Strahlen heilen von Innen

Stadt Gütersloh. BU: Bewährte Teamarbeit: Dr. Johannes Middelanis (Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Sankt Elisabeth Hospital, von links), Dr. Thomas Riedel (Radioonkologische Gemeinschaftspraxis), Roland Amelung (Medizinphysiker) und Dr. Joachim Hulde (Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Klinikum Gütersloh) führen seit einem Jahr erfolgreich intraoperative Bestrahlungen durch.

Gütersloh (kgp). Brustkrebs ist die häufigste onkologische Erkrankung der Frau. Darauf hat die Medizintechnik kontinuierlich mit neuen Behandlungsmöglichkeiten reagiert. Das Kooperative Brustzentrum Gütersloh setzt seit einem Jahr mit Erfolg die intraoperative Bestrahlung mittels Röntgenstrahlen („Intrabeam“) während der Brustkrebsoperation ein.

Nach einer Brust erhaltenden Operation schließt sich die fünf- bis siebenwöchige Strahlentherapie mit dem Linearbeschleuniger als unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung an. Die intraoperative Bestrahlung (IORT) noch während der Operation kann die nachfolgenden Sitzungen um fünf bis acht Tage verkürzen. „Das bedeutet eine enorme Erleichterung und gleichzeitig eine enorme Zeitersparnis für unsere Patientinnen“, sagt Dr. Joachim Hulde, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Gütersloh. Als Partner des Kooperativen Brustzentrums nutzt auch das benachbarte Sankt Elisabeth Hospital dieses moderne Verfahren. „Die informierten Patientinnen fragen uns inzwischen gezielt nach den Einsatzmöglichkeiten dieser Technik und den Behandlungskriterien“, betont Dr. Johannes Middelanis, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Sankt Elisabeth Hospitals. Insgesamt konnten im vergangenen Jahr rund 40 Patientinnen nach sorgfältiger Auswahl an beiden Häusern behandelt werden. Denn nicht jede Prognose und Tumorgröße sind für dieses spezielle Behandlungsverfahren geeignet. „Es ist eine sehr effektive Therapie, die ebenso erfolgreich, wenn nicht sogar besser ist, als der Standard und die einer sorgfältigen Patientenauswahl bedarf“, erklärt Strahlentherapeut Dr. Thomas Riedel. Mit dem „Intrabeam“-Strahlengerät der Firma Zeiss kann das Tumorbett in geeigneten Fällen direkt nach der Tumorentfernung noch während der Operation von innen bestrahlt werden – eine sehr sanfte und zugleich effektive Methode. Dabei wird eine kugelförmige Strahlenquelle in passender Größe direkt in die Operationswunde eingebracht. Die gleichmäßige, niederenergetische Bestrahlung mit 20 Gray (Strahleneinheit) dauert etwa 30 Minuten und ist sehr schonend für das umliegende Gewebe. Zudem ist die frühzeitige Bestrahlung der effektivste Zeitpunkt, um Tumorzellen zu vernichten, bevor sie erneut wachsen können. Die Erfahrung der letzten zehn Jahre lasse hoffen, dass auch die Wahrscheinlichkeit des lokalen Wiederauftretens der Erkrankung durch diese Methode deutlich reduziert werde zeigen sich die Chefärzte überzeugt.

Beide Krankenhäuser haben jeweils ein Stativ in ihrem Operationssaal stehen. Für die Behandlung pendeln die Strahlentherapeuten von der radioonkologischen Praxis am Klinikum Gütersloh zwischen den beiden Standorten und bringen die Bestrahlungseinheit mit. Der Medizinphysiker im Praxisteam, Clemens Margraf, hat die sensiblen Geräte genauestens vermessen und sorgt für die korrekte Strahlendosis. In der Region ist Gütersloh neben Herford der einzige Standort, der eine intraoperative Behandlung von Brustkrebspatientinnen anbietet. Das nächste Gerät gibt es erst wieder in Osnabrück, Dortmund und Hannover.

Das Kooperative Brustzentrum Gütersloh ist ein Zusammenschluss zwischen dem Klinikum Gütersloh, dem St. Elisabeth Hospital und niedergelassenen Ärzten. Schon seit dem Jahr 2002 arbeiten die operativen Standorte an den beiden Krankenhäusern fachübergreifend eng mit den so genannten „Kernleistungserbringern“ zusammen: Die Hämato-Onkologie (Dr. Massenkeil), die Radiologie (Dr. Berliner), die Praxis für Nuklearmedizin (Dr. Buschsieweke) und die Radio-Onkologie (Dr. Köhler/ Dr. Riedel) am Klinikum Gütersloh, die Gemeinschaftspraxis für Pathologie (Dr. Belder/ Dr. Leichsenring), die Praxis für Psychotherapie (Fr. Dr. Eißing) und die Onkologische Gemeinschaftspraxis (Dr. Rösel, Dr. Depenbusch, Prof. Dr. Gropp und Dr. Schütt). Hinzu kommen als unterstützende Einrichtungen ein psychoonkologisches Team und der Sozialdienst, die Physiotherapie und das Qualitätsmanagement, das die Anforderungen der Zertifizierung aufrechterhält und weiter ausbaut. Aus dieser Vielfalt wird die bestmögliche, individuelle Behandlung jeder Patientin möglich.