„Und Bumms, ging’s ab“ – Kaya Yanar im Interview

KY_Pressebild1_Welt_Kuss_A4breit_2Bielefeld (th). Am 27. Oktober 2013 stürmt Kaya Yanar die Stadthalle Bielefeld mit seinem neuen Programm „Around the World“. Wir konnten uns vorab zu einem Interview mit dem Comedian treffen, der seit nunmehr zwölf Jahren eine feste Größe in der Comedyszene ist.

Herr Yanar, Sie waren das letzte Mal 2012 in Ostwestfalen-Lippe, haben sogar Politikunterricht an einer Realschule in Schloss Holte-Stukenbrock genommen. Freuen Sie sich auf Bielefeld und die Region?

Ja klar! Ich freue mich immer auf meine Fans. Mir ist es eigentlich egal, wo in Deutschland. Hauptsache meine Fans kommen. (lacht)

Gibt es etwas, das im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands heraussticht, wenn man in Ostwestfalen-Lippe als Comedian auf der Bühne steht?

Das kann ich so nicht sagen. Mein Programm ist schon sehr kosmopolitisch und wir lachen nicht über regionale Unterschiede, sondern mehr über Eigenarten anderer Nationen wie zum Beispiel die der Holländer, Spanier, Amerikaner oder Griechen. Bei diesem Humor sitzen meine Fans in Deutschland meistens im selben Boot. Die Bayern lachen beispielsweise nicht anders über die Holländer als die Westfalen.

Sie treten ja auch mittlerweile in der Türkei auf, kommt Ihr Programm dort genauso gut an?

Ja. Ich bin vor drei, vier Wochen in Antalya aufgetreten und das kam dort super an. Vor allem weil die deutschen Touristen dort mal was anderes gesehen haben als irgendwelche Poolanimationen oder Ruinen, sondern Comedy vor Ort und auch Comedy über den Ort. Also über die Russen im Hotel oder den Hoteltransfer, das finden sie natürlich immer klasse.

Was erwartet die Zuschauer bei Ihren neuen Programm „Around the World“?

_Bearbeitet_3821_1Also es beinhaltet all das, was ich in den letzten zwei Jahren unternommen habe. Ich bin durch die Welt gereist. Unter anderem nach China, Brasilien, Irland, Spanien und Italien. Ich war auch in Kanada und natürlich wieder in Indien. Meine ganzen Erlebnisse der Reisen erzähle ich dann in meinem Bühnenprogramm. Ich mag es halt über Kulturschocks zu reden, die bei solchen Reisen auftreten, wenn man als Deutscher ins Ausland reist, außerhalb von Mallorca. Das gebe ich dann in den zwei Stunden meines Bühnenprogrammes wieder. Zum Beispiel: Woran liegt es, dass die holländische Sprache so lustig klingt? Woran liegt es, dass die Menschen in China alles essen, was vier Beine hat und kein Tisch ist? Woran liegt es, dass die Inder immer diesen fröhlichen Singsang anstimmen? Man kann es als lustigen Reiseführer sehen.

Demnach beruhen Ihre Witze auf persönlichen Erlebnissen.

Das ist genau richtig! Was ich nicht mache, ist Hirngespinste über Nationen zu erfinden, in denen ich noch nicht war. Mir ist es wichtig vor Ort gewesen zu sein. Darüber entsteht dann auch die Authentizität, die für ein solches Programm notwendig ist.

Improvisieren Sie denn viel auf der Bühne oder ist das Meiste einstudiert?

Beides. Ich möchte niemals nur etwas Einstudiertes von mir geben, dann wäre es ja ein Theaterstück und ich wäre nur ein Schauspieler, der den Text runterrattert. Natürlich komme ich nicht mit leeren Händen, die Leute bezahlen ja auch dafür unterhalten zu werden. Mein Programm ist selbstverständlich erprobt, aber nichtsdestotrotz lasse ich mir immer sehr gerne Raum für Improvisation. Dies kann man am Besten, indem man eine Nähe zum Publikum aufbaut und Reaktionen aus dem Publikum provoziert. Ob es jetzt eine direkte Frage ist oder einfach nur Zwischenrufe, dadurch kommt die Improvisation zustande. Das mag ich sehr gerne.

