Warum bauten die Preußen antike Bauwerke in Ostwestfalen

Bad Oeynhausen. Wieso ließ der preußische König Friedrich Wilhelm IV.  in Bad Oeynhausen ein Badehaus im Stile römischer Landvillen errichten? Und wieso verwendet der als streng evangelisch geltende Mann die Symbole heidnischer Götter, um die gefundenen Heilquellen zu inszenieren? Diesen und vielen anderen interessanten Fragen möchte Stadtführer Christian Barnbeck im Namen der Staatsbad Bad Oeynhausen GmbH erstmals am Sonntag, den 7. Oktober 2012 um 15.00 Uhr zusammen mit allen Interessierten bei der Architektur-Stadtführung auf den Grund gehen.

Bad Oeynhausen als Stadt mag zwar keine besonders alte Geschichte besitzen, der Flecken Land allerdings auf dem sich das heutige Stadtgebiet befindet, hat natürlich eine sehr viel längere  Geschichte. Zu Beginn der Führung wird Christian Barnbeck die Besucher des Kurparks für diese alte Geschichte sensibilisieren, indem großgeschichtliche Ereignisse in Europa an der Ortsgeschichte abgezeichnet werden.  Konkret nennt Christian Barnbeck hier beispielsweise einen möglichen Kontakt mit dem römischen Imperium um die Zeit des Kaiser Augustus, sowie den Vorstoß der fränkischen Truppen unter König Pippin und Karl dem Großen, die Unterwerfung der heidnischen Sachsen und die Zwangschristianisierung der Region, die typischen Machtverhältnisse des Mittelalters am Beispiel der Grafschaft Ravensberg und des Bistum Mindens und Herausbildung des Heiligen römischen Reichs, sowie die Reformation, der 30-jährige Krieg, Aufstieg Preußens, wie auch die Feldzüge Napoleons und die Gründung des Kaiserreichs.
Tatsächlich sind all diese geschichtlichen Etappen sehr schön und unmittelbar an der Ortsgeschichte Bad Oeynhausens abzuzeichnen, ohne dass man weit ausholen muss.
Die anschließende eigentliche Führung – die am Haus des Gastes startet – folgt durch den Kurpark, beginnend mit dem Badehaus I, über die Wandelhalle, zum Badehaus II, quer durch den Rosengarten, hinüber zum Kaiserpalais, vorbei am Theater im Park und abschließend zu dem kleinen Monopteros-Tempel im Kurpark. Während der Führung konzentriert sich Christian Barnbeck maßgeblich auf die Architektur der Gebäude. Dabei geht es aber weniger, um eine genaue kunst-historische Einordnung (wie zum Beispiel Neorenaissance, Neobarock oder ähnliches), sondern um den Ursprung der einzelnen Bauteile, die nahezu alle aus den antiken Bauordnungen stammen. An Hand von  Gebäudetypen, Fassaden, Säulen, Ornamenten und Skulpturen wird den interessierten Teilnehmern verdeutlicht, dass diese Gebäude vielleicht nicht in ihrer Gesamtheit so in der Antike irgendwo gestanden haben, dass sie aber in ihren einzelnen Elementen alle den Ursprung in der klassischen griechischen, hellenistischen und römischen Architektur finden.
Auch finden sich überall im Kurpark Darstellungen der Göttin Hygieia, die ebenfalls im ehemaligen Wappen der Stadt zu finden ist. Am  Kaiserpalais sind Darstellungen des Gottes Bacchus und der Athena zu finden, wie auch zahlreiche Bilder von Tritonen-Wesen, Nymphen und personifizierten Erscheinungen, wie den Jahreszeiten. Mit dem Mittelbau der Wandelhalle, verfügt der Kurpark sogar über einen Ionischen Tempel und die die Seitenflügel entsprechen dem griechischem Hallenbau. Darüber hinaus sind die Seitenflügel des Badehaus I im Stil römischer Basiliken errichtet und der Mittelbau entspricht einer römischen Thermenkuppel.
In Bezug auf die einleitende Zusammenfassung der Ortsgeschichte im Verhältnis zur europäischen Geschichte wird Stadtführer Christian Barnbeck an Hand dieser Formensprache versuchen, sich der Frage anzunähern, weshalb dieser  Kurpark auf diese Weise entstand und weshalb er ein perfektes Beispiel für die europäische Identität und Kultur ist.
Warum haben diese Architektur und diese antiken Symbole bis heute so eine Kraft und was sagen sie über ihre Zeit und ihre Erbauer aus? Wieso ließ der preußische König Friedrich Wilhelm IV. ein Badehaus im Stile römischer Landvillen errichten? Wieso verwendet der als streng evangelisch geltende Mann die Symbol heidnischer Götter, um die gefundenen Heilquellen zu inszenieren? Und wieso leben Rom und Griechenland über die Jahrhunderte hinweg im Machtanspruch europäischer und besonders deutscher Könige weiter?
Am Ende möchte Christian Barnbeck den Teilnehmern die kultur-historische Verbindung zwischen dem Kurpark in Bad Oeynhausen und der europäischen Kultur vermitteln. Darüber hinaus möchte er verdeutlichen, dass die Wurzeln einer gemeinsamen Identität in Europa eben im antiken Griechenland, dem Hellenismus und in der römischen Republik, sowie dem römischen Reich zu suchen und zu finden sind.
Um das so anschaulich wie möglich zu erklären, wird Christian Barnbeck  während der Führung auf einem Tablet-PC Vergleichsbilder von antiken Originalen und Übersichtskarten (Ausdehnung römisches Reich, Frankenreich, Preußen und ähnliches) zeigen können. Selbstverständlich werden auch allgemeine Fakten zu Bad Oeynhausen genannt, die jedoch thematisch eher am Rande stehen.
Die Architektur-Stadtführung „Warum bauten die Preußen griechische Tempel in Ostwestfalen?“ wird erstmalig am Sonntag, den 7. Oktober 2012 und am Sonntag, den 21. Oktober 2012 jeweils um 15.00 Uhr stattfinden und dauert circa 2 Stunden. Danach immer am ersten und dritten Sonntag im Monat um 15.00 Uhr. Die Stadtführung kostet pro Person 3 Euro und startet am Haus des Gastes (Tourist-Information).

Darüber hinaus kann diese thematische Stadtführung für Besuchergruppen auch außerhalb der regulären Termine gebucht werden. In naher Zukunft kann diese Führung auch in englischer und italienischer Sprache angeboten werden.
Tickets & weitere Informationen gibt es in der Tourist-Information im Haus des Gastes, Im Kurpark, Tel. 0 57 31 / 13 00, geöffnet montags bis freitags von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr sowie samstags von 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr.

Foto: Ernst-Udo Hartmann