Zeit als Geschenk des Pflegeteams

Team_PalliativstationGütersloh: Es ist ein Ort der Ruhe und der Geborgenheit. Intensive Gespräche, sanfte Massagen und Aromapflege gehören mit zu den täglichen Aufgaben der Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Palliativstation im Klinikum Gütersloh. Kaum etwas erinnert auf dieser Station an den typischen Krankenhausalltag. Oberarzt Dr. Herbert Kaiser und das Pflegepersonal nehmen sich Zeit für die Patienten und haben immer ein offenes Ohr – für jeden.

Wände in warmen Farbtönen und wohnlich eingerichtete Zimmer mit Buchenholzbetten für insgesamt acht Patienten. Die Station 16, auch bekannt als Palliativstation, ist ein besonderer Bereich im Klinikum Gütersloh. Hier werden Menschen behandelt, die an einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leiden. Für einige ist es der Ort, an dem sie sich in geschützter Atmosphäre mit dem Sterben auseinandersetzen. Der Patient steht im Mittelpunkt, 24 Stunden am Tag. „Wir stellen uns individuell auf die Bedürfnisse unserer Patienten ein“, erzählt Stationsleiterin Hildegard Oesterschlink. Die Patienten entscheiden selbst, wann sie aufstehen möchten und wann sie Appetit haben. Aufgrund ihrer schweren Erkrankungen ist vieles nicht planbar – jeder Tag verläuft anders.

„Wir reden auf Augenhöhe mit den Patienten und sind ehrlich zu ihnen. Nur so lässt sich eine Vertrauensbasis aufbauen“, fasst Gesundheits- und Krankenpflegerin Maike Mertel zusammen. Genauso wie Stationsleiterin Hildegard Oesterschlink ist sie seit 16 Jahren, seit der Eröffnung der Station im Dezember 1996, auf der Palliativstation im Klinikum Gütersloh tätig. Eine Herausforderung, die weit über die normale Pflege hinausgeht. Zusätzliche Palliativ-Care Weiterbildungen befähigen die insgesamt 14 Mitarbeiter die Patienten in schwierigen Stunden zu begleiten. Aromatherapien, Verwöhnbäder und sanfte Massagen gehören auf der Palliativstation ebenfalls dazu – das entspannt die Patienten und steigert zugleich das Wohlbefinden. Ziel ist es, die größtmögliche Lebensqualität, die Würde und die Selbstbestimmung des Patienten zu erhalten. Dieser ganzheitliche Ansatz erfordert sowohl eine gute Kommunikation und Kooperation im Team, in der Zusammenarbeit mit den Familien sowie mit weiteren ambulanten und stationären Diensten.

Die Teamarbeit auf der Palliativstation im Klinikum Gütersloh besteht auch darin, sich in belastenden und schwierigen Situationen gegenseitig zu unterstützen. Die persönliche und professionelle Auseinandersetzung mit Leid, Verlust, Trauer, Hoffnung und Sinn sind fester Bestandteil des Arbeitsalltags in der Pflege. Von jungen Erwachsenen bis hin zu älteren Menschen liegen Patienten jeder Altersklasse auf der Station 16.
„Auf unserer Station wird viel gelacht“, sagt die Stationsleiterin. Nichtsdestotrotz berühren die Pflegekräfte natürlich auch die persönlichen Schicksale der Patienten: „Auch wir stoßen immer mal wieder an unsere Grenzen und jeder muss einen Weg für sich finden, die Dinge nicht zu nah an sich herankommen zu lassen“, beschreibt Maike Mertel. Sie drücke ihre Gedanken und Gefühle gerne in Gedichten aus.

Der Dank der Patienten und Angehörigen stärkt das Team zudem: „Liebe Worte und kleine Gesten zeigen uns, dass wir unseren Teil dazu beigetragen haben, den Aufenthalt hier möglichst angenehm zu gestalten“, freut sich Hildegard Oesterschlink über die vielen Kisten mit Danksagungen und netten Briefen. Regelmäßig lädt das Pflegepersonal auch Angehörige ehemaliger Patienten ein, um sich bei einer Tasse Kaffee und Kuchen im Aufenthaltsraum auszutauschen. Dies wird begleitet von ehrenamtlichen Hospizhelfern. Die positive Resonanz zeigt, dass das Vertrauensverhältnis auch über die Zeit im Klinikum Gütersloh hinaus bestehen bleibt.

Teamarbeit im Spannungsfeld
– psychosoziale Begleitung des Patienten
– regelmäßige Symptomkontrolle
– optimale Schmerztherapie
– abgestimmter Pflegebegleitung und Anleitung
– Krisenintervention
– Stärkung des sozialen Umfeldes, der Angehörigen und der Freunde des erkrankten Menschen
– spirituelle Unterstützung und Sterbebegleitung

BU: Starkes Team: Die Gesundheits- und Krankenpfleger Jürgen Petermann (von links), Hildegard Oesterschlink, Maike Mertel und Gabriele Linke sind Teil des Pflegeteams auf der Palliativstation, die sich täglich intensiv um die Patienten kümmern.