2.000 Jahre Medizingeschichte im Schloss Brake in Lemgo

Sonderausstellung „Staying alive“ verbindet historische Medizin, interaktive Stationen und aktuelle Gesundheitsfragen vom 13. Oktober 2026 bis zum 2. Mai 2027

Lemgo. Wie haben Menschen vor Jahrhunderten Krankheiten behandelt? Welche medizinischen Erkenntnisse haben sich durchgesetzt und welche Vorstellungen erwiesen sich als Irrtum? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neue Sonderausstellung „Staying alive. Medizingeschichte(n) mit Risiken und Nebenwirkungen“ im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake. Vom 13. Oktober 2026 bis zum 2. Mai 2027 können Besucherinnen und Besucher eine Zeitreise durch rund 2.000 Jahre Medizingeschichte unternehmen – von der Antike über die Weserrenaissance bis in die Gegenwart.

© Landeverband Lippe

Historisches chirurgisches Besteck aus dem 17. Jahrhundert. © Landeverband Lippe

Die Ausstellung verbindet historische Exponate mit aktuellen Fragen zur Gesundheitsversorgung, medizinischen Forschung und gesellschaftlichen Verantwortung. Mehr als 60 Ausstellungsstücke und verschiedene Mitmachangebote vermitteln, wie sich medizinisches Wissen und Behandlungsmethoden im Laufe der Jahrhunderte verändert haben.

Historische Instrumente und medizinische Erkenntnisse

Zu den Exponaten gehören menschliche Schädel, eine Mumienhand, chirurgisches Arztbesteck, Instrumente für den Aderlass, eine historische Reiseapotheke, ein Apothekerschrank sowie Prothesen, Bücher und Gemälde. Die Ausstellungsstücke dokumentieren unterschiedliche Vorstellungen von Krankheiten und deren Behandlung.

„Historische Objekte von außergewöhnlicher Qualität erzählen von den Hoffnungen, Irrtümern und wissenschaftlichen Erkenntnissen vergangener Jahrhunderte“, erklärt Museumsleiterin Silvia Herrmann.

Inhaltlich beschäftigt sich die Ausstellung unter anderem mit Seuchen, Hygiene, der Entwicklung der Pharmazie, der Entstehung erster Hospitäler und der Rolle der Kirche in der Medizingeschichte. Auch der Wandel medizinischer Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten wird dargestellt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung zwischen historischen Entwicklungen und gegenwärtigen Herausforderungen. Dazu gehören Impfmythen, Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, Fragen einer gerechten Gesundheitsversorgung sowie die lange Zeit überwiegend männlich geprägte Medizin.

Nach Ansicht von Museumsleiterin Silvia Herrmann betrifft Medizingeschichte das heutige Leben unmittelbar und bietet Anlass, über Gesundheit, Forschung und gesellschaftliche Verantwortung nachzudenken.

Medizingeschichte zum Anfassen und Ausprobieren

Die Sonderausstellung setzt auf eine interaktive Gestaltung. Bereits beim Betreten erwartet die Gäste eine nachgebildete Arztpraxis mit Wartezimmer. Dort erhalten sie einen Anamnesebogen und im weiteren Verlauf ein „Rezept“, das an der Museumskasse eingelöst werden kann.

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Historischer Apothekerschrank. © Landeverband Lippe

An verschiedenen Mitmachstationen können Besucherinnen und Besucher eine Desinfektionsstation ausprobieren, Heilkräuter anhand ihres Geruchs kennenlernen, durch ein Mikroskop schauen oder beim „Organ-Memory“ ihr Wissen testen.

„Geschichte wird so nicht nur vermittelt, sondern mit allen Sinnen erfahrbar“, erläutert Kuratorin Dr. Susanne Hilker. Die Angebote sollen historische und medizinische Zusammenhänge auf anschauliche Weise vermitteln.

Medizingeschichte mit regionalen Bezügen

Auch die Geschichte der Medizin in Lippe spielt eine wichtige Rolle. Thematisiert werden unter anderem der historische Apothekenerker am Lemgoer Rathaus und die von Fürstin Pauline gegründete erste „Irrenanstalt“ in Lippe. Darüber hinaus erhalten die Gäste Einblicke in die Medizinbücher von Graf Simon VI. zur Lippe.

