Teil des Schulbudgets in Händen der Schüler

Gütersloh. Als erste Stadt in Deutschland legt das ostwestfälische Rietberg einen Teil seines Schulbudgets in die Hände der Schüler. In dem am morgigen Mittwoch beginnenden neuen Schuljahr stimmen 2.200 Kinder und Jugendliche am örtlichen Gymnasium, der Realschule und einer Förderschule über den Einsatz von jeweils 7.000 Euro ab. Das sind bis zu 25 Prozent der jeweiligen frei verfügbaren Schulbudgets. Das Konzept für den Schülerhaushalt hat die Ber­telsmann Stiftung entworfen. Der Rat der 28.000-Einwohner-Stadt im Kreis Gütersloh hatte vor den Sommerferien einstimmig beschlossen, das Konzept umzusetzen und die Schulbudgets dafür auf­zustocken.
Direkt nach Schulbeginn starten die Vorbereitungen an den drei Schulen, um möglichst bald die ersten Vorschläge zu sammeln. Lieber ein Basketballkorb oder eine Tischtennisplatte, kann man die Sitzecke verschönern oder sollten die Klassenzimmer anders gestaltet werden? Dem Ideen­reichtum der Schüler sind keine Grenzen gesetzt. Jeder darf eigene Vorschläge einreichen, von der fünften Klasse bis zur Jahrgangsstufe zwölf. An der Wahlurne fällt dann die Entscheidung: Die zehn Vorschläge mit den meisten Stimmen arbeitet anschließend jede Schule gemeinsam mit der Stadtverwaltung aus, und die legt die Liste dem Rat zum Beschluss vor.
Die Bertelsmann Stiftung möchte Schülern mit dem Konzept der Schülerhaushalte mehr Teilhabe ermöglichen. „Wir möchten alle Schüler ermutigen, sich aktiv an der Gestaltung ihres Umfeldes zu beteiligen. Auch die, die sich noch nicht als Klassen- oder Schulsprecher engagieren“, sagt Ale­xander Koop von der Bertelsmann Stiftung, die das Projekt über das gesamte Schuljahr hinweg begleitet. Demokratie erleben und einüben, für Interessen eintreten und Verantwortung überneh­men – das sind laut Koop die Lernziele des Schülerhaushalts.
Demokratische Prozesse brauchen klare Strukturen, weshalb sich im September zunächst eine Steuerungsgruppe bilden wird. Vertreter der Schüler, der Schulleitungen und der Lehrer, der Stadt und der Bertelsmann Stiftung werden dann an jeder der drei Schulen Vollversammlungen und Info-Materialien vorbereiten, damit alle Schüler und deren Eltern über Ablauf und Spielregeln informiert sind.
Bevor der Schülerhaushalt in Rietberg so richtig an Fahrt aufnimmt, könnte das Beispiel aus Ost­westfalen übrigens schon Schule machen: Derzeit arbeitet die Stadt Wennigsen bei Hannover ebenfalls gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung an einem Konzept, um Schüler über die Ver­wendung des Schuletats mitbestimmen zu lassen. Die Entscheidung darüber soll in einer Ratssit­zung im September fallen.