Sonderausstellung „Berliner Skulpturenfund“ über ´Entartete Kunst` im Bombenschutt

lwlaussPaderborn. Ab Freitag (4.4.) bis zum 15. Juni zeigt das Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn die Sonderausstellung „Der Berliner Skulpturenfund. ´Entartete Kunst` im Bombenschutt“. Gemeinsam mit der neuen Ausstellung aus Berlin eröffnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) auch die Dauerausstellung des Museums in der Kaiserpfalz wieder.
Bei Bauarbeiten an der Berliner U-Bahn im November 2010 entdeckten Archäologen am Roten Rathaus zunächst eine beschädigte und mit der Patina des Bombenschutts überzogene Büste. Bei nähere Begutachtung und Reinigung identifizierten sie die Büste als Bildnis der Anni Mewes des Künstlers Edwin Scharff – ein Kunstwerk, das seit langem als vermisst galt und so wie zirka 20.000 weitere Kunstobjekte in der Zeit zwischen 1933-1942 mit dem angeblichen Makel „entartet“ aus deutschen Museen entfernt oder sogar zerstört wurde. Einige von diesen Kunstobjekten waren 1937 in der so genannten Schandausstellung „Entartete Kunst“ in München zu sehen. Viele von ihnen gelten bis heute als vermisst.

Nach und nach wurden in Berlin insgesamt 16 Skulpturen freigelegt, alles „Entartete Kunst“. Die Spuren, die die Brandbomben und der Schutt auf den Kunstwerken hinterlassen haben, wurden bewusst nicht vollständig restauriert. Die Sonderausstellung, die zunächst in Berlin und anschließend in verschiedene deutschen Museen zu sehen war, konzentriert sich auf die bewegte Geschichte der Künstler und ihrer Werke.

Die Hintergründe der Kunstwerke werden ebenso thematisiert wie ihre Künstler – Otto Baum, Karl Ehlers, Otto Freundlich, Richard Haizmann, Will Lammert, Karl Knappe, Marg Moll und Milly Steger.

„Skulpturen des 20. Jahrhunderts in einem Spezialmuseum des LWL für die Archäologie des frühen und hohen Mittelalters zu zeigen, ist sicher ungewöhnlich. Aber es handelt sich eben um einen archäologischen Fund, um einen Sensationsfund oder wie Klaus Wowereit gesagt hat, um ein Wunder“, so Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin.

Die 16 Skulpturen der 14 Künstler stehen in der kleinen Aula des Museums und in der Ikenbergkapelle. Dr. Martin Kroker, Leiter des Museums in der Kaiserpfalz: „Der Kurator Zufall hat hier zugeschlagen. Negativer könnte man formulieren, es handelt sich um eine Schicksalsgemeinschaft.“ Denn das Schicksal habe diese sonderbare Sammlung von Skulpturen zusammengebracht – von der Beschlagnahme und Verfemung durch die Nationalsozialisten, der Einlagerung und Teilzerstörung in einem Berliner Keller bis hin zur Wiederentdeckung und Ausstellung im Museum. „Diese Kriegsversehrten lenken den Blick auf eine unglaubliche Kunstgeschichte und legen das tragische Schicksal einzelner Künstler dieser Generation frei. Einige dieser Künstler haben deutliche Bezüge nach Westfalen, die für die Paderborner Ausstellung extra zusammengetragen worden sind“, so Christine Beyer und Nicole Zimmermann, die diese Ausstellung für Paderborn konzipiert und umgesetzt haben.

Neben Vorträgen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr die Führung „Schicksalsgemeinschaft“. Hier wird thematisiert, was und wer genau als „entartet“ galt und welche Folgen sich daraus für das Leben der Künstler und auch für ihre Werke ergaben.

Die Öffnungszeiten des Museums sind: dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, an jedem ersten Mittwoch im Monat 10 bis 20 Uhr.

Ausstellung:
„Der Berliner Skulpturenfund. ´Entartete Kunst` im Bombenschutt“
Vom 04. April bis 15. Juni 2014 im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn
Öffentliche Führungen immer sonntags um 15 Uhr, Kosten: zu entrichten ist nur der Museumseintritt (3,50 € Erwachsene, 2,00 € ermäßigt, 1,50 € Kinder und Jugendliche)

Den Flyer zur Sonderausstellung und weitere Informationen gibt es unter:
http://www.lwl-kaiserpfalz-paderborn.de
Museum in der Kaiserpfalz, Am Ikenberg, 33098 Paderborn
Tel.: 05251 1051-10, Fax: 05251 1051-25, E-Mail: kaiserpfalzmuseum@lwl.org

BU: Christine Beyer (r.) und Nicole Zimmermann (l.), die beide für das Museum in der Kaiserpfalz die Ausstellung „Berliner Skulpturenfund“ vorbereitet haben, mit der Skulptur „Schwangere“ von Emy Roeder.

Foto: LWL/Burgemeister