Stadt Minden setzt auf Bildung, fördert Kinder und investiert in Jugendarbeit

DSC_0272Minden. Minden steht in Bezug auf die Armut von Kindern mit einer Quote von 23,2 Prozent im Kreis Minden-Lübbecke einsam an der Spitze (kreisweit 14,4 Prozent). Auch im Landesvergleich hat Minden als mittelgroße Stadt überdurchschnittlich viele Einwohner/innen, die von staatlichen Leistungen abhängig sind, aktuell sind es 11,6 Prozent aller Einwohner/innen. Diese harten Fakten sind unter anderem im Ende 2014 neu aufgelegten Sozialatlas zusammengefasst.

„Die Zahlen bieten uns zum einen eine gute Übersicht, aber zum zweiten auch eine Grundlage für politisches Handeln, für die Stadtentwicklung insgesamt sowie für Projekte in den besonders betroffenen Stadtbezirken“, fasst Bürgermeister Michael Buhre zusammen. „Wir akzeptieren das nicht einfach so, sondern überlegen, wo wir unterstützen, fördern und ansetzen können“. Das macht die Stadt bereits seit einigen Jahren in vielen Bereichen und natürlich auch aktuell – mit Erfolg. Grundlagen für Projekte und Investitionen bilden unter anderem die Jugendhilfeplanung, der Stadtentwicklungsbericht, die Kultur- und Sportförderung. Über allem stehen die strategischen Ziele „Chancengerechtigkeit durch Teilhabe schaffen“ und „Familienfreundlichkeit“.

Die Daten aus dem Sozialatlas fließen in die integrierte Stadtentwicklungsplanung ein und bilden eine Basis für das neu ins Leben gerufene Projekt „Bildung 2022“. Die Stadt Minden sieht das Thema Bildung als zentralen Faktor für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Kommunalentwicklung. „Wir setzen uns zum Ziel, alle vorschulischen, schulischen und außerschulischen Akteure zu vernetzen und in einem partizipativen Prozess einen Bildungsplan zu erarbeiten, der kurz-, mittel- und langfristige Perspektiven und Maßnahmen aufzeigt und politisch verabschiedet wird“, erläutert Bürgermeister Michael Buhre. Ziel des Projektes sei es, junge Menschen und ihre Familien in allen Bildungsfragen wirksam zu unterstützen.

Was unternimmt die Stadt sonst noch? Auf der Basis des Kinder- und Jugendförderplans – der neue für die Jahre 2015 bis 2020 ist in Arbeit – hat die Stadt Minden trotz jahrelanger Haushaltssicherung die Jugendhäuser erhalten, teilweise sogar ausgebaut. So gibt es mittlerweile 14 Stellen für die Arbeit in den städtischen Jugendeinrichtungen, zu denen das Kinder- und Jugendkreativzentrum Anne Frank, das Jugendhaus Geschwister Scholl in Bärenkämpen, das „Westside“ in Rodenbeck/Königstor, das Jugendhaus Alte Schmiede auf der rechten Weserseite und die Juxbude in der Innenstadt gehören. „Alle eint, dass sie in den Stadtteilen liegen, in denen viele Kinder und Jugendliche und darunter auch viele Empfänger/innen von staatlichen Leistungen leben“, erläutert der Erste Beigeordneter Peter Kienzle, dessen Geschäftskreis den Fachbereich Soziales und das Jugendamt umfasst.

Trotz begrenzter Mittel sei es auch gelungen, bei der Spielraumplanung die wenigen Mittel für bestimmte Projekte vor allem in den so genannten benachteiligten Stadtbezirken zu bündeln, so Jugendhilfeplanerin Uta Betzhold. In den meisten Fällen waren Kinder und Jugendliche direkt in die Planungen einbezogen. Neu gestaltet und mit modernen Geräten versehen wurden der Spielplatz an der Derfflingerstraße in Bärenkämpen, der Spielplatz an der Bachstraße/Kleinen Dombrede auf dem rechten Weserufer, der Spielplatz an der Bastaupromenade in Rodenbeck sowie die Fläche am Koppelweg in Zollern. Ganz neu entstanden ist 2012 ein Spielplatz an der Weserpromenade, der sehr stark genutzt wird. Die Anlage ist eine Kombination aus einem Kletter- und Balancier-Parcours.

Im Rahmen der Entwicklungsplanung für die Kindertagesstätten ist das Angebot an Plätzen für Unter-Dreijährige gerade in den vergangenen Jahren stark ausgebaut worden. „Die Stadt Minden liegt mit einer Bedarfsabdeckung von aktuell 37 Prozent mit ihren Kita-Plätzen und den Tagespflege-Plätzen über dem geforderten Soll des Landes NRW (32 Prozent)“, fasst der Leiter des Jugendamtes Rainer Mohnfeld zusammen. Aktuell entsteht am Rand von Zollern auf einem Grundstück im Erbeweg die neue Kita „Krokodil“, eine weitere ist im Stadtbezirk Rodenbeck geplant. Geschaffen worden sind in den vergangenen Jahren auch elf Familienzentren mit 15 Standorten mit einem vielseitigen Gesprächs-, Vortrags-  und Kreativangebot für Kinder und Eltern.

