Extertal unterm Hakenkreuz

Extertal-(2)_1Extertal. Eine dezentrale Open-Air-Ausstellung auf Litfaßsäulen beleuchtet ab 1. Juni 2014 das dunkle Kapitel der NS-Zwangsarbeit in der Gemeinde Extertal. Die Säulen werden in Bösingfeld, Almena und Silixen stehen. Zudem wird eine Videostation im Foyer des Rathauses in Bösingfeld aufgebaut.

Rund 13 Millionen Menschen wurden während des Zweiten Weltkriegs aus dem Ausland ins Deutsche Reich verschleppt, um sie hier als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter einzusetzen. Sie arbeiteten auf Bauernhöfen, in den Handwerks- und Rüstungsbetrieben, im Gasthof oder beim Bäcker nebenan – auch im Gebiet der heutigen Gemeinde Extertal.

Ihr Einsatz in den damals 12 eigenständigen Kommunen konnte im Rahmen des Seminar- und Ausstellungsprojekts erstmals nach wissenschaftlichen Kriterien erforscht werden. In vielen Ländern Europas hat sich die Projektgruppe „Zwangsarbeit“ e. V. gemeinsam mit Partnerorganisationen auf die Suche nach Zeitzeugen gemacht. Die Ausstellung basiert zum einen auf deren Erinnerungen, zum anderen auf den Ergebnissen der Auswertung schriftlicher Überlieferungen. Archive wurden gewälzt und so insgesamt rund 18.000 Dokumente ausgewertet. Besonderer Dank gilt hier aber den vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern in Extertal. Ohne deren Unterstützung wäre das ambitionierte Projekt nicht realisierbar gewesen.

Extertal-(3)_1Doch nicht nur Forschungs-, sondern auch Bildungsarbeit wurde geleistet: Schülerinnen und Schüler der Realschule Extertal und des Gymnasiums Nr. 6 aus Stettin (Polen) befassen sich seit Monaten mit dem Thema. Unterstützt durch die Projektgruppe „Zwangsarbeit“ e. V. werteten sie Archivmaterial aus und führten Interviews mit Zeitzeugen, deren Erinnerungen sie unter anderem in Form eines Radiobeitrags dokumentierten. Im Rahmen der Ausstellung findet für die Jugendlichen ein die Projektarbeit abschließender binationaler Schüleraustausch in Extertal statt.

Die Open-Air-Ausstellung wird am Sonntag, den 1. Juni 2014, um 16.30 Uhr auf dem Rathausplatz in Bösingfeld eröffnet. Extertals Bürgermeister Hans Hoppenberg, Sylvia Löhrmann, Vorsitzende der Kultusministerkonferenz und stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Gabriele Freitag, Leiterin Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde und Autorin des Buches „Zwangsarbeit im Lipper Land“ sowie Eugenia Zdzikot aus Polen, ehemalige Zwangsarbeiterin auf dem Gut Schönhagen, werden sprechen.

Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung findet um 18.00 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Bürgerbeteiligung statt. Das Thema: „Schlussstrich!? – Reicht es langsam mit der Aufarbeitung der NS-Zeit?“

Für das leibliche Wohl wird die Vereinsgemeinschaft Bösingfeld sorgen. Zur Eröffnung und zum Besuch der Ausstellung sowie der Podiumsdiskussion sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen.
Die Open-Air-Ausstellung wird bis zum 29. Juni 2014 präsentiert. In dieser Zeit sind im Treppenhaus des Rathauses Bösingfeld zudem visualisierte Erinnerungen von einheimischen Zeitzeugen an die Zwangsarbeiter zu sehen. Die Künstler Katrin Funcke aus Bielefeld und Soenke Hollstein aus Berlin haben hierzu Bilder geschaffen.

Weitere Informationen zum Projekt unter: www.projektgruppe-zwangsarbeit.de oder www.facebook.com/projektgruppezwangsarbeit.

Gefördert werden das Seminar- und Ausstellungsprojekt sowie die Rahmenveranstaltungen unter anderem durch: Gemeinde Extertal, Landkreis Lippe, Kulturstiftung des Bundes, Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Landeszentrale für politische Bildung in NRW, NRW-Stiftung, Heimat und Verkehrsverein Bösingfeld, Friedrich-Ebert-Stiftung / Landesbüro NRW, Stiftung Sparkasse Lemgo, DGB Jugend NRW sowie zahlreichen weiteren Organisationen aus Deutschland, Mittel- und Osteuropa.

Ausstellungsorte in der Gemeinde Extertal
Almena: Ortsmitte/Bushaltestelle, Hauptstraße
Bösingfeld: Rathausplatz und Rathaus, Mittelstraße
Silixen: Bauernstelle, Heinrich-Drake-Straße

BU 1: Eugenia Zdzikot (88), ehemalige Zwangsarbeiterin in Extertal [ © Projektgruppe „Zwangsarbeit“ e.V.]

BU 2: Die Zeitzeugin Waltraud Humke wurde im Rahmen des Schulprojektes von den Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse der Realschule Extertal interviewt. [ © Projektgruppe „Zwangsarbeit“ e.V.]