Wenn zuhören zum Erlebnis wird

Kreis Lippe. Die Bedeutung von Musik ist seit Jahrtausenden für den Menschen wichtig. Musik wirkt Stress abbauend, fördert den besseren Umgang mit Schmerz, hilft Gefühle auszudrücken und Gedächtnisleistungen zu erhalten. Musik fördert Kommunikation und dient heute nachweislich zur Unterstützung bei physiologischer Rehabilitation. Genau hier setzt das EU-geförderte EFREProjekt „Erlebnis zu_hören“ des Kreises Lippe und der Hochschule für Musik Detmold (HfM) an, das die Projektpartner jetzt im Konzerthaus der HfM vorgestellt haben. Bernd Wesemeyer, Regierungsvizepräsident der Bezirksregierung Detmold, überreichte in dem Zuge auch den Zuwendungsbescheid aus Düsseldorf in Höhe von rund 417.000 Euro an Landrat Friedel Heuwinkel und Prof. Martin Christian Vogel, Rektor der Hochschule.

Gesundheit, Natur und Kultur sind die primären Kernkompetenzen unserer touristischen Region „Teutoburger Wald“ mit der hohen Dichte an heilklimatischen Kurorten. Im Musiksegment verfügt Ostwestfalen-Lippe über weltweit führende Organisationen wie die HfM, das ihr zugeordnete „Erich-Thienhaus-Institut“ für Tonmeister und das „Zentrum für Musikergesundheit“. Hier bestehen heute internationale und regionale Netzwerke, die den Inhalt der entstehenden touristischen Gesundheitsbausteine musiktherapeutisch und -physiologisch begleiten. „Ziel von‚ Erlebnis zu_hören‘ ist die Verbindung von Gesundheit und Musik in der Region“, beschreibt Landrat Friedel Heuwinkel die Intention des Projekts. Dies gilt sowohl im Bereich Prophylaxe und Therapie durch Musik als auch für Gesundheitsangebote für (Berufs-) Musiker mit spezifischen Krankheitsbildern. „Drei Themenschwerpunkte stehen dabei im Fokus“, erläutert Dr. Klaus Schafmeister, Projektverantwortlicher beim Kreis Lippe.

Themenschwerpunkt 1: Musikergesundheit
Musiker sind in ihrer Berufsausübung auf einwandfrei funktionierende körperliche Ablaufe und psychomentale Stärken angewiesen. Instrumentalspiel und Gesang erfordern das Zusammenwirken zahlreicher Sinneswahrnehmungen, beispiellos komplexe koordinative Fertigkeiten und ein fein geschultes Körpergefühl. Musiker benötigen langfristige körperliche und mentale Stabilität. Mit Hilfe musikphysiologischer Erkenntnisse und praktisch übender Verfahren kann musikertypischen Überlastungen und Fehlbelastungen effektiv vorgebeugt und die Umsetzung musikalischer Möglichkeiten erleichtert werden. „Im Herbst bieten die erstmals stattfindenden Detmolder Gesundheitstage für Musiker in Modulform eine Fülle von Vorträgen, Diskussionen und Workshops rund um die Gesundheit und die Ressourcenstärkung des Musikers“, wirbt Prof. Vogel für die Veranstaltung. „Teilnehmen können alle Berufsmusiker aus den Bereichen Orchester, Chor und Bühne, Instrumental- und Gesangspädagogen, freischaffende Musiker und interessierte Laienmusiker“.

Themenschwerpunkt 2: Klangräume
In diesem Themenschwerpunkt werden durch unterschiedliche Installationen Orte der Hörsamkeit geschaffen. Hier kann z.B. in einer Hörinsel Livemusik in Surround-Qualität übertragen werden. In einem anderen Beispiel komponieren Musiker der Hochschule räumliche Musik für Klang-Oasen. Das Lauschen lernen steht bei diesen Orten der Hörsamkeit im Fokus. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder können spielend lernen, wie ihr Gehör funktioniert. Klangskulpturen werden für Kinder und Gäste sowie Gesundheitstouristen errichtet, um die Schönheit und Struktur von Musik zu erfahren. Wie dies aussehen kann, zeigten die Projektpartner anhand eines „Hörstuhls“ im Konzerthaus auf. Ein wichtiger Baustein in diesem Themenschwerpunkt soll das medizinische Konzept des „Hörparcours“ nach einer Idee von Dr. med. Manfred Pilgramm im Rahmen des Tinnitus-Zentrums Detmold sein. Die Installation eines attraktiven Hörparcours – draußen und für jedermann zugänglich – schafft die Möglichkeit für jeden Besucher mit Spaß, prophylaktisch, diagnostisch und therapeutisch u.a. das Thema Tinnitus zu erfahren.

Themenschwerpunkt 3: Gesund durch Musik
Im Bereich „Gesund durch Musik“ stehen die therapeutischen Maßnahmen im Fokus. Es gibt kaum ein Gebiet in Deutschland, in dem sich Heilbäder
mit so hoher medizinischer Kompetenz finden wie in Ostwestfalen-Lippe. So sind Bad Meinberg, Bad Lippspringe und Bad Salzuflen anerkannte Zentren der Tinnitustherapie und alles was mit dem Gehörsinn zusammenhängt. Musik und ihre positive Wirkung sind mittlerweile bei vielen Krankheitsbildern fester Bestandteil der Therapie, sei es durch eigenes „Musik machen“ oder durch „Musik hören“. Naturnahe Erholungsräume in ausgedehnten Wäldern und unberührten Naturlandschaften werden neu erlebbar, z.B. mit „Musikalischen Wanderungen“ oder ausgesuchten „Wegen der Stille“.

Das Themenspektrum soll in dem dreijährigen Projekt in buchbare touristische Produkte eingebunden werden. Diese zu entwickeln und im Markt zu implementieren, ist das Ziel des deutschlandweit einmaligen Projektes. Schon heute erfährt es eine hohe Aufmerksamkeit und Wertschätzung.  „Erlebnis zu_hören“ wurde im landesweiten Wettbewerb „Erlebnis.NRW“ durch die Landesregierung ausgezeichnet und wird durch die Europäische
Union über das Ziel 2-Programm, Stärkung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung, gefördert.

Foto: Kreis Lippe, Der Landrat, 9.1 Referat Landrat, Pressestelle