Bertelsmann-Lesereihe: Heimspiel für Thomas Krüger im Bambi-Kino

ThomasKrueger-1Gütersloh. Ein Ort in Ostwestfalen, ein Raum mit hohen Buchregalen – und eine große goldene Badewanne auf der Bühne: In dieser im Gütersloher Bambi-Kino aufgebauten Szenerie dürfte sich Thomas Krüger gleich heimisch gefühlt haben, als der Schriftsteller im Rahmen der Bertelsmann-Lesereihe BELESEN dort am Dienstagabend sein Buch „Erwin, Mord & Ente“ vorstellte.

Das Publikum im vollbesetzten Programmkino ließ sich auf Anhieb einfangen von der skurrilen Atmosphäre des Lokal-Krimis, die der Bertelsmann-Autor mit humorvollen Dialogen, gekonnter Intonierung und einer mitgebrachten Gummi-Ente schuf. Kein Wunder: War sein Auftritt doch ein Heimspiel – im doppelten Sinne: Als geborener Löhner hat nicht nur er selbst einen regionalen Bezug zu Ostwestfalen, sondern auch sein Kriminalduo aus kauzigem Dorftrottel und stoischer Laufente, die im fiktiven Dorf Versloh-Bramschebeck leben und in einer Wanne stundenlange Zwiegespräche führen.

Hauptfigur in „Erwin, Mord & Ente“ ist dabei Erwin Düsedieker, der mit seinen Gummistiefeln, seiner Trainingshose, der Polizeimütze und seiner Ente von den übrigen Dorfbewohnern für einfältig gehalten wird. Dass er, der schwerfällige Sohn des ehemaligen Dorfpolizisten, eines Tages einem echten Kriminalfall auf der Spur ist, hätten weder er selbst noch die Dorfbewohner erwartet.

Beim Vorlesen trieb Krüger, der heute in Gladbach bei Köln lebt, die im Buch beschriebenen Eigenheiten und Klischees der Westfalen gekonnt auf die Spitze. So wimmelt es in seiner Lesung nur so von wunderbar ostwestfälischen Namen. Neben dem Protagnisten Erwin Düsedieker tauchten eine Reihe anderer Namen wie Bartelweddebüx, Westersoetebier, Ottonottebrock oder auch Thiesbrummel auf – zum großen Vergnügen des Publikums, das mit eben diesen Nachnamen durchaus bekannt war. „Erwin Düsedieker hieß eigentlich mal Düsendieker-Bäumer“, erzählte Krüger. „Den Namen habe ich auf einem Schild an der Autobahnausfahrt Herford-Ost gesehen, als ich im 2011 zur Konfirmation meiner Nichte mal wieder in der Gegend war. Aber meine Agenten fanden den Namen zu kompliziert.“ Krüger, der daraufhin versuchte, sich andere Namen zu überlegen, kam relativ schnell zu dem Entschluss: Er muss bei den echten, in anderen Ohren eher kauzig klingenden Ostwestfalennamen bleiben. Seinem Agenten erklärte er: „Die heißen nun einmal so.“ Den Zusatz „Bäumer“ war Krüger allerdings bereit zu streichen.

Der Autor legte während seiner Lesung vollen Stimmeinsatz hin: mal rauchig, heiser und bedrohlich, dann langsam, gedehnt und mit starkem Dialekt sprechend. Mit diesen fast theatralischen Einlagen sorgten Dialoge wie der folgende für laute Lacher im Kinosaal: „Pollezei is da. Die ham was gefundn! … Da issn Toter.“ „ʼn Toter?“„Jau. So Knochen und so!“ „So Knochen und so?“ „Jau.“ Das Publikum wusste: Ja, man redet hier wirklich so! „Mit der überspitzten und teils schrulligen Inszenierung der Dörfler will ich keinem auf dem Schlips treten“, betonte der Autor. „Ostwestfalen ist für mich eine riesige Bühne, die ich gut beherrsche, weil ich hier aufgewachsen bin.“

Sechs Wochen hat Krüger zum Schreiben seines Krimi-Debüts gebraucht. Einigen Verlagen war das Buch zu verschroben, der Heyne-Verlag dagegen griff zu und verkaufte nach Angaben von Thomas Krüger bislang rund 30.000 Exemplare. Auch Random House Audio sah das Potenzial des Provinzkrimis: Gelesen von Krügers Freund Dietmar Bär wurde die Geschichte von Erwin und seiner Ente auch als Hörbuch ein voller Erfolg.

Gut anderthalb Stunden lang hielt der Schriftsteller die Gäste im Bambi mit den packend vorgetragenen Auszügen aus „Erwin, Mord & Ente“ in Atem. Eine Frage, die sich danach unweigerlich auftat, wenn man sich die Geschichte anhörte, war: Warum eine Ente? „Ich habe in der Kindheit Donald Duck gelesen wie ein Irrer“, erklärte Krüger. „Und als die Idee für das Buch aufkam, kam die Ente um die Ecke. Diese Tiere stehen für Unschuld, Neugier und werden unterschätzt, ebenso wie Erwin. Außerdem – Hunde gibt’s immer. Ich wollte etwas anderes.“

Das Publikum verabschiedete sich von dem Autor mit lautem Applaus und Schlangen vor dem Signiertisch. Und auch Krüger zeigte sich sehr zufrieden mit dem Abend: „Tolle Location, tolle Gäste! Es hat riesig Spaß gemacht, hier in Gütersloh zu lesen!“

Foto: Bertelsmann SE & Co. KGaA