VfB Friedrichshafen und Rote Raben Vilsbiburg siegen

Sieger-RR-Vilsbiburg+VfB-FrHalleWestfalen. Der VfB Friedrichshafen hat zum fünften Mal im GERRY WEBER STADION und zum zwölften Mal insgesamt den DVV-Pokal gewonnen: Der Rekordpokalsieger siegte in einem packenden und sehr wechselhaften Finale vor 10.200 Zuschauern 3:2 (20-25, 25-15, 20-25, 25-16, 15-12) gegen den Deutschen Meister Berlin Recycling Volleys und machte zweimal einen Satzrückstand wett. Punktbeste Spieler waren Baptiste Geiler (19) und Valentin Bratoev (18) auf Friedrichshafener Seite, für die BR Volleys punkteten Paul Carroll (21) und Robert Kromm (19) am häufigsten.

Rekordpokalsieger gegen Deutscher Meister, 19 aktuelle Nationalspieler aus elf Nationen, Tabellenführer gegen den Tabellenzweiten! Das waren die Fakten vor dem „Duell der Giganten“ zwischen dem VfB Friedrichshafen und den Berlin Recycling Volleys. Und Friedrichshafens Zuspieler Nikola Jovovic hatte vor dem Finale gemutmaßt, „die Chancen stehen 50:50.“ Ein ausgeglichenes Finale der beiden besten deutschen Teams erwarteten alle.

Doch es kam zunächst ganz anders: Berlin mit seinem Diagonalangreifer Paul Carroll machte enorm viel Druck von der Aufschlaglinie, und auch aus dem Rückraum war der Australier nicht zu halten. Bei der ersten technischen Auszeit im ersten Satz hatten die Berliner sieben Zähler Vorsprung (8-1). Auch in der Folge hatte die Mannschaft von Stelian Moculescu Probleme, seinen Rhythmus zu finden, und lief dem Rückstand stets hinterher. Die ersten zwei Satzbälle konnte Friedrichshafen noch abwehren, dann war Mittelmann Tomas Kmet zur Stelle.

Gegen Ende des ersten Satzes war das Team vom Bodensee etwas besser in die Partie gekommen, dieser Trend setzte sich zu Beginn des zweiten Satzes fort. Kapitän Max Günthör sorgte mit einem mächtigen Block (am Ende hatte Günthör acht Blockpunkte und somit zwei mehr als die gesamte Berliner Mannschaft) gegen Robert Kromm für einen „Weckruf“, anschließend punktete der italienische Diagonalangreifer Ventceslav Simeonov per Aufschlag und Angriff (5-8). Die Leichtigkeit der Berliner war dagegen verflogen. Kromm und Carroll wurden vom gegnerischen Block gestoppt, zudem kamen nun die gefürchteten VfB-Aufschläge in Serie. Baptiste Geiler schraubte damit den Vorsprung auf acht Punkte (7-15). Am Ende war der Satzausgleich nur noch Formsache, Carroll setzte – etwas symptomatisch für diesen Durchgang – seinen Angriff weit hinter die Linie.

Verliefen die ersten beiden Sätze überraschend einseitig, so entwickelte sich im dritten Satz der von allen erhoffte und erwartete Schlagabtausch. Die Führung wechselte hin und her, kein Team konnte sich mit mehr als zwei Punkten absetzen. Als Simeonov zweimal seinen Angriff nicht unterbringen konnte, hatte Berlin erstmals ein wenig „Luft“ (14-11).

Dann kam die Zeit des längsten Spielers im Finale: der 2,12 Meter große Außenangreifer Kromm servierte acht Mal in Serie und sorgte somit nahezu im Alleingang für die Vorentscheidung (21-14) und die 2:1-Satzführung. „Es ist viel vom Aufschlag abhängig, dann passieren solche Wechsel wie in diesem Spiel“, meinte Lebedew nach dem Spiel und sollte damit auch für die Sätze vier und fünf richtig liegen.

