Wegner: „Marco Huck kann noch viel mehr leisten, als er bisher gezeigt hat!“

HalleWestfalen. Nie war er so erfolgreich wie heute: Gleich vier Weltmeister hat Ulli Wegner derzeit unter seinen Fittichen. Dazu gehören neben WBO-Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck (34-2-1, 25 K.o.´s) Arthur Abraham (Super-Mittelgewicht), Yoan Pablo Hernandez (Cruisergewicht, IBF) und Cecilia Braekhus (Weltergewicht). In diesen Tagen legt der Erfolgscoach seinen Fokus allerdings auf Huck. Denn dem 27-Jährigen steht mit Firat Arslan (32-5-2, 21 K.o.´s) am 3. November im Gerry Weber Stadion ein starker Herausforderer gegenüber. Derzeit gibt es deshalb ein Trainingslager auf Mallorca. Vor dem WM-Fight in Ostwestfalen beleuchtet der 70-jährige Wegner, wie er den bisherigen Karriereweg seines Schützlings sieht und wie die Vorbereitung auf den Kampf gegen Arslan läuft…

Herr Wegner, Ihr Boxer Marco Huck steht am 3. November vor seiner zehnten Titelverteidigung. Wie stolz sind Sie auf das bisher Erreichte mit ihm?

Ulli Wegner: Natürlich bin ich stolz, was wir beide zusammen erreicht haben. Als Marco Huck im Jahr 2004 zu mir kam, war er ein Anfänger in Sachen Boxsport. Nun bestreitet er am 3. November bereits die zehnte Titelverteidigung als WBO-Weltmeister. Zudem hatte er den WBA-Schwergewichts-Champion Alexander Povetkin im Februar am Rande einer Niederlage. Mit solchen Leistungen hat sich Marco zu einem der Stars im deutschen Profiboxen gemausert. Dabei ist er erst 27 Jahre alt. Man kann also noch sehr viel von ihm erwarten.

In Ihrer Zusammenarbeit gab es viele Hochs, wie den Gewinn des WM-Titels. Aber es gab auch ein paar Tiefs, wie die kurzzeitige Trennung nach der Niederlage gegen Steve Cunningham. Wie sehen Sie diese Ereignisse rückblickend?

Ulli Wegner: Ich bin inzwischen seit 41 Jahren als Box-Trainer tätig. Da hat man eine Menge erlebt. Bei Rückschlägen, wie zum Beispiel Marcos Niederlage gegen Steve Cunningham, ist natürlich zunächst immer der Trainer schuld. Er war zum damaligen Zeitpunkt ja erst 23 Jahre alt und wusste es nicht besser. Mit der Zeit hat Marco aber dazugelernt. Wenn er mitzieht und sich an das hält, was ich von ihm fordere, ist er erfolgreich. Ich selbst bin sicherlich auch noch einmal in den letzten Jahren gereift. Mein Co-Trainer Georg Bramowski hält mir zudem im Training den Rücken frei. Das alles trägt zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen mir und meinen Schützlingen bei.

Können Sie auch etwas über die boxerische Entwicklung von Marco Huck sagen? Er war ja kein gut ausgebildeter Amateur, bevor er zu Ihnen kam. Wie haben Sie ihn zu dem Boxer geformt, der er heute ist?

Ulli Wegner: Als Marco sich bei mir vorstellte, war er jemand, der vom Boxsport keine große Ahnung hatte. Die Entwicklung vom wilden Haudrauf zu einem Kämpfer, der sich in der absoluten Weltspitze hält, war ein langer Weg. Und der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Marco Huck kann noch viel mehr leisten, als er bisher im Ring gezeigt hat!

In welchen Bereichen kann er noch dazulernen – sportlich wie auch menschlich? Was für einen Charakter hat Marco Huck?

Ulli Wegner: Marco hat ein gutes Herz. In vielen Dingen ist er trotzdem noch entwicklungsfähig. Hier muss man aber auch sehen, dass er schon als junger Mensch seine eigenen Entscheidungen getroffen hat. Neben seinem Vater nahm kaum jemand Einfluss auf ihn. Er ging quasi seinen eigenen Weg. Und der war vielleicht nicht immer richtig. Somit musste er auch als Sportler lernen, sich bei mir unterzuordnen. Man sieht, dass Marco dies verstanden hat. Jetzt ist er vor kurzer Zeit auch noch Vater geworden. Das wird die Entfaltung seiner Persönlichkeit mit Sicherheit noch mehr vorantreiben.

Wo sehen Sie Marco Huck in der Zukunft? Welche Perspektiven und Ziele verfolgen Sie mit ihm?

Ulli Wegner: Ich bin vorsichtig geworden, Prognosen abzugeben. Ich habe in meiner Laufbahn als Trainer schon zu viel erlebt. Von Außen versuchen ja mit der Zeit immer mehr sogenannte ‚Schulterklopfer’ Einfluss auf die Sportler zu nehmen – das ist bei Marco nicht anders. Solange ihm der Erfolg nicht zu Kopf steigt, glaube ich an weitere und größere Erfolge als die, die er schon errungen hat. Sein Potenzial hat er jedenfalls noch nicht ausgeschöpft.

Zunächst steht am 3. November in Halle/Westfalen das Aufeinandertreffen mit Firat Arslan an. Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Ulli Wegner: Wenn man sich die aktuellen Boxer im Cruisergewicht anschaut, gehört Firat Arslan ohne Frage zu den stärksten Herausforderern. Marco ist in meinen Augen jedoch eine Klasse besser. Ich glaube, dass ich ihm im Training vermitteln kann, wie er Arslan schlagen wird. Dann muss Marco im Kampf nur noch zeigen, dass er verstanden hat, was ich von ihm will. Zu unterschätzen ist Arslan dennoch nicht.

Aktuell bestreiten Sie ein Trainingslager auf Mallorca. Gibt es hierfür einen speziellen Grund?

Ulli Wegner: Ich wollte Marco einfach mal ein wenig Abwechslung von der eigentlichen Routine gönnen. Trainingslager wie Kienbaum, Zinnowitz oder Neuruppin sind natürlich schwer zu ersetzen. Hier auf Mallorca haben wir jedoch auch optimale Bedingungen.

Bisher hat Marco Huck recht gute Erfahrungen mit Rechtsauslegern gemacht. Sind Ihnen solche Gegner für ihn lieber als Normalausleger?

Ulli Wegner: Im Endeffekt ist es egal, in welcher Auslage die Gegner von Marco boxen. Dadurch, dass wir in der Zusammenarbeit mit dem ganzen Team immer die optimalen Sparringspartner vor Ort haben, gewährleisten wir eine gute Vorbereitung für ihn.

Was dürfen die Zuschauer am 3. November von Ihrem Schützling erwarten?

Ulli Wegner: Auf jeden Fall wird es ein spannender Kampf mit vielen Aktionen. Marco wird das abrufen, was nötig ist, um den Ring als Sieger zu verlassen. Spektakel, wie diese, werden nur selten geboten. Daher sollte man das Gefecht gegen Arslan auf keinen Fall verpassen.

Eintrittskarten für die Veranstaltung am 3. November sind über die Tickethotline 01805-570044 (€ 0,14/min., Mobilfunkpreise max. € 0,42/min.) und im Internet bei www.eventim.de sowie direkt bei der Gerry Weber World (Tickethotline 05201-8180 / www.gerryweber-world.de) erhältlich. Weitere Infos unter www.boxen.com.

Foto: Jürgen Riedel