Stationärer Handel muss Amazon & Co etwas entgegensetzen

15_04_16 Shopping_Zukunft_HeinemannKreis Gütersloh. „Der Onlinehandel ist die größte Herausforderung für den deutschen Handel seit der Einführung der Selbstbedienung“, ist Prof. Dr. Gerrit Heinemann überzeugt „aber auch eine enorme Chance“. Rund 180 Einzelhändler aus dem Kreis Gütersloh folgten der Einladung der Wirtschaftsförderung der Stadt Rheda-Wiedenbrück und der pro Wirtschaft GT in die Osterrath-Realschule in Wiedenbrück und lauschten den Ausführungen des ausgewiesenen Handelsexperten.

„Unsere Innenstädte sind durch den Einzelhandel geprägt“, sagte Bürgermeister Theo Mettenborg in seiner Begrüßung. Doch schon heute spürt der stationäre Handel das geänderte Kaufverhalten der Konsumenten: sinkende Frequenzen in Fußgängerzonen, gestiegene Preissensibilität oder auch Funktionalitäts- und Preisvergleiche mit der Konkurrenz aus dem Internet. Vor allem die Nutzung von Smartphones beeinflusst die Kaufentscheidung bereits merklich. So recherchieren die meisten Kunden heute vor dem Kauf zunächst online – oft über das mobile Internet. „Das ist erst der Anfang. Der Einkauf im Internet ist für Kunden bequem – und bei den erfolgreichsten Online-Anbietern wie Amazon funktionieren die Prozesse in der Regel einwandfrei“, so Heinemann. Da muss der stationäre Handel aus Kundensicht gleichziehen. Ein elektronisches Warenwirtschaftssystem sei dafür eine wichtige Voraussetzung. Mit dessen Hilfe könnten die Händler dem Kunden vor dem Besuch die Information über die Verfügbarkeit von Produkten im Laden bereitstellen, einfache Webshops einrichten oder an bestehende Plattformen wie elektronische Marktplätze angebunden werden. „Es gibt hier auch kleine Lösungen, die in der Einrichtung nicht teuer sind. Wichtiger dagegen ist Ihre Entscheidung, online präsent sein zu wollen. Das ist Chefsache“, glaubt der Forscher der Hochschule Niederrhein. „Steigern Sie die Besuchsfrequenzen in den Innenstädten und in ihrem Laden: stellen Sie Besuchern kostenfreies Internet zur Verfügung oder bieten Sie Ihren Kunden durch Apps mit standortbezogenen Angeboten oder Coupons, Anreize in Ihr Geschäft zu kommen“, riet er seinem Publikum. Rainer Schorcht machte in der Vergangenheit schon gute Erfahrungen mit dem Onlinehandel und mobilen Angeboten. „Haben Sie keine Angst vor dem Internet“, empfahl er daher den Einzelhändlern.

In Rheda-Wiedenbrück wird man sich im Rahmen des Forums Attraktivität der Innenstädte weiter mit dem Thema auseinandersetzen. Und auch die Wirtschaftsinitiative Kreis Gütersloh greift den Wandel des Einzelhandels und der Innenstädte im Wirtschaftsforum im Oktober auf.

Bildzeile: v.l.: sprachen über Shopping der Zukunft in der Stadt: Theo Mettenborg, Nikola Weber (Stadt Rheda-Wiedenbrück), Prof. Dr. Gerrit Heinemann, Rainer Schorcht (Einzelhandelsverband), Albrecht Pförtner (pro Wirtschaft GT)