Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse

Bielefeld. Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) zieht eine positive Zwischenbilanz bei den Antragszahlen für die Anerkennung Ausländischer Berufsabschlüsse nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes (BQFG) für Ostwestfalen. „Wir freuen uns darüber, dass aus Ostwestfalen die meisten Anträge, verglichen mit den 16 NRW-IHK-Bezirken, eingereicht worden sind. Mit 141 Anträgen aus unserem IHK-Bezirk ist die Region mit gut 18 Prozent unter den 769 NRW-Anträgen überdurchschnittlich stark vertreten“, sagt IHK-Geschäftsführer Swen Binner. Nach IHK-Angaben erhöhen sich die Chancen für die Migrantinnen und Migranten auf dem Arbeitsmarkt, wenn die im Ausland staatlich erworbenen Qualifikationen für die Unternehmen transparenter werden und offiziell geprüft worden sind.

Das Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz ist zum 1. April 2012 in Kraft getreten. Nach diesem Gesetz können Migrantinnen und Migranten ihre im Aus-land staatlich anerkannten Ausbildungsabschlüsse auch in Deutschland anerkennen lassen. Dabei erfolgt der genaue Abgleich der spezifischen Qualifikationen in einer bundesweit von den IHKs gegründeten Einrichtung IHK-FOSA (Foreign Skills Approval) in Nürnberg. Insgesamt sind bei FOSA seit dem Start des Gesetzes circa 3.000 Anträge eingereicht worden. Auf Bundesebene liegt die IHK Ostwestfalen mit ihren 141 Anträgen auf Rang vier, hinter den IHK-Bezirken für München und Oberbayern mit 268 Anträgen, Nürnberg für Mittelfranken mit 208 Anträgen sowie aus der Region Stuttgart mit 181 Anträgen. Auf Berlin entfallen 136, auf Köln 128 Anträge.

Binner begründet die höhere Nachfrage in Ostwestfalen zum einen mit einem erhöhten Anerkennungsbedarf, andererseits führt er den Erfolg zurück auf die gut funktionierende Informationskampagne der IHK gemeinsam mit den Ausländerbehörden, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dem IQ-Netzwerk als erster Ansprechpartner der Migranten zur Klärung der Zuständigkeit, den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern.

Bislang wurde in 48 Fällen die volle Anerkennung ausgesprochen, die volle Gleichwertigkeit der ausländischen Berufsqualifikation mit der deutschen Ausbildung attestiert. In 25 Fällen wurde eine teilweise Anerkennung ausgesprochen. In diesen Fällen könnten die Migrantinnen und Migranten durch ergänzende Schulungen ebenfalls den Status der „vollen Anerkennung“ erreichen. Die weiteren Anträge würden von FOSA derzeit geprüft.

Der für die Umsetzung verantwortliche Projektkoordinator Attila Sepsi hat bisher 316 Beratungsgespräche geführt. „Wir können in den nächsten Wochen mit einigen weiteren Anträgen bei FOSA rechnen, die von den Ratsuchenden direkt gestellt werden“, so Sepsi. Die meisten Beratungsgespräche wurden mit Migrantinnen oder Migranten aus Russland (52), Polen (43), aus der Türkei (41), aus Kasachstan (18) sowie Griechenland und Bosnien-Herzegowina (jeweils 13) geführt. Dabei sei die Prüfung der ausländischen Berufsabschlüsse nicht in jedem Fall einfach, berichtet Sepsi: „Bei mir haben sich beispielsweise auch ein Zootechniker aus Kasachstan, eine Industriekauffrau aus der Demokratischen Republik Kongo, eine Frau als ‚Qualifizierte des Genossenschaftswesens‘ aus der Türkei sowie eine Bauernhofwirtin und Obst- und Gemüsezüchterin mit Buchhaltungskenntnissen aus Russland vorgestellt.“ Nach Worten Sepsis sind im vergangenen Jahr 75, in diesem Jahr bereits 66 Anerkennungen bei FOSA beantragt worden.