Titelverteidiger Haas startet in diesem Jahr zum 13. Mal bei den GERRY WEBER OPEN

Tommy Haas schlägt in diesem Jahr bereits zum 13. Mal bei den GERRY WEBER OPEN in HalleWestfalen auf. © GERRY WEBER OPEN (HalleWestfalen)

Tommy Haas schlägt in diesem Jahr bereits zum 13. Mal bei den GERRY WEBER OPEN in HalleWestfalen auf. © GERRY WEBER OPEN (HalleWestfalen)

Paris/HalleWestfalen. Lange ist es nicht her, nur knappe zwei Jahre, da war er fast schon in der Weltrangliste verschollen. Zwischen ewigen Talenten und vielen >grünen< Tennis-Neulingen notierte auf Platz 896 der ATP-Hitparade der wohlbekannte Name Tommy Haas (35). Damals, im Juni 2011, sagt Haas, habe er nach einer dieser endlosen Verletzungspausen und dem unvermeidlichen Absturz in der Hackordnung der Profis nur noch daran gedacht, „einen halbwegs ordentlichen Abschied zu finden“: „Ich dachte mir: So kannst du einfach nicht aufhören. So willst du den Leuten nicht in Erinnerung bleiben.“

Und nun, im Frühling 2013, steht er wieder auf den Centre Courts und kann nicht anders, als sich einfach zu wundern. Über sich selbst, über seine letzte fulminante Rückkehr in die Weltspitze, über diese verrückten 23 Monate, die hinter ihm liegen, über den Sprung auf Rang 14 der Weltrangliste. „Im Grunde genommen ist das verrückt, denn in diesem Alter kann man höchstens davon träumen, aber nicht damit rechnen, dass es wirklich passiert“, sagte der ewige Tommy Haas, das Stehaufmännchen des Wanderzirkus.

Nachdem seine Zweitrunden-Begegnung mit dem 20-jährigen Amerikaner Jack Sock abgebrochen und auf den heutigen Freitag verschoben wurde, gab Tommy Haas, Titelverteidiger in HalleWestfalen, dem Turnierpressedienst der GERRY WEBER OPEN am gestrigen Donnerstag ein Interview.

Gratulation zum gelungenen Auftakt bei diesem schweren Grand Slam-Turnier. Sind Sie zufrieden, auch nach den gesundheitlichen Problemen in Düsseldorf?

Tommy Haas: „Für mich war es wichtig, hier in Paris gut zu starten. Das ist mir ganz gut geglückt, von daher bin ich natürlich zufrieden.“

Gibt es ein sportliches Ziel hier in Roland Garros?

Tommy Haas: „Mein Ziel ist es, immer so weit zu kommen wie möglich. Ich genieße einfach jede Sekunde auf dem Platz. Besonders die Matches vor einer großen Kulisse und gegen große Gegner sind ein besonderer Ansporn.“

In Düsseldorf haben Sie sich mit Ihrer Tochter auf dem Centre Court gezeigt. Ist diese emotionale Bindung Ihre aktuelle Motivation für das Tennis?

Tommy Haas: „Absolut, meine Tochter gibt mir unglaublich viel Kraft und motiviert mich Tag für Tag. Es ist ein wunderbares Gefühl mit zu verfolgen, wie sie langsam versteht, was ich überhaupt mache. Ich möchte ihr nur noch mehr davon zeigen.“

Nach den French Open kommen die Gerry Weber Open. Was fällt Ihnen, mal abgesehen davon, dass es ein Rasenturnier ist, spontan dazu ein?

Tommy Haas: „Die Gerry Weber Open sind eines meiner Lieblingsturniere, nicht zuletzt weil ich hier auch zwei große Erfolge gegen Novak Djokovic und Roger Federer feiern konnte. Diese Erfolge werde ich natürlich immer in Erinnerung behalten.“

Vor einem Jahr waren Sie der 87ste der Weltrangliste, dann folgte der Sieg in HalleWestfalen gegen Roger Federer und heute sind Sie die Nummer 14. Gab Ihnen der Erfolg über Federer die Zuversicht, ganz vorne in der Welt noch einmal dabei zu sein?

Tommy Haas: „Gegen Roger in einem Finale zu gewinnen, ist natürlich etwas Besonderes und motiviert einen noch mehr. Solche Momente zeigen mir, dass ich es immer noch kann und an einem perfekten Tag wirklich mit der absoluten Weltspitze mithalten kann.“

Weltweit wird Ihr Comeback mit Respekt zur Kenntnis genommen. Ist dies jetzt die Genugtuung für all den Schmerz?

Tommy Haas: „Von Genugtuung würde ich nicht sprechen, es freut mich aber natürlich, diese gewisse Anerkennung zu bekommen. Zum zweiten Mal den ATP-Comeback-Award zu gewinnen, war letztes Jahr ein schönes Gefühl für mich.“

Sie sind der erste Deutsche, der die Gerry Weber Open nach 2009 zum zweiten Mal gewonnen hat. Und da die 13 Ihre Glückszahl ist und Sie in diesem Jahr zum dreizehnten Mal teilnehmen werden, was können wir da von Ihnen erwarten?

Tommy Haas: „Das ist schwer zu sagen, da das Teilnehmerfeld in Halle natürlich unglaublich stark ist. Aber vielleicht hilft mir ja meine Glückszahl 13… man weiß ja nie!“

Was erwarten Sie denn noch von sich? Gibt es vielleicht sogar noch Wünsche oder Träume, die Sie sich erfüllen wollen?

Tommy Haas: „Erwarten tue ich eigentlich nichts so richtig. Ich möchte einfach nur gesund bleiben und so viel Spaß auf dem Court haben wie möglich. Der Erfolg versüßt mir das Gefühl natürlich umso mehr.“

Sie haben unlängst den deutschen Tennisnachwuchs kritisiert. War das mehr als ein Wachrütteln oder haben Sie die Hoffnung, dass Ihre Kritik ernst genommen wird?

Tommy Haas: „Ich hoffe es natürlich, denn wir brauchen in Deutschland wieder mehr aufstrebende Talente um unsere Sportart am Leben zu halten. Gerade startet Toni Nadal, Rafaels Onkel und Trainer, ein tolles Projekt namens >The Making of a Wimbledon Champion<, bei dem er den nächsten deutschen Wimbledon-Champion sucht. Bei diesem Projekt bin ich auch in der Jury, und vielleicht finden wir ja ein Top-Talent, welches das Zeug zum Star hat.“

ATP-Einzeltitel & Erfolge

  • 2013:   BMW Open (München)
  • 2012:   GERRY WEBER OPEN (HalleWestfalen)
  • 2009:   GERRY WEBER OPEN (HalleWestfalen)
  • 2007:   Memphis
  • 2006:   Los Angeles, Memphis, Delray Beach
  • 2004:   Los Angeles, Houston
  • 2001:   Mercedes Cup (Stuttgart), Wien, Long Island, Adelaide
  • 1999:   Memphis
  • Des Weiteren 12 Final-Teilnahmen 

Beste Grand Slam-Resultate

  • Halbfinale Australian Open 1999, 2002, 2007
  • Halbfinale Wimbledon 2009
  • Viertelfinale US Open 2004, 2006, 2007 

Höchste Weltranglistenposition

  • ATP-Ranking 2 (13. Mai 2002) 

Aktuelle Weltranglistenposition

  • ATP-Ranking 14