Objekt des Monats: Der Toilettenstuhl

Sonderausstellung „Scheiße sagt man nicht!“ im LWL-Freilichtmuseum Detmold

61285Detmold (lwl). Als es noch keine Badezimmer und Toiletten mit Wasserspülung im Haus gab, mussten die Menschen erfinderisch sein, um ihre Notdurft möglichst bequem verrichten zu können. Nacht- und Leibstühle sorgten für Erleichterung im Schlafzimmer. Einige Beispiele dafür sind in der Sonderausstellung „Scheiße sagt man nicht!“ im LWL-Freilichtmuseum Detmold zu sehen. Welche Besonderheiten diese Toilettenstühle aufweisen, erläutert die Ausstellungskuratorin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Janina Raub.

Noch um 1900 gab es in vielen Häusern diese sogenannten „Kackstühle“. Sie boten einen gewissen Komfort für wohlhabende Zeitgenossen. Aber auch ältere und bettlägerige Menschen waren auf Nachtstühle angewiesen. Um sie möglichst unauffällig in die Einrichtung integrieren zu können, wurden sie häufig wie gewöhnliche Sitz- oder Schrankmöbel gestaltet. Ihre Funktion als Zimmertoilette verrieten sie erst auf den zweiten Blick, denn diese verbarg sich unter dem Stuhlsitz oder hinter der Front einer Kommode. In der Alten- und Krankenpflege werden Toilettenstühle auch heute noch verwendet.

In der Oekonomischen Enzyklopädie von 1805 wird dieses Möbel so beschrieben: „Nachtstuhl, ein beweglicher Abtritt in Gestalt eines Stuhles, eine Bequemlichkeit, den Leib auf dem Zimmer, besonders zur Nachtzeit zu erleichtern; in der anständigeren Sprechart der Leibstuhl.“

In der Sammlung des LWL-Freilichtmuseums Detmold gibt es rund 25 Toilettenstühle und 15 Zimmerklosetts. Das auffälligste Stück ist ein gepolsterter Sessel mit einem Imitat aus braunem Ledertuchpolster. Zur Benutzung müssen Sitzfläche und Holzdeckel abgenommen werden, darunter kann ein Eimer geschoben oder eingehangen werden. Wer diesen leeren musste, lässt sich nur erahnen. Meist waren es Bedienstete von niedrigem Rang oder jüngere Familienmitglieder.

Ein vergleichbares Stück findet sich in einem Katalog der Firma B. B. Cassel in Frankfurt um 1900. Glückliche Besitzer mussten stolze 25 Mark zahlen, ein beachtlicher Preis für damalige Verhältnisse. In dem Werbetext werden der besondere Komfort des Sessels und die Vorteile eines solchen Zimmerklosetts angepriesen. Man wäre nicht mehr ständig erkältet, da man sich nachts den Weg über den Hof sparen könne und in Krankheitsfällen seien sie geradezu unentbehrlich. Fünf dieser besonderen Stücke sind in der Sonderausstellung „Scheiße sagt man nicht!“ im Paderborner Dorf noch bis zum 30. Oktober zu sehen. Im LWL-Freilichtmuseum Detmold finden sich Toilettenstühle in den oberen Etagen des Schönhofes und des Valepagenhofes.

 

BU: Das Lieblingsobjekt von Ausstellungskura-torin Janina Raub ist ein Nachtstuhl aus dem 20. Jahrhundert mit imitiertem brau-nem Ledertuch.
Foto: LWL/Hesterbrink/Pölert