Der Rekordpokalsieger war gefordert und zeigte eine Reaktion: Die Mittelblocker Günthör und Victor Yosifov punkteten per Block und Angriff und brachten ihr Team in Front (6-10). In der Folge punkteten beide Teams aus der Annahme, sodass sich nichts an der Punkte-Differenz änderte (12-16). Dann waren es erneut die Aufschläge, die vorentscheidenden Charakter hatten. Der französische Nationalspieler Baptiste Geiler setzte Kromm erfolgreich unter Druck (13-21) – der fünfte Satz musste entscheiden., nicht unbedingt die Lieblings-Disziplin der Friedrichshafener, die in dieser Saison von acht Tiebreaks sieben verloren hatten.

Die Berliner ließen beim 4-3 die erste Punktchance wegen eines Missverständnisses liegen, anschließend sorgte ein Günthör-Block gegen Lisinac für das erste Break im Spiel. Der „König von Halle“ – es war bei der neunten Auflage in HalleWestfalen seine achte Finalteilnahme – jubelte ausgelassen (5-6). Aber der Konter der Berliner folgte prompt und dreifach: Carroll brachte per Angriff und Block den Führungswechsel (8-6). Kromm mit einem Angriff über den hohen Doppelblock sowie ein weiterer Block von Carroll sorgten für vier Zähler Vorsprung und tobende Berliner Fans (10-6).

Doch auch Friedrichshafen schlug in Form einen Günthör-Blocks und eines Geiler-Aufschlags zurück und glich aus (11-11). Dann gar der Führungswechsel, weil der eingewechselte Christian Dünnes ein Ass servierte (12-13). Und auch die nächsten zwei Punkte gingen an Friedrichshafen, weil weder Kromm noch Carroll am Block der Häfler vorbeikamen. 3:2-Sieg für den VfB Friedrichshafen und zum zwölften Mal Sieger des DVV-Pokals. Für Stelian Moculescu war es gar der 20. (!) Gewinn des „Potts“ als Spieler und Trainer. „Friedrichshafen hat am Ende wie ein Champion gespielt“, zollte Berlins Mark Lebedew dem Sieger Respekt und schob nach: „Diese Niederlage tut weh!“

Stimmen zum Männer-Finale

Stelian Moculescu (Trainer Friedrichshafen): „Kompliment an meine Mannschaft! Sie hat oft gute Leistungen gezeigt, ist aber nicht belohnt worden. Natürlich hatten wir auch das nötige Glück, aber entscheidend waren am Ende der Aufschlag und unser Block-Abwehrverhalten. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, selbst der Tiebreak verlief wie die ganze Partie, es war ein auf und ab. Mich freut es auch für Christian Dünnes, der das Spiel am Ende entschieden hat.“

Max Günthör (Kapitän Friedrichshafen): „So ein Spiel hatte ich nicht erwartet! Ich dachte, es wird klarer für ein Team. Den Leuten hat es Spaß gemacht, die Stimmung war so gut wie noch nie bei einem Männer-Finale. Ich bin froh, dass wir in unserem neunten Tiebreak-Spiel in dieser Saison zum zweiten Mal gewonnen haben.“

Mark Lebedew (Trainer Berlin): „Diese Niederlage tut weh! Friedrichshafen war in dem entscheidenden Moment stabil und hat nochmals den Druck im Aufschlag erhöht. Da haben sie wie ein Champion gespielt.“

Scott Touzinsky (Kapitän Berlin): „Das war ein harter Kampf zweier großartiger Mannschaften. Es war eine phantastische Atmosphäre und kommt gleich hinter dem Olympia und -World League-Finale. Das hat – trotz der Niederlage – Spaß gemacht.“

Bundestrainer Vital Heynen: „So muss ein Pokalfinale sein. Es war nicht das höchste Niveau, weil der Druck einfach hoch ist. Aber es war unglaublich spannend, vor allem der fünfte Satz, indem Berlin beim 10-6 wie der sichere Sieger aussah.“

Damen-Finale: Die Roten Raben Vilsbiburg haben das Volleyball DVV-Pokalfinale gegen die VolleyStars Thüringen mit 3:0 (25:22, 25:22, 25:20) in 79 Spielminuten gewonnen. Mit einem so klaren Ergebnis hatten im Vorfeld niemand gerechnet. „Auf dem Papier ist es ein 3:0, aber die ersten beiden Sätze waren hart umkämpft. Wir sind glücklich, heute diesen Erfolg zu feiern und es war eine sehr gute Teamleistung“, sagte Jonas Kronseder, Trainer der Roten Raben.

