Im Einsatz gegen organisierte Kriminalität

Foto: Eingespieltes Team: Die Außendienstmitarbeiter des Fachbereichs Ordnung der Stadt Gütersloh, Guido Drücker (von links), Chris Lattner, Eckhard Schmelter, Elmar Peterburs, Frederik Bollweg, Wolfgang Lau und Teamleiter Volker Kiewert sind täglich im Auftrag des Gesetzes unterwegs. Foto: Stadt Gütersloh

Foto: Eingespieltes Team: Die Außendienstmitarbeiter des Fachbereichs Ordnung der Stadt Gütersloh, Guido Drücker (von links), Chris Lattner, Eckhard Schmelter, Elmar Peterburs, Frederik Bollweg, Wolfgang Lau und Teamleiter Volker Kiewert sind täglich im Auftrag des Gesetzes unterwegs. Foto: Stadt Gütersloh

Gütersloh (gpr). Der Frischehof Golling lädt zum Norddeutschen Spargelfest ein. Jeder Besucher soll ein komplettes Spargel-Feinkost Paket erhalten, damit wird zumindest in der Einladung geworben. Doch der „Frischehof Golling seit 1896“ existiert gar nicht und die Veranstaltung ist nicht bei der Stadt Gütersloh angemeldet. Klassischer Fall für die Ordnungshüter der Stadt – sie haben am Donnerstagnachmittag die dubiose Veranstaltung für beendet erklärt, bevor sie überhaupt angefangen hat. 

Den Hinweis zu dieser „Kaffeefahrt“ hat der Fachbereich Ordnung der Stadt Gütersloh aus der Bevölkerung erhalten: Ein aufmerksamer Bürger hat die Einladung an die örtliche Polizei weitergeleitet, die wiederum die Ordnungshüter informiert hat.  „Wir haben ein großes Paket für Sie zusammenstellen lassen und natürlich erhält jeder Gast kostenlos 500 Gramm frischen, deutschen Spargel sofort zum Mitnehmen“, lässt die Einladung auf ein leckeres Geschenk hoffen. Immerhin knapp 20 Seniorinnen und Senioren folgten der Einladung am Donnerstagnachmittag.

Doch zu dem versprochenen Paket kam es genauso wenig wie zur „kurzweiligen Veranstaltung“ und der „netten Unterhaltung“. Wolfgang Lau und Frederik Bollweg, Außendienstmitarbeiter des Fachbereichs Ordnung der Stadt Gütersloh, statteten den Veranstaltern einen Besuch ab. „Zum einen wäre diese Veranstaltung anmeldepflichtig gewesen und zum anderen ist es gesetzlich verboten in der öffentlichen Ankündigung zur ‚Kaffeefahrt’ mit Geschenken zu werben“, erklärt Wolfgang Lau, „dazu kommt, dass unsere Recherchen ergeben haben, dass es gar keinen Frischehof Golling gibt.“ Genug Gründe, um dem Ganzen ein Ende zu bereiten.

„Wir haben ein Gutachten vom Anwalt dabei, das ist rechtlich abgesichert“, versuchten die beiden Verkäufer mit Cloppenburger Autokennzeichen sich herauszureden. Ihre Verkaufssachen hingegen hatten sie erst gar nicht aufgebaut, in der weisen Vorahnung Besuch vom Ordnungsamt zu bekommen. „Es gibt keine legalen Verkaufsveranstaltungen mit diesem Charakter“, klärte Lau die angeblich Unwissenden auf. Zusammen mit seinem Kollegen nahm er die Personalien der anwesenden Verkäufer auf und notierte sich den Namen des Arbeitgebers, eine Firma in Polen. „Mehr können wir nicht machen. Da nicht klar ist, wer hinter dieser Verkaufsaktion steckt, ist der Fall für uns damit erledigt.“ Oftmals würden Briefkastenfirmen angegeben, der Verursacher sei meistens nicht ermittelbar, so die Außendienstmitarbeiter. Der Frischehof Golling ist den Verkäufern aus Cloppenburg ebenfalls nicht bekannt, sie kennen ihren Auftraggeber angeblich nicht. „Wir bekommen nur Datum, Ort und Zeit der Veranstaltung mitgeteilt, der Rest wird organisiert“, zeigten sie sich unwissend.

Die Präsenz der Ordnungshüter scheint Wirkung zu haben: „Wir kommen nicht mehr nach Gütersloh, wir suchen uns jetzt eine andere Stadt“, waren sich die beiden Herren mittleren Alters einig. Schließlich sei es nicht das erste Mal, dass ihre Veranstaltung in Gütersloh nicht geduldet würde.

„Uns ist es wichtig die Senioren vor den illegalen Machenschaften dieser Verkäufer zu schützen“, so Frederik Bollweg. Dennoch waren nicht alle älteren Herren und Damen über die Wendung am Donnerstagnachmittag erfreut, im Gegenteil: Sie verließen missgestimmt den Saal und verbargen auch ihren Unmut über das Ende der Veranstaltung nicht. „Ich habe mich schon auf mein Spargelpaket gefreut“, äußerte sich ein älterer Herr enttäuscht. Und eine Gruppe von Seniorinnen gab den Ordnungshütern mit auf den Weg: „Lasst uns alten Frauen doch auch mal ein bisschen Spaß.“ Viele von ihnen hatten sich offensichtlich auf einen unterhaltsamen Nachmittag gefreut – nicht zuletzt wegen den versprochenen Geschenken. Doch der Schutz vor Betrug hat beim Fachbereich Ordnung oberste Priorität, damit vor allem ältere Mitbürger nicht von organisierter Kriminalität getäuscht werden.