Zwischen Zonen – Neue Ausstellung im Marta Herford

Herford. Das Marta Herford eröffnet am heutigen Freitag, dem 23. Juni, eine neue Ausstellung. „Zwischen Zonen“ zeigt Fotografien, Videos und weitere Kunstobjekte von 9 Künstlerinnen aus dem arabisch-persischen Raum. Die Zwischen-ZonenAusstellung beschäftigt sich mit den Veränderungen die in Nahen und Mittleren Osten vor sich gehen und den Veränderungen die die Situation dort für die Völker dieser Länder mit sich bringt.

Ganz wichtig ist es dem Museum, dass es bei der neuen Ausstellung nicht um tagesaktuelle Nachrichten oder Propaganda geht. Die Kunst spricht anders, sie trifft keine absoluten Aussagen, sondern stellt vielmehr Fragen. Die Themen die in der Reflektion über die Kunstobjekte aufkommen, sind möglicherweise bedeutender, als das, was wir in den Nachrichten sehen.

Betreut wurde das Projekt von Dr. Michael Kröger, die Bundeskulturstiftung hat das Museum bei dieser Arbeit großzügig unterstützt.

Auf ganz verschiedene Weisen beleuchten die 9 Künstlerinnen unterschiedliche Aspekte ihrer Herkunftsländer. Lamia Joreige hat unter dem Titel „Objects of War“ etwa eine Stunde Videomaterial erstellt, in welchem Personen im Interview mit der Künstlerin von ihren Erinnerungen während des Libanonkrieges erzählen. Unterstützt werden die Videos von ausgestellten Erinnerungsstücken, die in den Interviews eine Rolle spielen. Außerdem zeigt sie die Fotoserie „Nights and Days“, kontrastierende Bilder, die mit einem kurzen Statement betitelt sind. Der Krieg spielt bei Joreiges Installationen nie die Hauptrolle, ist im Hintergrund jedoch stets präsent.

Sama Alshaibi stammt aus dem Irak und emigrierte von dort in die USA. Emigration ist auch das Thema ihrer Arbeit, angeknüpft an das zunehmende Problem der Wasserknappheit in östlichen Ländern. „Silsila“ (arabisch für „Kette, Verbindung“) heißt die Installation, für die sie in einem siebenjährigen Projekt zu allen großen Wüsten dieser Welt reiste. Auf Fotos und in Videos dient ihr die Wüste als starkes Symbol.

Moufida-FedhilaBesonders vielseitig präsentiert sich Performance-Künstlerin Moufida Fedhila, eine Filmemacherin, die auch textet und andere Kunstobjekte erstellt. Einer ihrer Filme zeigt sie als „Super-Tunesierin“, wie sie im Superhelden-Cape dazu anregt, gegen die gegenwärtigen Zustände in Tunesien zu protestieren und Grundrechte zu fordern. In einem weiteren Video schreiben Kinder auf Papier und Wänden ihre Träume und Zukunftsvisionen auf.

Monira Al Solh, im Moment auch durch ihre Ausstellung auf der Documenta präsent, zeigt 4 große Patchwork-Decken, auf die jeweils zwei arabische Wörter genäht sind. Das Besondere: die beiden Begriffe scheinen sich stets zu widersprechen. Auf einer Decke steht beispielsweise „Habess“ (Gefängnis) und „Suhab“ (Wolke).

Die Libyerin Arwa Abouon lebt heute in Kanada und inszeniert auf einigen großen Fotos, jeweils zwei zu einem Bildpaar zusammengefasst, ihre Familie. Besonders fällt die innige, vertraute Beziehung ihrer Eltern auf, die sich auf den Fotos widerspiegelt. Diesen hat sie mit dieser Arbeit ein Denkmal gesetzt.

Ala Younis aus Jordanien beschäftigt sich mit menschlichen Körpern, Bewegungsabläufen und Körperhaltungen. Zeichnungen von Körperhaltungen abstrahiert sie oft aus historischen Fotoaufnahmen, beispielsweise von Sportlern, die die Berliner Mauer überqueren. Die Körper werden aus ihrem eigentlichen Umfeld entfernt und in neue, politische Kontexte gedacht. In weiteren Zeichnungen ließ Younis Körper ineinander verschmelzen, sie teilen sich einen Kopf oder den Rumpf. Wir funktionieren nicht alleine, es gibt eine Gemeinschaft in der wir leben, das sagen diese Bilder aus.

Morehshin Allahyari rekonstruierte vom IS zerstörte historische Objekte aus Hatra und Niniveh und erstellte Skulpturen mithilfe eines 3D-Druckers. Für Allahyari spielt das Digitale Zeitalter eine große Rolle, so sind alle ihre Werke auch online verfügbar.

Saba InnabSaba Innab setzt sich mit dem Thema Grenzen auseinander. Dafür hat sie die Umrisse Palästinas in einer langen Linie auf eine weiße Wand gezeichnet, sodass die Grenzen nach links und rechts offen sind. Darunter fasst sie mit arabischen Wörtern die politische Situation des Landes in einem Satz zusammen.

Die aus Algerien stammende Amina Menia setzt sich mit der Geschichte ihres Landes anhand von Fotos eines Friedhofes auseinander. Da sie sich in ihrer Kunst viel mit Monumenten und Denkmälern beschäftigt, ist ihr aufgefallen, dass es von den 90er Jahren in Algerien, dem Krieg verschuldet, keine solchen gibt. Im Friedhof entdeckt sie schließlich die Zeichen dieser Zeit: in den 90er Jahren verlief die sonst so sorgsam gehaltene Ordnung des Friedhofs in einem Durcheinander. In ihren Bildern wird der Kontrast zwischen dieser Unordnung und dem Frieden, den der Friedhof mit Meerblick trotz allem ausstrahlt sichtbar.

Eine sehr besondere und lohnenswerte Ausstellung, die bis zum 24. September im Marta Herford zu besichtigen sein wird.

Bild 1: Dr. Michael Kröger (links) und Direktor Roland Nachtigäller mit 5 der ausstellenen Künsterlinnen: (v. links) Moufida Fedhila, Ala Younis, Amina Menia, Sama Alshaibi und Saba Innab © OWLj_Henriette Scholtz

Bild 2: Moufida Fedhila aus Tunesien mit Dr. Michael Kröger © OWLj_Henriette Scholtz

Bild 3: Saba Innab: „Untitled“, 2017, Teil der Serie „How to Build Without a Land“, seit 2011, mixed media © die Künstlerin