Sprachförderung wird ebenfalls groß geschrieben – 28 Mindener Kitas erhalten als Sprachförderkita nach dem Kinderbildungsgesetz (KIBIZ) Mittel für zusätzlichen Sprachförderbedarf und haben im Team eine sozialpädagogische Fachkraft, die über nachgewiesene besondere Erfahrungen und Kenntnisse in der Sprachförderung verfügt. Darüber hinaus gibt es die KitaPlus-Förderung, eine zusätzliche Landesförderung von 25.000 Euro je Kita mit einem hohen Anteil von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf des Bildungsprozesses. In Minden erhalten zwölf Einrichtungen diese Förderung. Förderkriterium ist die Anzahl von Kindern aus Familien, die Leistungen nach dem SGB II erhalten.

In Städten mit hoher Kinder- und Jugendarmut sind Hilfen zur Erziehung gefragt und belasten die kommunalen Haushalte. Rund 180 Kinder und Jugendliche sind derzeit in Pflegefamilien untergebracht, 105 in stationären Einrichtungen. „Damit diese Zahl nicht weiter steigt, setzen wir auf Prävention, mehr Beratung, eine intensivere Betreuung von Familien mit Erziehungsproblemen und niederschwellige Hilfen wie den Einsatz von Familienhebammen,“ fasst Jutta Riechmann, Leiterin des Bereiches Sozialer Dienst Jugendhilfe, zusammen. Seit 2007 werden „Frühe Hilfen“ für Schwangere und junge Mütter angeboten, die sehr gut angenommen werden. Und 2014 wurden sechs neue Stellen nach einer Untersuchung des Institutes für Sozialplanung und Organisationsentwicklung (Inso) in der Jugendhilfe geschaffen.

Weitere Beispiele für die Schaffung von mehr Chancengleichheit in der Stadt sind der stark ausgebaute offene und der gebundene Ganztag an den allgemeinbildenden Schulen, die 2012 eingerichtete Schulsozialarbeit – ursprünglich aus Mitteln des Paketes „Bildung und Teilhabe finanziert und jetzt durch die Stadt Minden getragen – an Schulen mit hohem Anteil von benachteiligten und förderbedürftigen Kindern, aber auch Projekte der Sportförderung und der kulturellen Bildung, wie der „Kulturrucksack“, das Community Dance-Projekt, das Musik-Projekt „Jeki“, „Minden singt!“ und „Minden klingt“ sowie weitere Projekte in Kooperation mit dem Stadttheater, dem Kommunalarchiv und der Stadtbibliothek.

Über den „Runden Tisch Soziales“ sind der 2014 ins Leben gerufene Stadtteilmanager in Rodenbeck und das Projekt der Sozialpaten in Minden entstanden. Aktuell 29 ehrenamtlich tätige Sozialpaten unterstützen und beraten bedürftige Personen, Paare oder Familien auf dem Weg zu einer selbständigen Lebensführung. Diese Hilfen zum Beispiel bei finanziellen und familiären Problemen sind immer „Hilfe zur Selbsthilfe“. Der „Lokale Aktionsplan“ (LAP), eine vom Bund geförderte Maßnahme, brachte seit 2011 zahlreiche Projekte, Veranstaltungen und Aktionen auf den Weg, die auch noch in die Gegenwart nachwirken, wie das Elterncafé an der Mosaikschule. Im Rahmen des LAP werden Projekte unterstützt, die ziviles Engagement und demokratisches Verhalten fördern, und mehr Vielfalt und Toleranz zum Ziel haben.

Aber auch externe Einrichtungen, Arbeitskreise und Stiftungen tragen dazu bei, dass Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen in Minden gefördert werden und Chancengleichheit erfahren. So unterstützen die Rudloff-Stiftung (Minden), die Familie-Osthushenrich-Stiftung (Ostwestfalen), die Mindener Stiftung für Kinder sowie die „Bildungspartner“ – eine Initiative der Mindener Wirtschaft – Projekte an Schulen und in Kitas, geben Zuschüsse für Mittagessen im offenen Ganztag, für Lernmittel und Sprachförderung. Ein weiteres Beispiel: Aus dem 2007 gegründeten Ausschuss für Kirche und Gesellschaft des ev. Kirchenkreises Minden ist das Stadtteil-Projekt „Netzwerk MiRo“ mit einem Kompetenzzentrum für Beratung und Aktivierung in Rodenbeck entstanden; auch wird über die „Aktion Mensch“ seit 2014 in Rodenbeck in einem interkulturellen Treff die Elternarbeit im Umfeld der Grundschule Hohenstaufenschule gefördert.

Minden ist darüber hinaus seit 2008 „Ort der Vielfalt“, hat ein Bündnis für Demokratie und Vielfalt gegründet, hat einen sehr aktiven Integrationsrat und einen Integrationsbeauftragten und trägt seit 2009 den Titel „Stadt der Weltdekade der Vereinten Nationen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014″. Insgesamt ein sehr breites Portfolio, das deutlich macht: „Wir haben nicht nur einen Sozialatlas, wir nehmen die Zahlen zum Anlass, aktiv zu werden und zu bleiben“, so das Fazit von Bürgermeister Michael Buhre.

Bild: Stadt Minden/Paul Olfermann