Wohnzimmer-Projekt im Klinikum Gütersloh: über 1.000 Betreute

Das Angebot für Menschen mit Demenz und Delir wird von zwei Stiftungen drei Jahre lang mit insgesamt 223.000 Euro gefördert

Gütersloh. Das Wohnzimmer-Projekt im Klinikum Gütersloh hat inzwischen mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten mit der Zusatzdiagnose Demenz betreut. Auch Menschen mit einem Delir, einer vorübergehenden Orientierungslosigkeit etwa nach einer Narkose, können das Angebot nutzen.

Sechs Mitarbeiterinnen des Wohnzimmer-Projekts im Klinikum Gütersloh in rosa Pflegekleidung vor einer Hecke.

Sensibel für Menschen mit Demenz im Krankenhaus: Das Team des Wohnzimmer-Projektes im Klinikum Gütersloh.
© Klinikum Gütersloh

Das „Wohnzimmer“ soll Patientinnen und Patienten während ihres Krankenhausaufenthalts einen geschützten Ort für Orientierung, Beschäftigung und Begegnung bieten. Eine wohnliche Atmosphäre sowie die individuelle Begleitung durch erfahrene Pflegefachkräfte und geschulte Betreuungskräfte sollen Menschen mit Demenz Sicherheit und Vertrautheit vermitteln.

Vertraute Elemente sollen Orientierung geben

Zum Angebot gehören gemeinsames Spielen, Basteln, Singen und Lesen sowie Gespräche über vertraute Alltagsthemen. „Das Wohnzimmerprojekt setzt dort an, wo unsere Patientinnen und Patienten Unterstützung brauchen“, sagt Katja Plock, Demenz-Coach am Klinikum Gütersloh und Leiterin des Projekts. Die Betreuungskräfte könnten individuell auf unterschiedliche Persönlichkeiten und Bedürfnisse eingehen.

Da die ungewohnte Umgebung eines Krankenhauses für Menschen mit Demenz zusätzlichen Stress bedeuten kann, wurden im Wohnzimmer verschiedene Orientierungshilfen integriert. Dazu gehören unter anderem eine Spezialausgabe der Tageszeitung, ein Bild mit ostwestfälischen Begriffen von „Pömpel“ bis „Pillepoppen“ sowie eine Uhr und ein Kalender.

Auch die Mahlzeiten nehmen die Patientinnen und Patienten im Wohnzimmer ein. Nach Angaben des Klinikums tragen die ruhige Umgebung und die Unterstützung dazu bei, dass ausreichend Nahrung und Flüssigkeit aufgenommen werden können. Dies sei insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten für die Genesung von Bedeutung.

Ältere Patientin sitzt lächelnd im Wohnzimmer-Projekt im Klinikum Gütersloh.

Die über 100-jährige Patientin fühlt sich im Wohnzimmer gut aufgehoben.
© Klinikum Gütersloh

223.000 Euro Förderung über drei Jahre

Das Wohnzimmer-Projekt im Klinikum Gütersloh wird über einen Zeitraum von drei Jahren von zwei Stiftungen mit insgesamt 223.000 Euro unterstützt. Die Bürgerstiftung Gütersloh stellt davon rund 143.000 Euro zur Verfügung, weitere 80.000 Euro kommen von der Erich und Katharina Zinkann-Stiftung.

„Mit dem Wohnzimmer-Projekt investieren wir in mehr Lebensqualität für Menschen mit Demenz während eines Krankenhausaufenthalts und möchten damit auch die Angehörigen unterstützen und entlasten“, sagt Katrin Meyer, Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Gütersloh.

Nach Angaben des Klinikums entlastet das Angebot neben den Patientinnen und Patienten sowie ihren Familien auch die Pflegekräfte. Zur demenzsensiblen Betreuung im Klinikum Gütersloh gehören außerdem ein Nachtcafé und Besuche durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.