HSBI Startup Award 2026: Drei Gründungsteams ausgezeichnet

Breakomers, OptiSphere und AVOR Medical Intelligence überzeugen mit Lösungen für Matratzenrecycling, industrielle Prozesse und Krebstherapien.

Bielefeld. Beim zweiten HSBI Startup Award der Hochschule Bielefeld (HSBI) sind drei Gründungsteams für ihre Geschäftsideen und technologischen Entwicklungen ausgezeichnet worden. Die Gewinner beschäftigen sich mit dem Recycling von Matratzen, der Optimierung industrieller Prozesse und der Unterstützung medizinischer Fachkräfte bei der Krebsbehandlung. Insgesamt hatten sich 63 Teams für den Wettbewerb beworben. Neun von ihnen erreichten die Endrunde und präsentierten ihre Konzepte vor einer Jury und rund 250 Gästen in der Bielefelder Wissenswerkstadt.

Foto: P. Pollmeier/HSBI.

Die Gewinner der Kategorie Startup: Das Team von Breakomers um Dr. Paulo Wohlfahrt, Dr. Kubilay Ceyhan und Willy Zubert (v.l.) hat einen wiederverwertbaren Schaumstoff für das Recycling von Matratzen entwickelt. Foto: P. Pollmeier/HSBI.

Das Finale fand am 6. Oktober 2026 statt. Die nominierten Teams hatten jeweils vier Minuten Zeit, um ihre Ideen vorzustellen. Anschließend konnte die Jury vier Minuten lang Fragen stellen. Der Wettbewerb wurde vom Centre for Entrepreneurship (CFE) der HSBI organisiert und von der NRW-Bank als Hauptsponsor unterstützt.

Breakomers gewinnt mit recyclingfähigem Schaumstoff

Den mit 3.000 Euro dotierten ersten Platz in der Kategorie „Startup“ sicherte sich das Team Breakomers. Die Gründer entwickeln einen Schaumstoff, der das Recycling von Matratzen erleichtern soll. Dafür wird eine der beiden chemischen Substanzen, die zur Schaumstoffproduktion benötigt werden, so verändert, dass sich das Material später wieder in seine Ausgangsstoffe zerlegen lässt.

Mit diesem Verfahren möchte Breakomers eine technische Lösung für die Wiederverwertung von Matratzen schaffen. In der Kategorie „Startup“ traten Teams an, die bereits gegründet hatten oder kurz vor der Unternehmensgründung standen. Weitere vorgestellte Konzepte beschäftigten sich mit der Auswertung von Maschinendaten anhand des Stromverbrauchs und einem wartungsfreien, selbst mit Energie versorgten Wasserdetektor zur frühzeitigen Erkennung von Wasserschäden.

OptiSphere erhält ersten Preis in der Kategorie Idee

In der Kategorie „Idee“ gewann OptiSphere den mit 2.000 Euro dotierten ersten Platz. Das Team entwickelt eine intelligente, selbstlernende Software, mit der industrielle Prozesse schneller und effizienter entwickelt werden sollen. Ziel ist es unter anderem, die Zahl notwendiger Testläufe in der Produktion deutlich zu reduzieren.

Für diese Wettbewerbskategorie war noch kein vollständig ausgearbeitetes Geschäftsmodell erforderlich. Dennoch präsentierten die drei nominierten Teams nach Einschätzung der Veranstalter bereits weit entwickelte Konzepte. Neben der industriellen Prozessoptimierung gehörten eine nicht-invasive Messung von Laktatwerten im Sportbereich und eine KI-gestützte Plattform zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für Batteriespeicher zu den vorgestellten Ideen.

Sonderpreis Gesundheit für AVOR Medical Intelligence

Der gemeinsam mit dem Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft Ostwestfalen-Lippe (ZIG OWL) vergebene Sonderpreis Gesundheit ging an das Team AVOR Medical Intelligence. Die Auszeichnung war bereits am 25. September 2026 beim Unternehmertag Gesundheit an der Hochschule Bielefeld verliehen worden.

