Das „Objekt im Fokus“ im November und Dezember 2026 erzählt die Geschichte der Holzschuhmacherei Schiepel
Minden. Ein Paar Holzschuhe aus dem Jahr 1962 steht im November und Dezember 2026 im Mittelpunkt der Reihe „Objekt im Fokus“ des Mindener Museums. Die Schuhe stammen aus der ehemaligen Holzschuhmacherei Schiepel an der Kutenhauserstraße 55 in Minden. Sie wurden 1978 gemeinsam mit den Maschinen des Betriebs für die Museumssammlung angekauft.

Objekt im Fokus in den Monaten November und Dezember im Foyer des Mindener Museums. © Mindener Museum
Das Mindener Museum bewahrt rund 60.000 Objekte. Etwa 95 Prozent der Sammlung lagern im Magazin und sind nicht dauerhaft öffentlich zu sehen. Um Einblicke in diese Bestände zu ermöglichen, präsentiert das Museum regelmäßig Kabinettausstellungen. Zusätzlich wird alle zwei Monate ein ausgewähltes Objekt im Foyer vorgestellt und seine Geschichte erläutert.
Holzschuhe als traditionelle Arbeitskleidung
Holzschuhe haben in Europa eine jahrhundertelange Geschichte. Die ältesten europäischen Funde stammen aus dem 13. Jahrhundert. Das Material schützte die Füße vor Feuchtigkeit und hatte im Sommer eine kühlende Wirkung. Üblicherweise trugen die Menschen darin Socken aus Schafwolle. Bei niedrigen Temperaturen wurde häufig zusätzlich Stroh in die Schuhe gelegt.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts dienten Holzschuhe vor allem der ländlichen Bevölkerung als Arbeitsschuhe. Je nach Region entwickelten sich unterschiedliche Bezeichnungen, die häufig auf plattdeutsche Ausdrücke oder traditionelle Handwerksbegriffe zurückgehen. In Westfalen sind Holzschuhe unter den Namen „Holsken“ oder „Holschen“ bekannt.
Das ausgestellte Paar wurde vermutlich aus Erlen-, Birken- oder Pappelholz gefertigt. Diese weicheren Holzarten ließen sich leichter bearbeiten als Harthölzer wie Eiche oder Buche.
Von der Handarbeit zur maschinellen Fertigung
Ursprünglich wurden Holzschuhe vollständig von Hand hergestellt. Im 19. Jahrhundert setzte sich zunehmend die maschinelle Produktion durch. Für die Holzschuhmacherei Schiepel sind erste Maschinenrechnungen aus dem Jahr 1895 überliefert. Die Maschinen wurden zunächst über eine Dampfmaschine und spezielle Treibriemen, sogenannte Transmissionen, angetrieben. Später kam ein Elektromotor zum Einsatz.
Bei der Herstellung wurden Baumstämme zunächst in Scheiben gesägt und anschließend zu groben Holzblöcken zugeschnitten. Eine Bandsäge brachte die Rohlinge in Form. Mithilfe einer Kopiermaschine ließ sich die Form eines vorhandenen Holzschuhs durch Fräsen auf einen neuen Rohling übertragen.
Danach wurde der Innenraum ausgestoßen und mit einer Langbohrmaschine weiter ausgehöhlt. Die Oberflächen wurden von Hand mit Schleifpapier oder mit einfachen rotierenden Schleifbändern geglättet. Anschließend trockneten die Schuhe etwa drei bis vier Wochen. Eine Behandlung mit Leinöl sollte das Holz gegen Feuchtigkeit schützen. Abschließend wurden Lederblätter und Samtbesatz als Verzierung angebracht.
Ein vermutlich ungetragenes Paar Kinderschuhe
Die ausgestellten Holzschuhe weisen keine sichtbaren Abnutzungsspuren auf. Daher geht das Museum davon aus, dass sie vermutlich nie getragen wurden. Möglicherweise handelt es sich um fertige Produkte, die vor der Betriebsschließung nicht mehr verkauft wurden.
Auf der Unterseite befindet sich eine rote Aufschrift mit der Zahl „2,[00]“, die möglicherweise den damaligen Verkaufspreis bezeichnet. Im Fußbett ist außerdem die Zahl „24“ aufgemalt. Sie könnte auf die Schuhgröße hinweisen.
In der Holzschuhmacherei Schiepel wurden Schuhe in den Größen 18 bis 48 hergestellt. Auch Sonderanfertigungen waren möglich. Die Innensohlen des ausgestellten Paares messen knapp 19 Zentimeter und entsprechen damit eher den heutigen Schuhgrößen 29 oder 30. Wahrscheinlich handelt es sich deshalb um Kinderschuhe. Dies könnte auch den vergleichsweise niedrigen möglichen Verkaufspreis erklären.
Das Ende der Holzschuhmacherei Schiepel
Die Holzschuhmacherei Schiepel bestand seit etwa 1895. Nach Angaben des letzten dort beschäftigten Holzschuhmachers wurden in den 1920er Jahren jährlich noch rund 25.000 Paar Holzschuhe hergestellt. Bis 1968 soll die Produktion auf etwa 900 Paar pro Jahr zurückgegangen sein.
Zu den Gründen für den Rückgang gehörten die zunehmende Konkurrenz durch Gummischuhe, preisgünstigere Importwaren und der geringere Tragekomfort. Das Arbeiten in harten Holzschuhen konnte zudem Schäden an den Fußknochen verursachen.
Mit der sinkenden Nachfrage verringerte sich auch die Zahl der Beschäftigten. Nachdem 1968 alle fünf Mitarbeiter den Betrieb verlassen hatten, führte August Schiepel die Werkstatt alleine weiter. Mitte der 1970er Jahre wurde die Holzschuhmacherei schließlich eingestellt.
Das im Mindener Museum ausgestellte Schuhpaar erinnert damit an ein regionales Handwerk und den Wandel der Arbeits- und Alltagskultur.





