DGB Ostwestfalen-Lippe fordert bessere Ausbildungsbedingungen, höhere Vergütungen und verlässliche Betreuung in den Betrieben
Ostwestfalen-Lippe. Der DGB-Ausbildungsreport 2026 zeigt deutlichen Handlungsbedarf bei der dualen Ausbildung: Die Zufriedenheit der befragten Auszubildenden ist auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebungen gesunken. Zugleich berichten viele junge Menschen von psychischen Belastungen und finanziellen Schwierigkeiten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Ostwestfalen-Lippe fordert deshalb bessere Ausbildungsbedingungen und mehr Verantwortung der Betriebe.
Nur noch 65,7 Prozent der Befragten sind mit ihrer Ausbildung „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Das entspricht einem Rückgang um 5,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig geben 35,4 Prozent der Auszubildenden an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen. 16,3 Prozent erledigen nach eigenen Angaben „immer“ oder „häufig“ Tätigkeiten, die nicht zu ihrer Ausbildung gehören.
Der DGB Ostwestfalen-Lippe sieht darin auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ein Problem. Wer junge Menschen für einen Beruf gewinnen und langfristig halten wolle, müsse verlässliche Ausbildungsbedingungen, ausreichende Betreuung und die Einhaltung der Ausbildungsinhalte sicherstellen.
Mentale Gesundheit im Schwerpunkt
Ein Schwerpunkt des DGB-Ausbildungsreports 2026 liegt auf der mentalen Gesundheit. 50,6 Prozent der Befragten geben an, psychisch belastet zu sein. Als wichtige Belastungsfaktoren nennt der Report Leistungs- und Zeitdruck, Personalmangel sowie einen hohen Verantwortungsdruck.
Besonders deutlich wird der Einfluss einer verlässlichen Betreuung: Sind Ausbilderinnen und Ausbilder immer verfügbar, fühlen sich 8,5 Prozent der Auszubildenden hoch belastet. Sind die zuständigen Personen dagegen selten oder nie erreichbar, steigt dieser Anteil auf 36 Prozent.
Zudem geben 41,7 Prozent der psychisch belasteten Auszubildenden an, niemanden zu haben, mit dem sie über ihre Belastungen sprechen können. Der DGB fordert deshalb verlässliche und niedrigschwellige Ansprech- und Beratungsangebote sowie Fort- und Weiterbildungen zum Thema mentale Gesundheit für Ausbildungspersonal und Berufsschullehrkräfte.
Viele können von ihrer Vergütung nicht selbstständig leben
Auch die finanzielle Situation bleibt für viele Auszubildende schwierig. 65,3 Prozent der Befragten erklären, von ihrer Ausbildungsvergütung „weniger gut“ oder „gar nicht“ selbstständig leben zu können. Fast ein Drittel erhält zusätzliche finanzielle Unterstützung von den Eltern. Etwa jede achte befragte Person geht neben der Ausbildung zusätzlich einem Nebenjob nach.
Der DGB Ostwestfalen-Lippe fordert deshalb unter anderem eine deutliche Anhebung der Mindestausbildungsvergütung. Eine Ausbildung sei eine Vollzeittätigkeit und zugleich der Einstieg in ein selbstständiges Berufsleben. Hohe Mieten und Lebenshaltungskosten müssten bei der Höhe der Vergütung stärker berücksichtigt werden.
Mitbestimmung wirkt sich auf Zufriedenheit aus
Nach Angaben des Reports sind 75,7 Prozent der Auszubildenden mit einer betrieblichen Interessenvertretung mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Betriebs- und Personalräte sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen seien damit wichtige Anlaufstellen und könnten dazu beitragen, die Ausbildungsqualität und die Rechte der Auszubildenden zu sichern.
Zu den weiteren Forderungen des DGB gehören der Ausbau von Azubiwohnheimen mit sozialpädagogischer Begleitung sowie verlässliche Übernahmeperspektiven nach einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss.
Über 13.000 Auszubildende befragt
Für den DGB-Ausbildungsreport 2026 wurden über einen Zeitraum von zwölf Monaten bis Mai 2026 insgesamt 13.227 Auszubildende aus den 25 am stärksten besetzten dualen Ausbildungsberufen befragt. Der diesjährige Schwerpunkt der Erhebung liegt auf der mentalen Gesundheit von Auszubildenden.






