Theaterstück „Dschihad One-Way“ zu Gast an der Geschwister-Scholl-Schule

Gütersloh. „Mein Vater bei der Hitlerjugend, mein Sohn bei dem Islamischen Staat – beide Kanonenfutter und bei beiden die gleiche Frage: Warum haben sie das gemacht?“ Diese zentrale Frage versuchte Philipp Brammer in der Rolle des Vaters eines jugendlichen Dschihad-Kämpfers in dem Theaterstück „Dschihad One-Way“ zu beantworten. Die Frage nach dem Warum stellten sich auch die Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule, an der das von Bernd Plöger inszenierte Stück als Kooperation zwischen dem Theater Hof und dem Theater Kempten vor Kurzem aufgeführt wurde.

Mit dem Weg in den Dschihad entgleitet der Sohn seinem Vater (Philipp Brammer) als flöge er davon.

Mit dem Weg in den Dschihad entgleitet der Sohn seinem Vater (Philipp Brammer) als flöge er davon.

„Ich will keinen Dschihad-Sohn! Ich will, dass Lukas zurückkommt!“ schreit der wütende Vater des 17-jährigen Lukas D., der still und heimlich entschieden hat, sich dem IS anzuschließen, um in den „Heiligen Krieg“ zu ziehen. Dennoch muss sich der Protagonist anlässlich einer Pressekonferenz mit der Tatsache auseinander setzen, dass sein Sohn nicht mehr zurückkommen wird, weil er beschlossen hat, für die Ideale des Islamischen Staats zu sterben. In einer verwüsteten Szenerie mit umgeworfenen Tischen, zerbrochenen Gläsern und am Boden liegenden Mikrofonen schlüpfte Lukas‘ Vater in die verschiedenen Rollen der Teilnehmer der Pressekonferenz. Als betroffener Bürgermeister, als verzweifelte Mutter oder als nüchterner Kommissar – Philipp Brammer zeigte die unterschiedlichen Reaktionen auf die Situation, dass ein vermeintlich normaler Junge zum IS-Kämpfer wird.

„Das Theaterstück behandelt ein wirklich wichtiges Thema und soll die Jugendlichen vor allem dazu anregen, sich aktiv damit auseinander zu setzen“, betont Regisseur Bernd Plöger. Dies könne nur gelingen, wenn die Schüler das Theaterstück, das auf einer wahren Geschichte beruhe, nicht nur passiv konsumieren, sondern sich auch darüber hinaus eingehend mit der Problematik beschäftigen würden, so der Autor. Daher haben die Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule den Weg deutscher Jugendlicher in den Dschihad bereits zuvor mit theaterpädagogischen Materialien des Theater Hofs im Unterricht thematisiert und erarbeitet. Und auch am Ende des Stücks suchte der Regisseur die aktive Auseinandersetzung, indem er sich den Fragen, der Kritik und den Anregungen der Schüler stellte, die in einem Nachgespräch gemeinsam diskutiert wurden.

Damit möglichst viele Schulen mit der brisanten und hochaktuellen Thematik des Stücks in Berührung kommen, bietet das Innenministerium des Landes NRW den Schulen kostenlos die Möglichkeit einer Aufführung des Theaterstücks „Dschihad One-Way“ als Bestandteil ihres Präventionsprogrammes gegen Salafismus. Gleichzeitig wird das Theaterstück vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Demokratie leben!“ zusätzlich gefördert.