Rietberger Jungstörche lassen es sich in Spanien gut gehen

IMG_5127_20-07-2013Rietberg. Frohe Kunde für den Rietberger Hegeringleiter Reinhard Hermelingmeier, Sponsor Hans Holub und alle Beteiligten des Rietberger Storchenprojektes. Die beiden ersten Jungvögel aus einem Westerwieher Horst seit über sechs Jahrzehnten lassen sich es offenbar in Spanien gut gehen. Bernhard Walter, Geschäftsfüher der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld e.V., erhielt Ende vergangener Woche eine Email von der Vogelwarte auf Helgoland. Hier gehen zentral Hinweise aus dem Süden ein, wenn Vogelfreunde dort anhand von Ringnummern bestimmte Tiere ausfindig machen. Spanische Biologen hatten das Rietberger Duo mit leistungsstarken Ferngläsern erspäht und die Bezeichnungen 8X16 und 8X164 weitergeleitet. „Klasse, wir freuen uns riesig“, kommentierte Hermelingmeier die Nachricht. Er wie auch Hans Holub hatten im Sommer vergangenen Jahres schon begeistert die Beringungsaktion durch Michael Jöbges vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW verfolgt. Im Juni waren die Jungtiere am Horst im Westerwieher Außenbereich  markiert worden. „Mit einer Art Vaterstolz“ habe man seinerzeit feststellen können, dass der Storchennachwuchs ausnehmend gesund, wohlgenährt und im Wachstum weit fortgeschritten war. „Offenbar war das schon die gute Basis für den Flug in den Süden“, so der Hegeringleiter. 1158 Kilometer von der Emskommune entfernt überbrücken die Vögel die kalten mitteleuropäischen Monate. Gesichtet wurden sie in Katalonien im Nordwesten der iberischen Halbinsel. Ob sie schon in diesem Jahr an ihre Schlupfstätte zurückkehren ist aber noch ungewiss. Bernhard Walter: „Wir sind froh, dass die Tiere offenbar auch im Familienverbund beieinander geblieben sind. Erwarten werden wir aber erst einmal die Alttiere. Jungvögel verbleiben oftmals auch bis zur Brutreife im Süden.“

Abwarten also heißt es für die engagierten Storchenfreunde aus dem Hegering – und das nicht nur was die Zahl und Identität der Großvögel betrifft. „Werden Störche dieses mal die drei Horste in Westerwiehe und im Gartenschaupark unweit des Forum Natur nicht nur bevölkern sondern auch für weiteren Nachwuchs sorgen?“ fragen sich die Aktiven und wollen in Kürze den Zugvögeln ein einladendes Zuhause bereiten. Die Horste werden gereinigt und für die Ansiedlung von Storchenpaaren vorbereitet. Eine aufwendige Angelegenheit in luftiger Höhe, die Dachdeckermeister Hans Holub unterstützt. Spannung herrscht, ob in 2014 auch im Gartenschaupark Meister Adebar eine Kinderstube einrichten wird. Park-Geschäftsführer Peter Milsch: „Das wäre natürlich in unserem naturbelassenden Parkteil am Forum Natur unweit des Obersees das I-Tüpfelchen für die Naturfreunde unter unseren Besuchern. Das Terrain ist ideal für die  Aufzucht auch durch die Nähe zum Naturschutzgebiet der Teichwiesen. Der Horst ist weit genug entfernt um den Vögeln die nötige Ruhe zu bieten aber dennoch so nah am für Besucher zugänglichen Bereich um auch ohne Spezialfernglas die Tiere beobachten zu können.“

In den vergangenen zwei Jahren hätten zwar Storchenpaare ihr Nest im Park gebaut, indes habe es keine Aufzucht gegeben. Mutmaßungen von Fachleuten richteten sich darauf, dass die Störche noch zu jung gewesen seien. Milsch richtete seinen Dank an den Hegering und die Biologische Station, die mit großem Einsatz am Storchenprojekt arbeiteten. Im Jahr 2009 war dieses für den Rietberger Raum begründet worden. Während der NRW-Landesgartenschau 2008 hatten Jäger, Förster und Naturschützer gemeinsam das Forum Natur ins Leben gerufen und betreut. Bis heute ist diese Parzelle im Nachfolgepark verblieben und erfährt auch durch besondere Veranstaltungen viel Zuspruch aus Reihen der knapp 300.000 Besucher pro Jahr. „Damals sind öfters Störche über uns hinweg gezogen“, erinnert sich Hermelingmeier, und man habe gemeinsam überlegt was zu tun sei, um diese wieder in der Emskommune anzusiedeln. Die Gartenschau sei die Keimzelle für das Storchenprojekt gewesen.  2009 wurden die ersten beiden Nisthilfen aufgestellt, „damals überflogen zwar Storchenpaare neugierig die Anlagen, heimisch wurden sie noch nicht“, so der Hegeringleiter. Ob sich für 2014 in der Welt von Meister Adebar herumgesprochen hat, wie beliebt die Spezies in Rietberg ist und welch vor allem auch ehrenamtlicher Aufwand getrieben wird um ideale Bedingungen zu bieten? Für den März spätestens April rechnen die Experten mit der Rückkehr der Tiere aus sonnigen Wintergefilden.

BU:  Rietberger Jungstörche und Elterntiere. Fotos: Biologische Station/Hegering Rietberg