Verdacht auf Meningokokken: 53-jährige Lehrerin verstorben

Kreis Paderborn (krpb). Am späten Dienstagabend (25. Februar) ist eine 53-jährige Lehrerin in einem Paderborner Krankenhaus wahrscheinlich an einer Meningokokken-Erkrankung verstorben. Die Frau unterrichtete an der Hermann-Schmidt-Schule in Schloß Neuhaus. Das Paderborner Kreisgesundheitsamt hat den Eltern der 14 Schülerinnen und Schüler, die in der vergangenen Woche von der Lehrerin unterrichtet worden sind, empfohlen, ihre Kinder rein vorsorglich mit einem speziellen Antibiotikum (Rifampicin) behandeln zu lassen. „Die Frau hat eine sehr schwere Verlaufsform entwickelt. Wir gehen davon aus, dass es sich um einen tragischen Einzelfall handelt“, sagt dazu Kreisgesundheitsamtsleiter Dr. Georg Alles.
Noch ist es ein Verdacht. „Aber die Symptome und der schwere Verlauf sprechen für die Erkrankung“, sagt Alles. Meningokokken sind Bakterien, die sich vor allem während der Winter- und Frühlingsmonate im Rachenbereich ansiedeln. Übertragen werden kann die Erkrankung durch Tröpfchen von Speichel, z.B. beim Husten und Niesen. „Die Ansteckungsgefahr ist nach Kontakt mit einer erkrankten Person erfahrungsgemäß gering“, heißt es in einem Schreiben des Paderborner Kreisgesundheitsamtes, das am gestrigen Mittwoch noch an die Eltern verteilt worden ist. Da die Krankheitserreger in der Regel außerhalb des Körpers sehr schnell absterben würden, sei eine Weitergabe der Bakterien nur bei sehr engem Kontakt über Speichel und Nasensekret, z.B. zum unmittelbaren Tischnachbarn in der Schule, überhaupt möglich.
„Meningokokken sind nicht Masern. Also längst nicht so ansteckend“, bekräftigt Alles. Der leitende Amtsarzt hat zudem am heutigen Vormittag sowie noch einmal am frühen Nachmittag (27. Februar) die Schulleitung sowie das Lehrerkollegium informiert. Jenen Mitschülerinnen und Mitschülern, die nicht von der verstorbenen Lehrerin unterrichtet worden sind, sowie den Lehrerinnen und Lehrern empfahl Alles, sich bei schweren grippalen Symptomen, vor allem wenn sie mit Kopfschmerzen oder Nackensteifigkeit verbunden sind, vom Hausarzt und/oder Kinderarzt untersuchen zu lassen. Wer keine Symptome habe, müsse nicht zum Arzt.
Alle Schulkinder einschließlich jener vierzehn, die vorsorglich zur Vorbeugung das spezielle Antibiotikum (Rifampicin) über zwei Tage nehmen, können ganz normal weiter zur Schule gehen.
Die Hermann-Schmidt-Schule ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung und befindet sich in Trägerschaft des Kreises Paderborn.

 

Hintergrund:

Das Bakterium Neisseria meningitidis verursacht Meningokokken-Erkrankungen, bei denen zwei Verlaufsformen möglich sind: Bei der Hirnhautentzündung (Meningitis) stehen Fieber, Benommenheit, starke Kopfschmerzen mit Nackensteife und Erbrechen im Vordergrund.
Seltener ist die so genannte Sepsis (Blutvergiftung). Der gesamte Körper wird mit Bakterien überschwemmt, die Giftstoffe bilden. Bei der hierdurch ausgelösten Störung der Blutgerinnung zeigen sich flächenhafte Hauteinblutungen. Kleinste rote Punkte in der Haut, später dann größerer Blutergüsse am ganzen Körper sind bereits gefährlichste Anzeichen der fortgeschrittenen Erkrankung. Die Sepsis kann innerhalb von Stunden selbst bei völlig gesunden Menschen tödlich verlaufen.
Erste Krankheitszeichen zeigen sich in der Regel drei bis vier Tage nach Ansteckung, seltener nach zwei bis 10 Tagen (Quelle: Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes). Wird die Infektion frühzeitig behandelt, ist eine Heilung möglich. Bei der seltener auftretenden Sepsis kommt die Therapie allerdings oft zu spät, weil sie rasant und dramatisch verlaufen und innerhalb weniger Stunden zum Tode führen kann.
Am häufigsten werden Meningokokken als Tröpfcheninfektion übertragen. Die Bakterien befinden sich im Nasen-Rachen-Raum des Menschen. Beim Sprechen, Husten und Niesen können sie in kleinsten Speichel-Tröpfchen in die Luft gelangen und eingeatmet werden. Schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Menschen haben diese Bakterien, ohne daran zu erkranken.
In den vergangenen fünf Jahren sind beim Paderborner Kreisgesundheitsamt im Schnitt ein bis zwei Fälle von Meningokokken-Erkrankungen registriert worden. In diesem Zeitraum gab es einen Todesfall, der aber nicht mit einer Gemeinschaftseinrichtung in Verbindung zu bringen war.