Stadtwerke und MVA produzieren Wasserstoff für die Brennstoffzellenbusse von moBiel – der Bund fördert das Projekt mit bis zu 2,002 Millionen Euro
Bielefeld. Der Elektrolyseur in Bielefeld ist vollständig montiert und getestet. Auf dem Gelände der MVA Bielefeld-Herford soll am 4. September der Probebetrieb der neuen Wasserstofferzeugungsanlage beginnen. Betreiberin ist die Stadtwerke Bielefeld GmbH, errichtet wurde die Anlage von der MVA Bielefeld-Herford GmbH.
Der künftig produzierte Wasserstoff wird direkt in die Wasserstofftankstelle im benachbarten Innovationspark Sektorenkopplung eingespeist. Dort dient er zur Betankung der Brennstoffzellenbusse von moBiel. Das Gesamtprojekt hat ein Volumen von rund 5,3 Millionen Euro. Im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie fördert das Bundesministerium für Verkehr das Vorhaben mit bis zu 2,002 Millionen Euro.
Dr. Wiebke Esdar, Vorsitzende des Aufsichtsrates der Stadtwerke Bielefeld, sieht in der Anlage ein Beispiel dafür, wie kommunale Infrastruktur für klimafreundlichere Mobilität weiterentwickelt werden kann. Sie hob zugleich die Zusammenarbeit innerhalb der Stadtwerke Bielefeld Gruppe und die Bedeutung verlässlicher politischer Rahmenbedingungen für neue Technologien hervor.
Strom aus der thermischen Abfallverwertung
Herzstück der Anlage ist ein 1-Megawatt-PEM-Elektrolyseur. Er spaltet Wasser mithilfe elektrischer Energie in Wasserstoff und Sauerstoff. Der benötigte Strom entsteht bei der thermischen Abfallverwertung in der MVA. Da der verwertete Abfall zu mindestens 50 Prozent biogenen Ursprungs ist, kann ein entsprechender Anteil des erzeugten Stroms als Strom aus regenerativen Energien eingestuft werden. Für die Wasserstoffproduktion soll ausschließlich dieser regenerativ eingestufte Anteil genutzt werden.
Damit entsteht am Standort eine zusammenhängende Kette von der Energieerzeugung in der MVA über die Wasserstoffproduktion und die Tankstelle bis zur Nutzung durch moBiel. Die räumliche Nähe der Anlagen soll externe Wasserstofflieferungen und damit verbundene Transportwege verringern.
Projektleiterin Emma Davies von der MVA Bielefeld-Herford verweist auf die zusätzliche Nutzung der bei der Abfallverwertung entstehenden Energie. Die kurzen Wege zwischen den einzelnen Anlagen vereinfachten zugleich die betrieblichen Abläufe.
Produktion soll schrittweise hochgefahren werden
Während des Probebetriebs werden die Abläufe unter Betriebsbedingungen getestet und die Wasserstofferzeugungsanlage schrittweise auf den regulären Betrieb vorbereitet. Stadtwerke-Geschäftsführer Martin Uekmann erklärte, die Produktion vor Ort stärke die Versorgung der Wasserstoffbusse und reduziere die Abhängigkeit von externen Lieferungen. Gleichzeitig könnten Erfahrungen mit der Verbindung von Energieversorgung und Mobilität gesammelt werden.
Im ersten Betriebsjahr ist eine Produktion von rund 41.000 Kilogramm Wasserstoff vorgesehen. Bei entsprechender Auslastung kann die Anlage technisch bis zu 144.000 Kilogramm pro Jahr erzeugen. Nach Angaben der Stadtwerke könnte damit der derzeitige Wasserstoffbedarf der moBiel-Busflotte vollständig gedeckt werden.
Die Wasserstofftankstelle von moBiel versorgt aktuell vier Brennstoffzellenbusse sowie 25 Busse, bei denen eine Brennstoffzelle die Reichweite des elektrischen Antriebs erweitert. Die Tankstelle verfügt über eine Speicherkapazität von 1.000 Kilogramm Wasserstoff. Während der Inbetriebnahme und Anlaufphase können bei Bedarf weiterhin externe Lieferungen genutzt werden.
Elektrolyseur kam aus Italien nach Bielefeld
Der Elektrolyseur stammt vom italienischen Hersteller IMI Remosa und wird als schlüsselfertige Containeranlage unter dem Produktnamen „IMI Vivo“ vertrieben. Nach der Werksabnahme Anfang Juni wurde die Anlage im Herstellerwerk in Cagliari auf Sardinien für den Transport vorbereitet.
Von Porto Torres gelangte sie auf zwei Lastwagen per Fähre während einer fast zwölfstündigen Überfahrt nach Genua und anschließend weiter nach Bielefeld. Nach der Ankunft folgten die Montage und erste Testläufe.
Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Müller verwies auf die schwierigen Rahmenbedingungen im Wasserstoffmarkt. Während andere Wasserstoffprojekte infolge der Bundeshaushaltssperre verschoben oder eingestellt worden seien, habe das Vorhaben in Bielefeld fortgeführt werden können. Neben zeitweiser Unsicherheit über die Förderung seien technische und regulatorische Anforderungen sowie die Koordination zahlreicher Beteiligter zu bewältigen gewesen.
Mit dem Elektrolyseur in Bielefeld wollen Stadtwerke und MVA nun die regionale Wasserstoffproduktion mit dem öffentlichen Nahverkehr verbinden. Nach Abschluss des Probebetriebs soll die Anlage schrittweise in den regulären Betrieb übergehen.






