Maren Brinker: Ein Vorbild nicht nur für Kids

Brinker,-Maren-(CEV)HalleWestfalen. Es war 2002, als beim ersten Lehrgang im Jugend-Nationalteam die ersten Symptome auftraten. Wenig später bekam Maren Brinker die für sie schreckliche Diagnose: Diabetes. „Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen. Da hatte ich es gerade geschafft – und dann dachte ich, dass jetzt mit dem Volleyball alles vorbei ist.“ Die Ärzte konnten ihr diese Ängste jedoch nehmen – und elf Jahre mit einer beeindruckenden Entwicklung später wird die hübsche Frau wohl zur Stammformation im deutschen Nationalteam bei der Heim-Europameisterschaft (6. bis 14. September) gehören.  

„Diabetes ist das Einzige, was mich von den anderen Mädels unterscheidet. Ich muss halt auf meinen Körper hören und immer schauen, wie mein Zuckerwert ist“, erzählt Brinker. Konkret heißt das, dass sie vor jedem Training und Spiel in den Finger piekt und mit dem Tropfen Blut ihren Blutzuckerwert misst. „Für den Sport ist die Unterzuckerung gefährlich. Im schlimmsten Fall könnte ich in Ohnmacht fallen.“ Also hat sie immer Traubenzucker dabei. Insulin spritzen muss sie sich natürlich auch – morgens und abends eine Grunddosis in den Oberschenkel, dazu zu jeder Mahlzeit in den Bauch.   
Maren Brinker hat sich längst an diesen Alltag gewöhnt. Schließlich ist sie nicht die einzige Leistungssportlerin, die trotz Zuckerkrankheit Weltklasse-Leistungen bringt. Das prominenteste Beispiel ist Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner, der trotz Diabetes einst zum stärksten Mann der Welt wurde. Übrigens brauchen Diabetiker wie Maren Brinker eine Ausnahmegenehmigung für Dopingkontrollen, da Insulin auf der Liste der verbotenen Substanzen steht. Nicht nur deshalb versteckt sie die Zuckerkrankheit auch nicht, sondern geht offensiv damit um. „Ich verstecke mich zum Spritzen nicht mehr auf die Toilette“, sagt Brinker: „Ich habe meine Erfahrungen in einer Werbekampagne auch schon an Kinder, die an Diabetes leiden, weitergegeben.“ 

Kinder spielen generell eine große Rolle im Leben der Volleyball-Angreiferin. Sie hat es geschafft, neben ihrer Volleyball-Karriere das Staatsexamen als Grund- und Realschullehrer für Sport, Deutsch und Mathe mit einem bemerkenswerten Notenschnitt von 2,1 abzuschließen. Maren Brinker kann sich vorstellen, später einmal Lehrerin zu werden. „Ich habe extra bei der Bezirksregierung angefragt: Ich kann mindestens bis fünf Jahre nach Studienende noch problemlos mit dem Referendariat anfangen“, erzählt sie: „Da könnte ich noch bis Olympia 2016 in Rio weiterspielen und dann danach damit anfangen.“   
Sie würde den Kindern von heute nämlich gern etwas mitgeben: „Ich würde gern die Begeisterung fürs Lernen weitergeben, die ich bei meinen Lehrern erfahren durfte. Wenn man sich die Kinder von heute anschaut, ist es leider nicht mehr so früher.“ Viele finden das schade, aber Maren Brinker tut etwas dagegen. Nie aufzugeben und seine Möglichkeiten gegen alle Widerstände und Probleme zu nutzen – genau das ist es, was diese bemerkenswerte junge Frau zum Vorbild nicht nur für Kids macht. 

BU: Noch steht für Maren Brinker der Volleyball im Mittelpunkt ihres Lebens. Doch die Grund- und Realschullehrerin kann sich vorstellen, auch später einmal in den Schuldienst zu gehen.
Foto: © CEV