Foto: P. Pollmeier/HSBI

Prof. Dr. Florian Weißinger (3.v.l.), Max Schüler (4.v.l.) und Dr. Enver Aydilek (5.v.l.) bekamen den Sonderpreis Gesundheit überreicht von Prof. Dr. Cornelius Knabbe, Vorsitzender des Vorstandes des ZIG OWL, und dem ZIG OWL Geschäftsführer Uwe Borchers (v.l.) für ihr KI-gestütztes Recherchetool „AVOR Medical Intelligence“. Foto: P. Pollmeier/HSBI

AVOR Medical Intelligence entwickelt eine KI-gestützte Anwendung für Fachkräfte der Onkologie und Hämatologie. Das Recherche-Tool soll dabei helfen, wissenschaftlich fundierte und quellenbasierte Informationen zu individuellen Therapiemöglichkeiten bei Krebserkrankungen schneller zugänglich zu machen.

Die Auszeichnung wurde von Prof. Dr. Cornelius Knabbe, Vorstandsvorsitzender des ZIG OWL, und Uwe Borchers, Geschäftsführer des ZIG OWL und Mitinitiator des Unternehmertags Gesundheit, begleitet. Beide würdigten die Verbindung medizinischer Fachkenntnisse mit technologischer Entwicklung innerhalb des Teams.

Hochschulen und regionale Gründungsförderung arbeiten zusammen

Zur Eröffnung der Preisverleihung betonte HSBI-Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk die Bedeutung des Wissenstransfers: „Wissen gehört nicht in Schubladen, sondern in die Werkstatt, wo etwas daraus gemacht wird und wo es Wirkung entfalten kann.“ Die Finalteams zeigten aus ihrer Sicht, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete unternehmerische Vorhaben überführt werden können.

Prof. Dr. Natalie Bartholomäus, HSBI-Vizepräsidentin für Transfer und gesellschaftliche Wirkung, verwies auf die zentrale Einrichtung HSBI Transfer. Mit dem Centre for Entrepreneurship unterstützt die Hochschule Gründungsinteressierte, fördert den Austausch zwischen Wissenschaft, Unternehmen und Kapitalgebern und arbeitet daran, bürokratische Hürden zwischen Hochschule und Wirtschaft abzubauen.

Auch Bielefelds Bürgermeisterin Miriam Welz würdigte den Mut der Gründungsteams. In einem von WDR-Moderator Tobias Häusler geführten Gespräch sprach Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung und Mitinitiatorin der Founders Foundation, über die wirtschaftliche Bedeutung junger Unternehmen. Sie forderte eine stärkere Förderung von Gründungen in Deutschland und bezeichnete Startups als mögliche Mittelständler von morgen.

63 Bewerbungen und neun Finalteams

Der HSBI Startup Award wurde 2025 erstmals ausgeschrieben. Mit der zweiten Auflage wollte das Centre for Entrepreneurship die Sichtbarkeit von Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft weiter erhöhen. Nach Angaben von Theresa Nerlich vom CFE gingen 2026 insgesamt 63 Bewerbungen in den drei Wettbewerbskategorien ein.

Eine Vorjury aus Coaches verschiedener regionaler Gründungsinitiativen bewertete die Einreichungen. Beteiligt waren garage33 der Universität Paderborn, die Campus Foundery der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, ZUg der Universität Bielefeld und das CFE der Hochschule Bielefeld. Voraussetzung für die Teilnahme war eine Verbindung zu einer der staatlichen Hochschulen der Region.

Neun Teams wurden für die Endrunde ausgewählt. Sie konnten ihre Konzepte beim Finale vor der Jury und dem Publikum vorstellen. Die rund 250 Gäste erhielten dabei Einblicke in unterschiedliche Entwicklungsphasen von Gründungsvorhaben – von ersten Geschäftsideen bis zu bereits gegründeten Unternehmen.

Fördergesellschaft stellt Preisgelder bereit

Die Preisgelder in den Kategorien „Startup“ und „Idee“ wurden wie im Vorjahr von der Fördergesellschaft der Hochschule Bielefeld e.V. bereitgestellt. Die NRW-Bank unterstützte die Veranstaltung als Hauptsponsor. Der Sonderpreis Gesundheit wurde vom ZIG OWL gestiftet.

Prof. Dr. Ingo Ballschmieter, Co-Leiter des CFE und Initiator des Wettbewerbs, zog nach der Preisverleihung eine positive Bilanz. Die Präsentationen hätten gezeigt, welches Potenzial für Unternehmensgründungen aus wissenschaftlichen Ideen entstehen könne. Mit dem HSBI Startup Award wolle die Hochschule Gründungsinteressierten weiterhin eine Plattform bieten, um ihre Konzepte öffentlich vorzustellen und weiterzuentwickeln.