Schnelle Hilfe für das Herz

Spezialisten für unklare Brustschmerzen: (von links) Dr. Wiebke Lubahn, Prof. Dr. Heinrich Ditter und Dr. Guido Lüdorff leisten in der Chest Pain Unit des Klinikum Gütersloh schnelle Hilfe.

Gütersloh (kgp). Atemnot und ein merkwürdiges Ziehen in der Brust. Die 49-Jährige nimmt diese Symptome nicht ernst, wertet sie als vorübergehende Schwäche. Einen Tag später stellen die Kardiologen des Klinikum Gütersloh einen schweren Herzinfarkt mit Langzeitfolgen fest. Eine Diagnose, die vermeidbar gewesen wäre. In der jetzt offiziell zertifizierten „Chest Pain Unit“ (CPU) können unklare Brustschmerzen zügig durch erfahrene Ärzte abgeklärt und behandelt werden. So wissen die Patienten schnell, ob etwas Ernstes dahinter steckt.

Im Zweifel besser einmal mehr zu uns kommen“, rät Funktionsoberärztin Dr. Wiebke Lubahn Patienten und Notärzten. Wenn für die Brustschmerzen tatsächlich ein Herzinfarkt verantwortlich ist, bleibt den Medizinern nicht viel Zeit. Jede Minute ist kostbar, um die verengten Adern wieder zu öffnen und möglichst viel Herzmuskelgewebe zu retten. Die Kardiologin arbeitet in der Zentralen Notaufnahme(ZNA) des Klinikums und weiß, wie gefährlich ein nicht erkannter Infarkt sein kann. Als von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) anerkannte Chest Pain Unit (Brustschmerzzentrum) ist das Team aus Ärzten und Fachpflegekräften um Prof. Dr. Heinrich Ditter auf diese Notfälle spezialisiert.

145 CPUs gibt es deutschlandweit. Das Kompetenzzentrum für Herzerkrankungen am Klinikum Gütersloh reiht sich mit seiner Zertifizierung in die Riege von Universitätskliniken wie Mannheim, Essen oder Hamburg-Eppendorf und großen Fachkliniken ein. Im Umkreis liegen die nächsten Spezialeinrichtungen in Bielefeld, Herford oder Bad Oeynhausen. Kommt ein Patient mit unklaren Brustschmerzen ins Klinikum, laufen alle Fäden in der Zentralen Notaufnahme zusammen. Dort prüft das Fachpflegepersonal die Basisparameter wie Blutdruck und Puls, leitet ein EKG ab und informiert umgehend einen Facharzt. Der stellt fest, ob ein Herzinfarkt vorliegt, oder ob die Schmerzen durch andere Erkrankungen oder lediglich durch Verspannungen ausgelöst wurden. Im Notfall handeln die Ärzte schnell.

Im Herzkatheterlabor weiten Prof. Ditter und sein Team verengte oder verschlossene Adern mithilfe eines Ballonkatheters. Diese Spezialeinheit steht an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr für akute Fälle bereit und ist eine unabdingbare Voraussetzung für die CPU-Zertifizierung. Mit dem zweiten Herzkatheterlabor des Klinikums ist auch für den Fall eines technischen Ausfalls die schnelle Versorgung gesichert. Um eine ständige Verfügbarkeit zu gewährleisten, sind mindestens vier erfahrene Kardiologen erforderlich, die ebenfalls durch ein Ausfallkonzept von Kollegen vertreten werden können.

Auf der Internistischen Intensivstation wie auch auf der Station 15 der Inneren Medizin können Patienten mit akuten Brustschmerzen an Monitorplätzen rund um die Uhr überwacht werden. Eine funkgesteuerte Telemetrieanlage ermöglicht es sogar, dass sich die stationären Patienten trotz Überwachung frei auf der Station bewegen können. „Die jetzt erfolgte Zertifizierung unserer Chest Pain Unit ist ein weiterer Meilenstein in der Versorgung von Herzpatienten unseres großen Einzugsgebiets“, sagt Prof. Dr. Heinrich Ditter.