Vjollca Memajs Weg zur Verwaltungsfachangestellten

BU: Wunschberuf: Die Verwaltungsfachangestellte Vjollca Memaj abreitet im Fachbereich Kultur und Sport bei der Stadt Gütersloh. Foto: Stadt Gütersloh

Gütersloh (gpr). Vjollca Memaj hat in ihrem Leben bereits viel erlebt: Im Alter von drei Jahren ist sie mit ihrer Familie aus dem Kosovo nach Deutschland ausgewandert. Als Jugendliche wurden sie, ihre Mutter und ihre Geschwister jedoch aus dem prallen Leben gerissen – sie müssen Wadersloh verlassen und in ihr Heimatland zurückkehren. Aufgrund eines Rechtsfehlers, wie sich nach über einem Jahr herausstellte. Seit einigen Jahren lebt Vjollca Memaj nun wieder mit ihrer Familie in Deutschland, sie hat die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und erfolgreich die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Gütersloh absolviert.

„Zuerst dachte ich noch, es wäre ein Abenteuer, aber dann habe ich gemerkt, wie ernst die Situation war“, erzählt Vjollca Memaj von der Rückkehr in das vom Bürgerkrieg geprägte Land Kosovo, „es war eine sehr schwere Zeit.“ Vor allem die Frage nach dem „Warum?“ brachte die Jugendliche damals zur Verzweiflung: Ihre Schulnoten waren gut, sie hatte viele Freunde in Wadersloh, ihr Vater ging täglich zur Arbeit – eigentlich lebte Familie Memaj ganz „normal“ wie andere deutsche Familien auch.

Der Kontakt nach Deutschland brach zwar während der gut 18-monatigen Zeit im Kosovo nicht ab, dennoch gestaltete sich der Neustart in Wadersloh schwierig: Vjollca Memaj musste trotz ihrer zuvor guten Noten auf der Realschule nun die Hauptschule besuchen. „Ich habe trotzdem erst meinen Realschulabschluss und dann sogar noch das Fachabitur gemacht“, erzählt die junge Frau. Im Anschluss hat sie dann die dreijährige Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Gütersloh begonnen: „Ich musste immer viele Behördengänge für meine Eltern erledigen und darum wusste ich schon früh: dort will ich unbedingt auch irgendwann einmal arbeiten“, so Memaj. Gesagt, getan: Seit einigen Wochen ist sie ausgebildete Verwaltungsfachangestellte. „Ich habe als Einzige in meiner Klasse die praktische Prüfung mit der Note sehr gut bestanden“, sagt sie stolz, „ich habe dazu beigetragen zu zeigen, dass es auch Ausländer wie mich gibt, die sich gut integrieren.“

Nun arbeitet die junge Frau im Fachbereich Kultur und Sport bei der Stadt Gütersloh und kümmert sich dort unter anderem um die Ausgabe der Sportabzeichen, die Übungsleiterzuschüsse sowie um kulturelle Veranstaltungen. Trotzdem fühlt sie sich auch noch ihrer zweiten Heimat, dem Kosovo, sehr verbunden: Regelmäßig besucht sie im Urlaub ihre Verwandtschaft im Ausland und während ihrer Ausbildung absolvierte sie ein vierwöchiges Praktikum in der albanischen Stadtverwaltung. „Ich würde gerne irgendwann noch ein oder zwei Jahre im Kosovo arbeiten, aber mein Lebensmittelpunkt ist trotzdem weiterhin hier in Deutschland, hier habe ich noch viele private und berufliche Ziele“, schaut Vjollca Memaj zuversichtlich in die Zukunft. Sie ist ihren Weg gegangen und letztlich hat sich für sie noch alles zum Guten gewendet.