Rudolf Kretzschmar feiert 100. Geburtstag

Zu seinem 100. Geburtstag überbrachte der stellvertretende Bürgermeister Norbert Flaskamp die Glückwünsche von Rat und Verwaltung an Rudolf Kretzschmar. Foto: Stadt Rheda-Wiedenbrück

Rheda-Wiedenbrück (pbm). Auf 100 zufriedene, aber auch durchaus spannende, aufregende und bewegte Lebensjahre konnte am gestrigen Montag Rudolf Kretzschmar zurückblicken. Die Glückwünsche von Rat und Verwaltung überbrachte der stellvertretende Bürgermeister Norbert Flaskamp. Er wünschte dem Jubilar vor allen Dingen Gesundheit und noch viele zufriedene Momente.

Seit dem Tag seiner Geburt lebt der immer noch recht rüstige Jubilar im 1900 erbauten Haus in der Bahnhofstraße 1. Die Wohnung ist praktisch zusammen mit ihm alt geworden und erzählt viele Geschichten. Dort hängen Kunstwerke, die Kretzschmar selbst gemalt hat, dort liegen Zeitschriften und Bücher aus vergangenen Zeiten, aber auch Fotografien von seinen Lieben.

Rudolf Kretzschmar erlernte nach der Schule den Beruf des Kaufmanns und führte das gleichnamige Lebensmittelgeschäft in der Nähe des Bahnhofes in Rheda. Seine Ehefrau Gerda, geb. Horstmannshof, schenkte ihm zwei Töchter und einen Sohn, denen er schon früh beibrachte, dass man sich wehren muss gegen die Ungerechtigkeit in der Welt, gegen Atomkraft oder Umweltsünden, die man später bereut.

Der Jubilar war Mitglied des Kreistages und Gründungsmitglied der Partei Bündnis 90`/Die Grünen in der Region. Er interessierte sich stets für die Menschen, für Politik, Umwelt und gesundheitliche Themen. „In vielen Dingen war er seiner Zeit voraus“, erzählt Tochter Ute, die stolz auf ihren weltoffenen Vater ist, der sich seinerzeit im Kreistag vehement gegen eine Begradigung der Ems ausgesprochen hat. Seine damaligen Befürchtungen haben sich bestätigt. Inzwischen wurde die Ems renaturiert. So unbeliebt wie er sich manchmal in Kreistagssitzungen durch die Vertretung seiner Meinung gemacht hat, so beliebt war er bei seinen Kunden. Er hatte schon früh ein großes Herz für die Migranten, die vor knapp 50 Jahren noch keine Formulare in ihrer Sprache bekamen. Er half ihnen, hatte immer ein offenes Ohr und sie kauften gerne bei ihm ein.

Vor 35 Jahren schlossen die Kretzschmars ihren Laden zum Leidwesen vieler Rhedaer. Seine Frau verstarb vor 23 Jahren. Kretzschmar ist nie gerne gereist, doch hat er sich die Länder dieser Erde nach Hause geholt. Tochter Ute und Sohn Rudolf haben fast zwei Jahrzehnte im Ausland gelebt und er hörte sich gerne ihre Geschichten an. Heute leben kurioserweise alle drei Kinder mit ihren Familien in Hamburg. Sechs Enkelkinder und fünf Urenkel gehören inzwischen dazu. Obwohl der Jubilar Hamburg liebt, zieht er sein Heim vor und möchte gerne dort seinen Lebensabend verbringen. Neben einem Pflegedienst kümmern sich eine nette Dame, sowie Nachbarn und Bekannte um den 100-Jährigen, der bis zu einer Erkrankung im letzten Jahr noch putzmunter war.

Foto: Stadt Rheda-Wiedenbrück