„Sage nie, Du gehst den letzten Weg“

„Sage nie, Du gehst den letzten Weg“

Kreis Paderborn. „Sage nie, Du gehst den letzten Weg“ ist der Titel einer Ausstellung in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945. Sie dokumentiert das Schicksal der litauischen Jüdinnen und Juden in den Ghettos von Wilna und Kaunas, erzählt von Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung menschlichen Lebens. Portraitaufnahmen von Überlebenden des litauischen Fotografen Antanas Sutkus zeigen Gesichter, die für immer gezeichnet sind von diesem leidvollen Abschnitt ihres Lebens. – Die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs in Schloß Neuhaus wollten eigentlich nur einen Film drehen, als sie nach Auschwitz fuhren. Doch der Besuch veränderte sie für immer. Einige Großaufnahmen von Schülerinnen und Schülern in Auschwitz mit Aussagen, die ihre Gefühle ausdrücken, ergänzen die Ausstellung. Das alles ist noch bis zum 30. Januar im Foyer des Paderborner Kreishauses zu sehen. Die komplette Ausstellung des Berufskollegs ist in den Räumlichkeiten der Schule in Schloß Neuhaus, An der Kapelle 2, am Samstag, 26. Februar im Rahmen eines Tages der offenen Tür zu sehen.
Den Auftakt von „Sag nie, Du gehst den letzten Weg“ bildete ein Konzert mit Roswitha Dasch (Gesang und Geige), die in einer Text-Musik-Collage zur Geschichte des Ghettos ausdrucksstark jiddisches Liedgut präsentierte und Texte rezitierte. Begleitet wurde sie von Ulrich Raue am Klavier. Die Musikerin Roswitha Dasch ist zugleich Initiatorin der Wanderausstellung über den Völkermord an den litauischen Juden. „Bereits das Konzert ging unter die Haut“, sagt Landrat Manfred Müller. Auch diese Ausstellung sei ein Beitrag gegen das Vergessen, damit Menschen in diesen Tagen sensibilisiert bleiben, bewusst Entwicklungen und Strömungen beobachten und für Frieden und Freiheit eintreten.

Am 22. Juni 1941 waren Truppen der deutschen Wehrmacht in Litauen einmarschiert. Wenige Tage später wurden in aller Öffentlichkeit Progrome an der jüdischen Bevölkerung in Kaunas verübt, an denen auch Litauer beteiligt waren. Einer im ganzen Land einsetzenden Verhaftungswelle folgte die Ghettoisierung der litauischen Juden. In den Städten Kaunas und Wilna mussten Tausende unter menschenunwürdigen Bedingungen in ständiger Angst vor dem Tod existieren. Viele von ihnen, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, wurden in einem Waldgebiet außerhalb Wilnas oder in der Nähe von Kaunas erschossen. Mehrere Schautafeln skizzieren das Leiden und Sterben dieser Menschen. Durch die Portraitaufnahmen Überlebender hat Roswitha Dasch eine Gegenüberstellung von Geschichte und Gegenwart geschaffen, die beim Betrachter einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Bild: „Sage nie, Du gehst den letzten Weg“ / Paderborner Kreishaus