Beiden Mannschaften war in den ersten Minuten die Nervosität, vor über 10.500 Zuschauern in der Gänsehautatmopshäre des GERRY WEBER STADIONS um den Titel zu spielen, anzumerken. Aufschläge wie auch Angriffe landeten zunächst oft im Aus. Zur ersten technischen Auszeit setzten sich allerdings die VolleyStars Thüringen angepeitscht von über 2.000 Fans aus der schwarz-orangenen Suhler und Berliner Kurve ab und führten schon mit 9:5, bevor die Roten Raben vor allem durch wichtige Punkte ihrer Diagonalangreiferin Liana Mesa Luaces ausgleichen und auf zwei Punkte vorbeiziehen konnten (14:12).

Thüringens Hauptangreiferinnen Vendula Merkova und Martina Utla kamen währenddessen mit ihren Bällen kaum effektiv am Vilsbiburger Block vorbei. So war Vilsbiburg immer um ein bis zwei Punkte vorne und am Ende machten die Raben die letzten drei Punkte zum 25:22. Schon hier deutete sich an, wer den entscheidenden Unterschied ausmachen sollte: Mesa Luaces. Die 36-jährige Kubanerin war bereits im ersten Satz mit neun Punkten und einer Quote von 82 Prozent für die VolleyStars nicht zu stoppen. Am Ende sollte sie mit 16 Zählern die beste Punktesammlerin werden.

Beflügelt vom ersten Satzgewinn zogen die Roten Raben im Anschluss auf 8:3 davon. Zwar kämpften sich die VolleyStars um Kapitänin Claudia Steger immer wieder heran und ihnen gelang sogar der Ausgleich zum 21:21, doch in den entscheidenden Momenten machten die Niederbayern weniger Fehler und holten sich auch Durchgang Nummer zwei mit 25:22 Punkten. „Wir hatten unsere Chancen in den ersten beiden Sätzen, konnten diese aber nicht immer nutzen. Letztendlich hat Vilsbiburg über die Außenpositionen mehr Druck gemacht“, erläutert Sebastian Leipold, Trainer der VolleyStars.

Im dritten Kapitel führten die Vilsbiburgerinnen bereits mit 13:3, als Vendula Merkova zum Aufschlag an die Grundlinie trat und den Abstand mit einer Serie noch einmal verkürzen konnte. Bis zum 11:14 aus Thüringer Sicht hofften die Suhler Fans noch auf die Möglichkeit, ihre Mannschaft noch in den vierten Satz zu klatschen. Doch dann schlug die Stunde der Roten Raben: Sie agierten in allen Elementen aggressiver und gewannen nach 2009 verdient zum zweiten Mal den Pokal.

Mit dem 20:25 war hingegen für die VolleyStars der Traum vom zweiten Pokalsieg zerplatzt: „Wir haben leider vor allem taktisch nicht alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Der Vilsbiburger Block stand immer sehr gut, sodass unsere Hauptangreiferinnen nicht durchkamen. Leider ist das ausgerechnet heute passiert“, so Stefanie Golla, Libero der VolleyStars. Ihr Gegenpart der Roten Raben, Anna Pogany, war von ihrem ersten Pokaltitel und der Stimmung überwältigt: „Ich hätte nicht geglaubt, dass es eine so tolle Atmosphäre ist. Ich bin unglaublich glücklich, dass wir 3:0 gewonnen haben. Ich habe nie erwartet, dass wir 3:0 gewinnen, und die ersten zwei Sätze waren ja auch hart umkämpft. Jetzt feiern wir mit unseren Fans und unseren Familien.“

BU: Die neuen Pokalsieger 2014: Die Roten Raben Vilsbiburg und der VfB Friedrichshafen.

Foto: Conny Kurth