Duftstoffe in Mikrokapseln sollen Obst- Schädlinge töten

ZÜbergabe des Zuwendungsbescheids für Forschungsprojekt „Picta-Kill“ durch PSt Peter Bleser an die vier Projektpartner (v.l.): Wilhelm Beitzen-Heineke (Biocare GmbH), Dr. Sabine Holz (BLE), Dr. Jürgen Gross (JKI), Michael Przyklenk (Biocare GmbH), PSt Peter Bleser (BMEL), Dr. Hans Dautel (Insect Services GmbH), Prof. Dr. Anant Patel, Pascal Humbert, Linda Muskat (alle FH Bielefeld), Dr. Cornelia Dippel (Insect Services GmbH) und Louisa Görg (JKI).

ZÜbergabe des Zuwendungsbescheids für Forschungsprojekt „Picta-Kill“ durch PSt Peter Bleser an die vier Projektpartner (v.l.): Wilhelm Beitzen-Heineke (Biocare GmbH), Dr. Sabine Holz (BLE), Dr. Jürgen Gross (JKI), Michael Przyklenk (Biocare GmbH), PSt Peter Bleser (BMEL), Dr. Hans Dautel (Insect Services GmbH), Prof. Dr. Anant Patel, Pascal Humbert, Linda Muskat (alle FH Bielefeld), Dr. Cornelia Dippel (Insect Services GmbH) und Louisa Görg (JKI).

Berlin/Dossenheim Apfeltriebsucht, Birnenverfall und die Europäische Steinobstvergilbung sind Pflanzenkrankheiten, die durch winzige zellwandlose Bakterien (Phytoplasmen) hervorgerufen werden. Die Phytoplasmosen richten europaweit in Obstanlagen Schäden an. Erst vor wenigen Jahren wurde der Sommerapfelblattsauger, Cacopsylla picta, als Überträger (Vektor) der Apfeltriebsucht identifiziert. Auch die Vektoren der anderen Krankheiten sind inzwischen bekannt. Ihre Bekämpfung gestaltet sich allerdings problematisch. In Deutschland und in der Schweiz sind weder für den ökologischen noch für den integrierten Anbau Pflanzenschutzmittel gegen diese Blattsauger zugelassen. Abhilfe sollen nun Bekämpfungssysteme schaffen, die flüchtige Substanzen nutzen, die auf Insekten eine vergrämende oder anziehende Wirkung ausüben. In dem neuen Forschungsprojekt „Picta-Kill“ wird ein solches System entwickelt und möglichst bis zur Marktreife geführt. Am 21. März überreichte der Parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser im Landwirtschaftsminis- terium in Berlin den vier Projektpartnern den Zuwendungsbescheid seines Hauses.

Mit mehr als 690.000 Euro fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Verbundvorhaben für die nächsten drei Jahre über sein Programm zur Förderung von innovativen Vorhaben für einen nachhaltigen Pflanzenschutz. Partner sind das Julius Kühn-Institut (JKI) in Dossenheim, die Fachhochschule Bielefeld, die Insect Services GmbH sowie die BIOCARE Gesellschaft für biologische Schutzmittel mbH. „Unser Ziel am Ende des Projektes sind völlig neuartige Formulierungen für verhaltensmanipulierende Duftstoffe. Sie sollen in Kombination mit insektenpathogenen Mikroorganismen zum Tod der Schadinsekten führen“, berichtet Dr. Jürgen Gross vom Julius Kühn-Institut. Prof. Dr. Anant Patel, Biologe und Verfahrenstechniker der FH Bielefeld, hält fest: „Es fehlt noch an innovativen Darreichungsformen für die verlangsamte Freisetzung von verhaltensmanipulierenden Duftstoffen und die Bereitstellung von entomopathogenen Mikroorganismen.“ Das geplante Konzept sieht die biologische Bekämpfung von C. picta vor. Sowohl die Duftstoffe als auch die natürlichen Gengenspieler, die Mikroorganismen, werden dabei spezifisch auf den Schädling abgestimmt.

Erste gemeinsame Versuche der Projektpartner haben gezeigt, dass C. picta mit verkapseltem ß-Caryophyllen angelockt werden kann. Kombi- niert man den Lockstoff mit den todbringenden Mikroorganismen, ergibt sich eine so genannte „Attract-and-Kill-Strategie“. Diese soll im Projekt zusätzlich um eine insektenvergrämende Komponente erweitert werden. Es ist vorgesehen, die Bäume mit Vergrämungsstoffen aus speziellen biologisch abbaubaren Kapseln einzunebeln, um die Schadinsekten zu den deutlich attraktiver duftenden tödlichen Lockstoff-Kapseln zu lenken. „Push-Pull-Kill“ heißt diese verfeinerte Strategie, also „Vertreiben- anlockentöten“.

Das Vorhaben entspricht den Zielen des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP), denn die Formulierungen wirken schädlingsspezifisch, präventiv und biologisch und reduzieren so die Risiken für Mensch, Tier sowie den Naturhaushalt.