Sie sind seit 2001 im Geschäft und spielen gerne mit Klischees. Sind Sie das Spiel mit den Klischees nicht irgendwann einmal satt?

Das kommt schon auf mich selber an. Klischees finde ich erst einmal per se lustig! Was haben die Leute für komische Vorstellungen in ihrem Kopf? Und damit zu spielen, das finde ich immer sehr unterhaltsam und bereitet mir selber ein freches Vergnügen. Aber seit dem Ende von „Was guckst du?“ bin ich davon ja ein wenig ab, auf der Bühne arbeite ich eigentlich kaum mehr mit Klischees.

Generell wird in der Comedyszene viel mit Klischees gearbeitet, viele Künstler zelebrieren dieses Spiel. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass die Szene ihren Anteil daran hält, dass die Klischees in der Gesellschaft bestehen bleiben?

Ja, darüber habe ich natürlich auch schon nachgedacht. Aber ich bin mir gar nicht so sicher, ob ein Comedian so tief in das Unterbewusstsein eines Zuschauers eingreifen kann. Ich bin mir da selber noch nicht ganz schlüssig. Ich glaube nicht, sollte jemand im Publikum sitzen, der harte Vorurteile und Stereotypen in seinem Kopf hat, dass man dies großartig verändern oder sogar verstärken kann. Das ist meine Meinung. Dennoch muss ein Comedian darauf achten, dass er keine Comedy macht, die diese Haltung noch verstärkt, keine Frage. Auf mich persönlich bezogen, glaube ich schon, dass ich darauf achte. Aber es ist definitiv wichtig über diese Frage nachzudenken.

Nun einmal zu Ihrer Person. Wie sind Sie zur Comedy gekommen?

Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und Bumms, ging’s ab! (lacht)
Ich habe mein Studium mit kleinen Bühnenauftritten finanziert und einer dieser Auftritte war halt in Köln. Da hat man mich dann quasi entdeckt, ganz klassisch. Ein Fernsehproduzent war zugegen und der hat mich dann gefragt, ob ich das nicht auch für das Fernsehen machen wolle. Warum denn nicht? Dann haben wir einen Piloten produziert und dass es ein riesen Erfolg wurde und vor allem, dass diese Langfristigkeit bis heute gegeben ist, damit konnte niemand rechnen.

Sie engagieren sich für PETA, essen kein Fleisch, sondern nur Fisch. Welche Bedeutung hat Tierschutz für Sie?

Schon eine sehr große Bedeutung. Das ist jetzt nicht etwas, was ich einfach nur aus Gutmenschentum oder Imagegründen heraus mache. Es ist wirklich reine Empathie. Ich arbeite auch mit der „Plan International“ zusammen und habe einige Patenkinder. Gewisse Dinge berühren mich einfach. Meine Eltern kommen aus einem Land, wo Tierschutz nicht wahnsinnig groß geschrieben wird. Wahrscheinlich berührt es mich deswegen so, weil wenn ich jährlich in die Türkei fliege und die umherstreunenden Hunde und Katzen sehe, das berührt mich wahnsinnig. Zudem ist es mir wichtig, dass Kindern eine Chance gegeben wird, egal ob in Deutschland oder weltweit.

Zum Schluss noch die wichtigste Frage: Wie oft hören Sie den Satz „Was guckst du?“

Ständig. Es vergeht kein Tag, an dem ich diesen Satz nicht irgendwo höre. Aber das ist in Ordnung, weil er mich immer wieder an meine Anfangszeit erinnert. Gerade deswegen kann ich den Satz nicht oft genug hören. (lacht)

Das Interview führte Tim Hildebrandt

Fotos: Nadine Dilly