Diese regionalen Beispiele verdeutlichen, wie sich medizinische Versorgung und gesellschaftliche Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit vor Ort entwickelten.

Fotoausstellung zeigt das Leben nach einer Krebsdiagnose

Ein eigenständiger Bestandteil der Sonderausstellung ist das Fotoprojekt „Diagnose Krebs – das Leben danach“. Die Aufnahmen zeigen Brustkrebspatientinnen und -patienten, die mit Accessoires aus der Zeit der Weserrenaissance inszeniert wurden. Dazu gehören beispielsweise Handschuhe, Perlen und Tulpen.

Die Fotografien entstanden direkt im und am Schloss Brake. Initiiert wurde das Projekt von Sabine Mirbach, die fotografische Umsetzung übernahm Nadine Marga-Fahrenkamp.

Die Bilder setzen sich mit den persönlichen Erfahrungen von Menschen nach einer Krebsdiagnose auseinander und verbinden diese mit historischen Gestaltungselementen. Die Ausstellung greift damit zugleich das Thema Brustkrebs auf, das auch im Mittelpunkt des sogenannten Pinken Oktobers steht. Der Aktionsmonat macht auf Brustkrebs und die Bedeutung der Früherkennung aufmerksam.

Die Ausstellung verweist außerdem auf eine Darstellung in Michelangelos Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle in Rom, die als Abbildung einer Frau mit veränderter Brust interpretiert wird.

Zusammenarbeit mit Wissenschaft, Medizin und Kultur

Die Sonderausstellung entstand unter Beteiligung zahlreicher Einrichtungen und Unterstützer aus Wissenschaft, Medizin, Kultur und Wirtschaft. Zu den Förderern und Partnern gehören die Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe, die Andreas-Mohn-Stiftung, die Gesundheitsstiftung Lippe, das Klinikum Lippe, der Apothekerverband Westfalen-Lippe, der Rotary Club Lemgo-Sternberg, Frauen für Lemgo, der Soroptimist-Club Detmold Lippische Rose, der Soroptimist-Club Detmold und der Freundeskreis des Weserrenaissance-Museums Schloss Brake.

Weitere Unterstützung leisten Brasseler, Vincent Systems, die Lippische Landesbrandversicherung und die Sparkasse Lemgo.

Zu den Leihgebern zählen unter anderem das Lippische Landesmuseum Detmold, die Lippische Landesbibliothek Detmold, das Fürstliche Residenzschloss Detmold, das Stadtmuseum Gütersloh, das Historische Museum Bielefeld, das Museum im Schloss Bad Pyrmont, das Mindener Museum und die Stadt Bad Salzuflen.

Ebenfalls beteiligt sind Fraunhofer IOSB-INA, die Technische Hochschule OWL mit dem Institut für industrielle Informationstechnik sowie das auf Prothetik spezialisierte Unternehmen Vincent Systems.

Begleitprogramm mit Vorträgen, Workshops und Kultur

Begleitet wird die Ausstellung von einem Programm für unterschiedliche Altersgruppen. Vorgesehen sind Familienführungen, museumspädagogische Angebote für Kindergärten und Schulen sowie Workshops, in denen beispielsweise Salben hergestellt werden können.

In Zusammenarbeit mit dem Klinikum Lippe findet außerdem die Vortragsreihe „Visite im Museum“ statt. Medizinerinnen und Mediziner beschäftigen sich dabei mit verschiedenen Gesundheitsthemen.

Zum kulturellen Begleitprogramm gehören unter anderem ein geplanter Medizinkabarett-Abend mit Ingo Börchers, eine moderne Inszenierung von Molières „Der eingebildete Kranke“ sowie eine Lesung mit dem Gefängnisarzt und Schauspieler Joe Bausch, der unter anderem aus dem „Tatort“ bekannt ist.

Mit der Verbindung von historischen Objekten, persönlichen Geschichten und praktischen Angeboten möchte das Museum den Austausch über medizinischen Fortschritt, Prävention sowie körperliche und mentale Gesundheit fördern.

Öffnungszeiten und weitere Informationen

Die Sonderausstellung „Staying alive. Medizingeschichte(n) mit Risiken und Nebenwirkungen“ ist vom Dienstag, 13. Oktober 2026, bis Sonntag, 2. Mai 2027 im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo zu sehen.

Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm sind über die Internetseite des Weserrenaissance-Museums Schloss Brake erhältlich.