Studentin baut Fangstation für NGP

Oerlinghausen. Es ist Winter in der Wistinghauser Senne. Die Schottischen Hochlandrinder stehen an der Futterstelle und fressen Heu. Etwas abseits von ihnen sind auf einer großen Fläche Eichenpfosten in die Erde gerammt worden. Sie erinnern auf den ersten Blick ein wenig an eine Sparversion von Stonehenge, sind aber die Pfähle für eine Fangstation, die für die Rinder im Beweidungsgebiet des Naturschutzgroßprojektes Senne und Teutoburger Wald (NGP) gebaut werden soll. Angedacht war diese Fangstation schon geraume Zeit. Stephanie Joachim hat sie nun während Ihres Praxissemesters im Naturpark geplant und errichtet.

Die Studentin der Landschaftsarchitektur und Umweltplanung an der Hochschule OWL hatte sich für ihr Praxissemester beim Naturschutzgroßprojekt beworben. Schnell waren sich Stephanie Joachim und der Leiter des NGP, Daniel Lühr, einig, dass die Fangstation „ihr“ Projekt für das Praxissemester sein soll.

Die Aufgaben von Fanganlagen hat Stephanie Joachim schon während ihres einjährigen „Travel and Work“-Aufenthalts in Australien kennengelernt. „Die Rinder leben in freier Natur und sind deshalb weniger an Menschen gewöhnt. Ab und an müssen sie untersucht und geimpft werden. Dazu müssen sie eingefangen werden, was oft stressig für die Tiere sein kann. Mit einer Fangstation kann dieser Stress minimiert werden: Die Tiere werden mit Futter in die Anlage gelockt. Über die beiden Warteräume können die Tiere sortiert werden. Das einzelne Tier wird dann durch den Treibgang in den schmalen Behandlungsstand geführt, in dem seine Bewegungsfreiheit sehr stark eingeschränkt ist. Der Tierarzt kann so die Behandlung in Ruhe durchführen. Über den gleichen Weg können die Tiere auch stressfrei für einen Transport vorbereitet werden“, beschreibt die Studentin die Funktion der Anlage.

Den Entwurf der Anlage hat sie mit einem 3D-Grafikprogramm am Computer geplant, das optisch eine räumliche Darstellung der Fangstation von allen Seiten ermöglicht. Konzipiert ist die Fangstation für eine Herde von rund 40 Rindern. Für die Bretter wurden Lärchen aus den angrenzenden Waldbeständen entnommen, die vor Ort von einem mobilen Sägewerk auf Maß geschnitten wurden. Lärchenholz stellt unter den Nadelnutzhölzern das schwerste und härteste Holz dar und ist deshalb besonders witterungsbeständig.

Allein hätte Stephanie, die zwar durch ihre erste Ausbildung als Bildhauerin und Steinmetzin gelernt hat, schwere „Brocken“ zu bewegen, die wuchtigen, sechs Meter langen Bretter aber nicht an die Pfosten bringen können. Tatkräftige ehrenamtliche Unterstützung erhielt sie von Dirk Grote, der – im „Nebenberuf“ Ornithologe – sein Herz für das Beweidungsprojekt entdeckt hat und bereits eine Vielzahl von neuansässigen Vögeln in dem Gebiet entdeckt hat.

Gemeinsam haben sie rund eineinhalb Wochen der Kälte getrotzt, die Bretter passend gesägt, angenagelt und die notwendigen Tore gebaut. Mit der Fertigstellung der Station endet auch Stephanie Joachims Praxissemester im Naturschutzgroßprojekt.

„Stephanie war ein echter Glücksgriff! Sie hat die Fangstation sehr professionell geplant und mit viel praktischem Geschick umgesetzt“, zeigt sich NGP-Projektleiter Lühr äußerst zufrieden mit der Arbeit. „Ich kann mich nur herzlich bei ihr bedanken, sie hat die Fangstation wirklich zu ihrer Sache gemacht.“

Ihren ersten Praxistest wird die Fanganlage bei der routinemäßigen medizinischen Untersuchung der Schottischen Hochlandrinder im kommenden Frühjahr haben.
Bild: W. Peters