Zwischen Spiel und Schrecken: Motorroller und Autos als geformte Kunst

Neue Ausstellung in der Städtischen Galerie
 

 Paderborn. In der Städtischen Galerie in der Reithalle von Paderborn-Schloß Neuhaus sausen kleine Autos über die Wand, extrem gezerrte Motorroller schlängeln sich über den Boden, Bewegung wird zur plastischen Form. Passend zum Internationalen Museumstag am Sonntag, 17. Mai, erwartet die Besucherinnen und Besucher eine spektakuläre neue Ausstellung. Bei freiem Eintritt kann man erstmals nach der Corona-bedingten Schließung die Städtische Galerie in der Zeit von 14 bis 18 Uhr wieder besuchen.

Detail aus Stefan Rohrer, Highway Patrol 5, 2020, Modellautos und Figuren, Stahl, Lack, 160 x 220 x 25 cm. Foto: © Stefan Rohrer

Detail aus Stefan Rohrer, Highway Patrol 5, 2020, Modellautos und Figuren, Stahl, Lack, 160 x 220 x 25 cm. Foto: © Stefan Rohrer

Das ursprüngliche Konzept der Ausstellung sah vor, in einer ungewöhnlichen Konstellation und in einem spielerischen und kecken Dialog Farbe und Form, Malerei und Objektkunst zu zeigen. Doch aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen wurde es von einer Privatsammlung nicht erlaubt, die Werke der amerikanischen Künstlerin Dorothy Fratt (1923-2017) zu entleihen und zu transportieren. Zumindest zeigen einige Serigrafien, die ihr Sohn Gregory Fratt aus Louisiana für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat, ihre abstrakte Bildsprache, die in flächiger Malweise Farbräume neben- und ineinander setzt. So sind in der Ausstellung nun hauptsächlich Werke des Stuttgarter Bildhauers Stefan Rohrer zu sehen, der aus alten Motorrollern und Modellautos seine Skulpturen formt. 
„Auch wenn Corona unsere Planungen ziemlich durcheinander gebracht hat, können wir eine absolut ungewöhnliche, vielleicht sogar atemberaubende Ausstellung zeigen,“ freut sich die Leiterin der städtischen Museen Dr. Andrea Brockmann über die neue Präsentation. Karosserien werden zerlegt, gedehnt, geschlungen und neu zusammengesetzt. So baut der Künstler Stefan Rohrer in Popfarben lackierte, auf Hochglanz polierte Skulpturen, die mit bekannten Formen beginnen und ins Fantastische mutieren. Er verformt sein Material zu dynamischen Gebilden, die mal elegant geschwungen, mal in wilden Loopings in den Raum ausgreifen, gleichsam abheben und aus der Bahn geraten. Zugleich erzählen Stefan Rohrers Arbeiten Geschichten – von der Sehnsucht nach Freiheit, vom Rausch der Geschwindigkeit, aber auch von Übermut und Gefahr. 
“Die Dynamik, der Drive sind in der Galerie zu spüren,“ so Brockmann, „aber auch die Ambivalenz, das Gefährliche, die Katastrophe, wenn Autos verunfallen, sich überschlagen, in ihre Einzelteile zerbersten. Spiel und Desaster liegen ganz nah beieinander.“ Der erste kindlich-fröhliche Eindruck weicht schnell dem Schrecken über die zerstörerischen Kräfte und die überschießende Gewalt der Kräfte.

Bekannt ist der Künstler vor allem als Bildhauer mit seinen großformatigen Skulpturen, diese Präsentation zeigt auch seine filmische Arbeit und seine Zeichnungen mit Altöl und Bleistift auf Papier. 
Die Ausstellung endet am 12. Juli 2020.
Aktuelle Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 14 bis 18 Uhr.
Eintritt: 2,50 €/2 € ermäßigt. 
Am Internationalen Museumstag, 17. Mai 2020, ist der Eintritt frei.

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