Zeit, um sich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der Circular Economy, also der Kreislaufwirtschaft, auseinanderzusetzen.
Unterstützt wurde die Veranstaltung durch das Institut für Technische Energie-Systeme (ITES) und das Transferprojekt InCamS@BI. Neben Workshops und fachlichen Impulsen standen Einblicke in die Unternehmenspraxis auf dem Programm. Beteiligt waren Schüco, Miele, Wago, Smart-ET und pro Wirtschaft GT.
Schüco zeigt Ansätze für nachhaltiges Bauen
Am zweiten Tag besuchten die Studierenden den Hauptsitz von Schüco in Bielefeld. Dort besichtigten sie die Produktausstellung und das nahezu vollständig automatisierte Logistikzentrum. Außerdem erhielten sie Einblicke in die Nachhaltigkeitsstrategie des Herstellers von Fenster- und Fassadensystemen.
Nach den im Rahmen der Summer School vorgestellten Angaben entfallen knapp 40 Prozent des weltweiten Energie- und Materialverbrauchs auf den Bausektor. Schüco arbeitet deshalb daran, die CO₂-Bilanz seiner Produkte zu verbessern. Dazu setzt das Unternehmen unter anderem recyceltes Aluminium ein und entwickelt Rücknahmekonzepte für seine Produkte.
„Manchmal muss man sich im Kreis bewegen, um wirklich voranzukommen“, erklärte Sebastian Köhne, Projektmanager Recycling Sustainability bei Schüco. Nachhaltige Produktalternativen seien zudem ein wichtiger Wettbewerbsvorteil gegenüber Produkten aus dem asiatischen Raum.
Miele-Workshop untersucht die Reparierbarkeit von Staubsaugern
Wie sich die Lebensdauer von Haushaltsgeräten verlängern lässt, untersuchten die Studierenden in einem Workshop mit Miele. Gemeinsam mit Dr. Jannik Jilg und Isabell Komor zerlegten sie im Schüler:innenlabor der HSBI Staubsauger in ihre Einzelteile.

Wie leicht lässt sich ein Staubsauger für eine Reparatur auseinanderbauen? Um diese Frage ging es beim Workshop mit Miele. Foto: J. Wunder/HSBI
Dabei prüften sie, wie einfach sich Gehäuse, Saugschläuche, Kabel und Filter demontieren lassen und an welchen Stellen Spezialwerkzeuge oder besondere Anleitungen erforderlich sind. Ziel war es, Möglichkeiten zur Vereinfachung von Reparaturprozessen zu erkennen.
Miele verfolgt nach eigenen Angaben den Grundsatz „repair over replace“, also Reparieren statt Ersetzen. Das Unternehmen setzt auf eine lange Nutzungsdauer seiner Produkte und möchte deren Recyclingfähigkeit verbessern. Dazu gehört unter anderem, die Anzahl unterschiedlicher Werkstoffe zu reduzieren. Ergänzend stellt Miele seinen Kundinnen und Kunden Reparaturvideos zur Verfügung.
Wago setzt auf recycelte und biozirkuläre Kunststoffe
Mit der Materialauswahl als Bestandteil nachhaltiger Produktentwicklung beschäftigte sich Sina-Marie Schneider, Circular Economy Managerin beim Unternehmen Wago aus Minden. Der Hersteller von Verbindungstechnik bietet seit 2021 mit der Produktlinie „Green Range“ eine nachhaltigere Alternative zur gängigen Klemmenserie 221 an.
Bei dieser Variante kommen biozirkuläre und recycelte Kunststoffe zum Einsatz. „Unser Ziel war es, Ressourcen im Kreislauf zu halten. Dabei ist die Qualität unseres Produkts gleichgeblieben“, erläuterte Schneider. Gemeinsam mit den Studierenden entwickelte sie weitere Ideen für den Einsatz innovativer Materialien.
Nachhaltige Entscheidungen im Alltag fördern
Neben technischen Lösungen spielte auch das Verhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Rolle. Dr. Mirko Petersen und Wirtschaftspsychologin Eliza Starke vom Projekt InCamS@BI beschäftigten sich mit der Frage, wie nachhaltige Entscheidungen im Alltag gefördert werden können.
Ein Innovationsökosystem rund um Maël Corboz, den ehemaligen Kapitän des DSC Arminia Bielefeld, und die Forschungsgruppe Innovationsmanagement von InCamS@BI arbeitet daran, Sportveranstaltungen in Ostwestfalen-Lippe nachhaltiger zu gestalten.
Petersen stellte unter anderem die Fanmobilität an Spieltagen und nachhaltige Catering-Konzepte als mögliche Ansatzpunkte vor. Starke erläuterte das Prinzip der sogenannten „Green Nudges“. Dabei sollen kleine Anreize Menschen dazu bewegen, sich für nachhaltigere Alternativen zu entscheiden.

Beim Studierendenprojekt „Trash2Beet“ entstand die Idee, Altholz aus Terrassensanierungen für den Bau von Hochbeeten weiterzuverwenden. Foto: S. Jonek/HSBI
Als Beispiel diente ein Angebot von Arminia Bielefeld, bei dem Fans kostenlos mit einem Leihfahrrad zu Heimspielen fahren konnten. Dadurch sollten umweltfreundliche Mobilitätsgewohnheiten gefördert werden.
Fünf studentische Ideen für die Kreislaufwirtschaft
Auf Grundlage der Workshops und Unternehmensbesuche entwickelten die Studierenden in Kleingruppen eigene Konzepte. Dabei brachten sie unterschiedliche fachliche Perspektiven aus Studienbereichen wie erneuerbare Energien, Ingenieurwesen und Wirtschaftspsychologie ein.
Das Projekt „cirkid“ beschäftigt sich mit einem Kinderwagen, der später beispielsweise als Bollerwagen oder Einkaufswagen weiterverwendet werden kann. Eine weitere Gruppe entwarf das Konzept einer modularen Kaffeemaschine mit austauschbaren und erweiterbaren Komponenten.
Bei „Bakkaffee“ soll Kaffeesatz als Nährstoff für Bakterien dienen, die Biokunststoffe herstellen. Die Idee „Trash2Beet“ sieht vor, Altholz aus Terrassensanierungen für den Bau von Hochbeeten wiederzuverwenden.
Das Projekt „ReForm“ verbindet digitale Produktpässe mit künstlicher Intelligenz. Gebrauchte Bauteile sollen damit erfasst und bewertet werden, um geeignete Komponenten gezielt einer erneuten Nutzung zuzuführen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Grundlage für neue Ideen
Organisiert wurde die Summer School von Prof. Dr.-Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp, Leiterin des Instituts für Technische Energie-Systeme an der HSBI, gemeinsam mit Leon Diel, Kerstin Schmidt und Joy Remberg.
Schwenzfeier-Hellkamp zog nach Abschluss der Veranstaltungswoche ein positives Fazit: „Wie im vergangenen Jahr war es uns wieder eine große Freude, Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen für die Circular Economy zu sensibilisieren.“
Für die Entwicklung zirkulärer Produkte und Geschäftsmodelle sei insbesondere die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen wichtig. „Die zirkuläre Wertschöpfung funktioniert vor allem durch innovative Ideen und Impulse. Interdisziplinäres Denken und Arbeiten, wie hier in der Summer School, bietet dafür den perfekten Nährboden“, erklärte Schwenzfeier-Hellkamp.





