Sensation perfekt – Wiedenbrück schlägt Düsseldorf

SCWTimHildebrandt20Gütersloh/Wiedenbrück (th). Die Vorzeichen standen schon vor dem Spiel für den Regionalligisten SC Wiedenbrück in passender Konstellation. Bereits viermal lief die Fortuna im Heidewaldstadion auf, kein einziges Mal ging sie als Sieger vom Platz, zuletzt 1998. Fünfzehn Jahre später fungierte das altbackene Stadion in Gütersloh als Zufluchtsort des SC Wiedenbrück, der in der ersten Runde des DFB-Pokals den ehemaligen Bundesligisten Fortuna Düsseldorf empfing.

6.850 Zuschauer ließen sich das Spiel des Jahrzehnts für den Regionalligisten nicht entgehen. Davon waren mehr als die Hälfte aus Düsseldorf zugereist. Einer prächtigen Stimmung stand somit nichts im Wege, sind die Rheinländer ja berüchtigt dafür ihr Team gnadenlos und unerbittlich zu unterstützen.

Unter der Führung der Kapitäne Mariusz Rogowski (SCW) und Andreas Lambertz (F95) betraten die beiden Mannschaften unter tosendem Applaus gegen 16 Uhr das Spielfeld. Zu diesem Zeitpunkt schien die Sensation noch meilenweit entfernt, was die ersten Spielminuten auch bestätigten. Eine hohe Fehlpassquote zeigte die Nervosität der Hausherren, ein vernünftig aufgezogener Spielaufbau war in den ersten fünfzehn Minuten nicht möglich.

Düsseldorf hingegen setzte den Außenseiter von Beginn an unter Druck und zwang ihn so in der Folge zu etlichen Abwehrfehlern. Die Unsicherheiten in der Hintermannschaft ermöglichten der Fortuna etliche Chancen. Oliver Zech (2.) oder Christina Benschop (21.) konnten ihre hundertprozentige Torchancen jedoch nicht nutzen. Bedanken dürften sich die Wiedenbrücker insbesondere bei ihrem starken Rückhalt Marcel Hölscher. Erst parierte er eine gefährliche Aktion von Düsseldorfs Stefan Reisinger (29.), später scheiterte erneut der auffällige Benschop (44.) an den reflexartigen Paraden des Wiedenbrücker Keepers.

Mit einem 0:0 ging es in die Pause, was viele Zuschauer zugleich verwunderte als auch verärgerte. Bei den Fans des SC Wiedenbrück kam die Hoffnung nach der Sensation auf, bei den mitgereisten Düsseldorfer Anhängern gleichwohl die Angst vor der Blamage.

SCWTimHildebrandt07Der in der Halbzeit gefasste Vorsatz „nicht hinten drin zu stehen und die Null so lange wie möglich zu halten“, wie Siegtorschütze Marwin Studtrucker nach dem Spiel sagte, schien dem Heimteam Auftrieb zu verleihen. Das Spiel wurde offener und nun gerieten die Favoriten zu großen Teilen in Bedrängnis. Stefan Langemann setzte einen prallen Schuss knapp über das Tor (49.), in der Gegenbewegung versagten Axel Bellinghausen vor dem einschussbereiten Tor die Nerven (51.). Von den Gästen war daraufhin lange Zeit nichts Konstruktives zu sehen. Der Regionalligist erkämpfte sich die Bälle in der eigenen als auch in der fremden Hälfte und ließ die Düsseldorfer nicht zur Entfaltung kommen. Andreas Lambertz versuchte dem Spiel des Favoriten immer wieder seinen Stempel aufzudrücken, was jedoch nur selten gelang. Das Problem: Lag es an der harten Vorbereitung des Bundesligisten oder an den heißen Temperaturen, die Gäste boten größenteils nur noch Standfußball.

Dennoch ließ das Tor lange auf sich warten. Die Stümer Studtrucker sowie Stefan Langemann konnten das Runde in mehreren brenzligen Situationen nicht in das Eckige unterbringen, wofür sich auch der Gästekeeper Fabian Giefer verantwortlich zeigte. Ob mit Hilfe einer gekonnten Drehung um die eigene Achse nach einer der vielen Ecken (62.), fulminanten Schüssen aus der zweiten Reihe, die nur knapp ihr Ziel verfehlten oder intelligent abgeschlossener Konter: das Tor wollte nicht fallen.

SCWTimHildebrandt17Dafür benötigte es die Mithilfe der Rheinländer. Die Nachspielzeit lief bereits und die Spieler, Trainer und zahlreichen Zuschauer bereiteten sich schon auf die Verlängerung vor. Doch da der Fußball bekanntlicherweise seine eigenen Gesetze besitzt,  wurde dieser Plan gleich über den Haufen geworfen. Tobias Levels holte Marwin Studtrucker im eigenen Strafraum von den Beinen (90. + 1) und durfte für diese Notbremse auch direkt vorzeitig zum Duschen. Entschlossen trat der Gefoulte selbst an. Und verlud Giefer deutlich, der Keeper hechtete in die falsche Ecke.

Das Heidewaldstadion verwandelte sich prompt in ein Tollhaus, die halbe Mannschaft stürmte auf den Rasen. Nachdem sich die Stimmung ein wenig beruhigte, schmissen die Favoriten mit ganzer Kraft nochmal alles nach vorne, aber der ersehnte Ausgleich blieb ihnen verwehrt. Verdient, wohl gemerkt. Was auch der Wiedenbrücker-Trainer Theo Schneider nach Schlusspfiff so sah: „Aufgrund der zweiten Halbzeit ist der Sieg nicht unverdient, wobei viel Glück dabei war.“

Wahre Worte, die zweite Runde des DFB-Pokals kann kommen!

Bild 1: Marwin Studtrucker tritt zum Elfmeter an und trifft.

Bild 2: Die Düsseldorfer Fans sorgten für mächtig Stimmung!

Bild 3: Tobias Levels foult und beschert Düsseldorf die Niederlage. Fotos: Tim Hildebrandt.

Tim Hildebrandt