Thomas Kratz und Jessica Warboys im Bielefelder Kunstverein

Bielefelder Kunstverein

Thomas Kratz mit einer Auswahl seiner "Nude Paintings" (210-2012)

Bielefeld (vw/jd). Im Bielefelder Kunstverein findet vom 24. August bis 04. November 2012 eine Ausstellung zweier junger Künstler statt. Während Thomas Kratz sich eher als Maler versteht und seine Ausstellung „LOVE“ präsentiert, beschäftigt sich Jessica Warboys mit den Werkseinheiten Malerei, Kunsthandwerk sowie Film und stellt ihre Werke unter dem Titel „TAILS“ aus.

Thomas Kratz „LOVE“
Thomas Kratz wurde 1972 in Waiblingen geboren. Er studierte an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, am Royal College of Art in London unf war Meisterschüler bei Günther Förg an der Akademie der Bildenden Künste in München. Kratz lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeiten wurden bereits bei Croy Nielsen in Berlin, bei Kate MacGarry in London und im Kunstraum München ausgestellt.

Die Malereien und Wandarbeiten für die Ausstellung im Bielefelder Kunstverein sind durch eine intensive Beschäftigung mit dem Portrait und dem Körperbild sowie der Darstellung menschlicher Hauttöne geprägt. Die ungrundierte Leinwand ist für Kratz eine Art Membran und definiert die Grenzen zwischen Innen und Außen. Charakteristisch für seine Arbeitsweise ist die Offenlegung des künstlerischen Werkprozesses. So kann jeder Farbauftrag und jede einzelne Ebene vom Betrachter nochvollzogen werden. Neben Anzeichnungen mit Bleistift kommen Acryl- und Pastellfarben sowie ungebundene Pigmente zum Einsatz.

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Thomas Kratz‘ Sporträder

Die Ausstellung „LOVE“ besteht aus insgesamt 28 Werken. Darunter zehn Arbeiten der Serie „Head“ (2007-2012). In dieser Serie nehmen fast nicht mehr wahrnembare, menschliche Gesichter und Konturen eine zentrale Position ein. Neben dem Motiv rückt verstärkt die Materialität der Malerei in den Vordergrund. Die intensive Beschäftigung mit Formen und Farben der körperlichen Darstellung spiegelt sich in den „Nude Paintings“ (2010-2012) wieder. Aus dieser Reihe können sechs Werke besichtigt werden. Die körperlich-haptische Anmutung des Bildträgers selbst rücken zwei Holztafelbilder der Serie „Lick Gin“ (2011-2012) noch stärker in den Fokus.

Zwei Objekte scheinen zunächst nicht in das Gesamtbild der Ausstelung zu passen. Dabei handelt es sich um zwei Fahrräder, eins gestellt, dass andere gehängt. Dazu muss man wissen, dass Fahrräder ein wiederkehrendes Ready-made in Kratz‘ Arbeiten sind. Damit versucht er bewusst die Konventionen der Ausstellungspräsentation zu brechen, um die Komplexität und den Alltagsbezug der Körperproblematik bewusst zu machen.

Jessica Warboys „TAILS“
Jessica Warboys wurde 1977 in Newport, England geboren und ist Absolventin des Falmouth College of Art und der Slade School of Fine Art. Warboys lebt und arbeitet in London und Paris. In ihrer ersten institutionellen Einzelaustellung in Deutschland im Bielefelder Kunstverein zeichnet die britische Künstlerin, die zur Zeit auf der dOCUMENTA vertreten ist, einen abstrakten Essay aus bewegten Bildern, Gesten und Objekten. Die Ausstellung besteht aus raumgreifenden Malereien sowie Installationen kleinerer Objekte im Ausstellungsraum.

Besonders eindrucksvoll erstreckt sich über die gesamte Fensterfront eines der Ausstellungsräume eine Installation aus Warboys fortlaufender Sea Painting Serie. Die Werke dieser Serie, die nach dem Ort ihrer Entstehung benannt sind, stellen eine Mischung aus bewussten Bewegungen der Hand der Künstlerin und zufälligen Prozessen dar. Warboys tränkt Leinwände in Meerwasser, präpariert sie mit Farbpigmenten und überlässt den Leinwandstoff den physischen Kräften der von ihr verwendeten Materialien: Wind, Sand und rhythmische Bewegungen der Wellen lassen Striemen und unterschiedliche Farbintensitäten entstehen. Die 210×600 cm große Leinwand des in der Ausstellung präsentierten Werkes wurde von Warboys geschnitten und neu zusammengefügt. Warboys malerische Intention ist dabei das Festhalten des unmittelbaren Ortes, des Hier und Jetzt, das sich aus dem Wechselspiel der von ihr verwendeten Materialen, natürlichen Elementen und ihrer Gesten auf der Leinwand ergibt.

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Jessica Warboys und ihr Werk "Sea Painting" (210x600 cm)

Die offene Arbeitsweise der Künstlerin zeigt sich auch an der Installation der kleinformatigen Malereien. Diese arrangiert sie lose an der Wand oder schneidet sie auf die Architektur des Ausstellungsraumes zu, sodass dargestelltes Objekt, Bild und räumliche Oberfläche ineinander fließen, sich vereinzelt überlappen.

Warboys Interesse an der Verbindung von Objekten und architektonischem Raum findet sich auch in ihrer filmischen Arbeit wieder, die in einem weiteren Ausstellungsraum präsentiert wird. Ihr Video mit dem Titel „A l´étage“ ist eine ästhetische, visuelle Erkundung der Räumlichkeiten einer verlassenen Bibliothek in Paris, die temporär von Künstlern für eine Ausstellung genutzt wurde. In dem Film nimmt Warboys Bezug auf Aufzeichnungen und Porträts der französischen Tänzerin Hélén Vanel. Sich wiederholende, teilweise metaphorische Bildsequenzen und Motive verleihen dem Film Rätselhaftigkeit und teilweise gespenstische Präsenz.

Im Hinblick auf den Titel der Ausstellung, „TAILS“, sind die von Warboys hergestellten Glasobjekte, die an Schwänze von Schlangen erinnern, von besonderer Bedeutung.

Während der Ausstellungen finden jeden Sonntag um 17 Uhr kostenlose Führungen statt. Termine für Gruppenführungen und Führungen für Schulklassen können individuell vereinbart werden.
Weitere Informationen (Bild- und Textmaterial) zur Ausstellung unter: www.bielefelder-kunstverein.de.

Bielefelder Kunstverein
Welle 61
33602 Bielefeld

Öffnungszeiten:
Do, Fr 15 – 19 Uhr 
Sa, So 12 – 19 Uhr 
Mo bis Mi nach telefonischer Vereinbarung

Fotos: Jennifer Dube