Schotter für die Alme

AlmeKreis Paderborn (krpb). Die Alme bekommt in den nächsten Monaten auf einer Länge von 6 km im Stadtgebiet von Paderborn wieder die Möglichkeit, naturnahe Gewässerstrukturen wie Kiesflächen, Prallufer oder auch tiefe Kolke auszubilden „Zurück zur Natur“ heißt die Devise für den einzigen Karstfluss in NRW, dem man ansieht, dass der Mensch Hand angelegt hat. Nahezu schnurgerade und ohne die charakteristischen Windungen und Buchten zieht er seine Bahn. Investiert werden im ersten Bauabschnitt ca. 165.000 Euro in die Renaturierung des Flusses. Weitere ca. 450.000 Euro werden ab Sommer 2015 für umfangreichere Maßnahmen, wie z.B. dem Anschluss von noch vorhandenen Flutmulden, eingesetzt. Projektpartner sind der Wasserverband Obere Lippe (WOL) und die Stadt Paderborn. „Nach der Umgestaltung können hier wieder Fische laichen, Wasservögel jagen und auch der Eisvogel bekommt seine ehemalige Brutstätten in den Steilwänden zurück“, bringt es Volker Karthaus, Geschäftsführer des Wasserverbandes Obere Lippe (WOL), auf den Punkt. Pünktlich zum Baubeginn in der kommenden Woche machten sich die Verantwortlichen ein Bild vor Ort.

„Als Reaktion auf das Hochwasser in 1965 hat man vielerorts Bäche und Flüsse begradigt“, erläutert Landrat Manfred Müller, zugleich Verbandsvorsteher des WOL. Hier habe ein Umdenken stattgefunden. Die Maßnahme diene auch dazu, die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Gemeinschaft umzusetzen. Deren Ziel ist es, alle natürlichen Gewässer in allen Mitgliedsstaaten auf einen guten ökologischen Stand zu bringen. Die Alme zwischen Schloss Neuhaus und Büren war im Zuge der Bestandsaufnahme als mäßig bewertet worden. Ein Grund dafür liege in den massiven Ausbaumaßnahmen der Vergangenheit. „Durch Projekte wie diese geben wir der Natur wieder ein Stück zurück und ermöglichen vielen Arten neue Lebensraum“, so Müller.

Wir haben das Projekt „Schotter für die Alme“ genannt, schmunzelt Karthaus. Und das in doppeltem Sinne: Zum einen seien die finanziellen Mittel gemeint. 80 Prozent der Kosten übernimmt das Land, 80.000 Euro zahlt die Stadt Paderborn, den Rest in Höhe von 42.800 Euro trägt der WOL. Zum anderen bekomme die Alme 3.000 m3 Kies zurück, der bei Baumaßnahmen im Bereich des Ahorn-Sportparkes abgetragen wird. An drei Standorten werden Kiesdepots angelegt, so dass der Karstfluss schon sehr bald wieder über die für ihn charakteristischen Kiesstrände verfüge. Die künstlich befestigten und begradigten Ufer werden auf ca. 3,6 km Länge zum Teil abgetragen. Das dabei gewonnene Natursteinmaterial werden als „Störer“ in die Alme gesetzt, so dass sich der Fluss wieder winden und die natürliche Erosion der Flussufer einsetzen kann. Andere Steine bzw. künstliches Baumaterial werden entsorgt. Entlang der gesamten Flussstrecke werden die gewässeruntypischen Gehölze entfernt bzw. teilweise als Totholz mit eingesetzt. Die Maßnahmen finden auf Flächen der Stadt Paderborn statt.

Die Baumaßnahmen für den ersten Bauabschnitt starten im Dezember und sollen Ende Februar 2015 abgeschlossen sein.
Ansprechpartner beim WOL für Fragen zu dem Projekt Johannes Schäfers (02951-93390-19, schaefers@wol.biz).

BU-1: (Foto: Stadt Paderborn) „Geben der Natur ein Stück zurück“ – einziger Karstfluss in NRW wird von seinem Korsett befreit – von links nach rechts: Landrat Manfred Müller, Volker Karthaus (WOL), Dr. Frank Becker (Stadt PB), Ina Filipponie (Ing.-Büro Klein), Johannes Schäfers (WOL).