Erasmus-Schulprojekt „Express Yourself!“ abgeschlossen

Soziales Lernen auf dem „Säurepfad“

Bloß nicht den „Säurepfad“ verlassen! Angestrengt, aber mit sichtlich viel Spaß, hüpfen die Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule von Insel zu Insel –  Teppichfliesen, die sie sich selber vor die Füße legen. Es gilt nacheinander das rettende Ufer zu erreichen, und zwar vor dem gegnerischen Team. Kommandos werden gerufen, Witze gemacht. „Bei dem Spiel geht es darum, sich möglichst selbstständig zu organisieren“, erklärt Katrin Neuhaus, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld-Bethel.

Teamarbeit ist auf dem „Säurepfad“ gefragt. Die Schülerinnen und Schüler der 7a sind ehrgeizig bei der Sache. Auch in der Sekundarschule Bethel trainierten Schülerinnen und Schüler das soziale Miteinander. Foto: Christian Weische

Teamarbeit ist auf dem „Säurepfad“ gefragt. Die Schülerinnen und Schüler der 7a sind ehrgeizig bei der Sache. Auch in der Sekundarschule Bethel trainierten Schülerinnen und Schüler das soziale Miteinander. Foto: Christian Weische

Bielefeld-Bethel.  Das Spiel war Teil des internationalen Erasmus-Projektes „Express Yourself! Sei Du & Dabei“, das jetzt abgeschlossen wurde. Das Projekt fand gleichzeitig in Deutschland, Irland, Litauen, Spanien und Finnland statt. Ziel war und ist die Förderung sozialer Inklusion in Schulen. In Deutschland wurde das Projekt von der FH der Diakonie durchgeführt. Beteiligt waren rund 500 Bielefelder Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Bethel, der Sekundarschule Bethel und der Erich-Kästner-Gesamtschule. „Mit unterschiedlichen Übungen, Spielen und Workshops haben wir die sozialen Fähigkeiten trainiert. Die Schüler haben gelernt, sich selbst besser einzuschätzen“, erklärt Projektleiterin Prof. Dr. Heidrun Kiessl von der Fachhochschule der Diakonie. Alle internationalen Projektpartner hätten festgestellt, dass Selbstentfaltungsaktivitäten deutliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Lernmotivation hätten. Der Bedarf an sozial-emotionalem Lernen sei hoch, sagt Prof. Kiessl. So seien beispielweise viele Schülerinnen und Schüler Mobbing durch Mitschüler ausgesetzt, was das Lernen stark beeinträchtige.

Erlebnispädagogische Gruppenspiele gehörten zum Kern des Projektes. In dem „Säurepfad“-Spiel ist die Zahl der Teppichfliesen geringer, als die Zahl der Teamspieler. Die Fliesen müssen komplett auf die rettende Zielinsel gebracht werden, und das ganze Team muss es über den Pfad schaffen ohne die „Säure“ zu berühren. Fällt jemand hinein, muss von vorne begonnen werden. „Die Schüler erleben bei dem Spiel, wie wichtig Teamarbeit sein kann, um ein Ziel zu erreichen“, so Katrin Neuhaus. Bei anderen Spielen und Übungen standen der gegenseitige Respekt oder das Zuhören im Mittelpunkt. Bei der „Warmen Dusche“ sollen sich die Schüler gegenseitig Komplimente machen. „Das ist einigen doch deutlich schwer gefallen“, stellte Katrin Neuhaus fest. Das Erasmus-Projekt wurde von der Diakonia Ammattikorkeakooulu, der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Finnland, verwaltet. In Deutschland war es offiziell mit einer Kick-off-Veranstaltung im Mai 2019 gestartet. Zu dem zehnköpfigen Projektteam der FH der Diakonie gehörten drei Studierende des Studiengangs Diakonie im Sozialraum. Sie begleiteten das Projekt in der Praxisphase und mit Bachelor-Arbeiten.

Die Schülerinnen und Schüler aller beteiligten Schulen haben ihr Wohlbefinden vor und nach den erlebten Aktivitäten bewertet. 80 Prozent stellten fest, dass sie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler nun besser kennen. Etwa 75 Prozent finden, dass die Spiele und Übungen ihre Lernmotivation verbessert hätten. Die Schüler der 7d in der Erich-Kästner-Gesamtschule waren begeistert von „Express Yourself!“ „Ich habe gelernt, dass es wertvoll ist, seine Mitschüler ausreden zu lassen“, sagt die 13-jährige Sarah Wengerowski. Außerdem habe sie erlebt, dass man alleine oft nichts geregelt bekomme. Auch dem 13-jährigen Luca Westerhold hat der Workshop gefallen: „Es hat Spaß gemacht und ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, andere Meinungen zuzulassen.“

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