Palliativstation des Klinikum Gütersloh feiert 20-jähriges Jubiläum

imageproviderGütersloh. Es ist ein Ort der Ruhe und der Geborgenheit: Auf der Palliativstation des Klinikum Gütersloh werden Menschen behandelt, die an einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leiden.

Die Station wurde 1996 eröffnet und gehört damit zu den ersten Palliativstationen, die in NRW aufgebaut wurden. Anlässlich des Jubiläums wurde im Rahmen einer Feierstunde nun auf die Entstehung der Abteilung und ihre Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren zurückgeschaut sowie ein Blick auf die Zukunft der Palliativmedizin geworfen.

„Der Aufbau der Palliativstation war ein großer Kraftakt“, skizzierte Prof. Dr. Claus Gropp, Vorsitzender des Hospiz- und Palliativvereins Gütersloh und langjähriger Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, die Anfänge der Station. „Vor 25 Jahren gab es wenig Raum, Zeit und Personal für Patienten, die ‚ausbehandelt‘ waren, weil für sie keine Heilung mehr möglich war.“ Eine Schmerztherapie, wie sie heute üblich ist, habe es nicht gegeben: „Damals war man der Meinung, dass Schmerzen zum Sterben dazugehören.“ Ein Standpunkt, der nicht von allen Mitarbeitern des Klinikums vertreten wurde. „Wir gründeten deshalb von 25 Jahren den ‚Verein zur Förderung des Hospizes am Städtischen Krankenhaus Gütersloh‘. Bis die Palliativstation dann 1996 tatsächlich gegründet wurde, musste jedoch noch viel Überzeugungsarbeit geleistet und Hürden, wie beispielsweise die Sicherstellung der Finanzierung, überwunden werden“, so Prof. Dr. Gropp.

Inzwischen hat sich die Palliativstation etabliert und sich einen überregional sehr guten Ruf erarbeitet: „Die Palliativstation ist eine echte Erfolgsgeschichte, ein herausragender Teil des Hauses und ein Alleinstellungsmerkmal, das in die ganze Region ausstrahlt“, stellte PD Dr. Gero Massenkeil, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II, fest. Die Station sei damals vor allem aufgrund der zunehmenden Zahl an Krebspatienten etabliert worden. Auch heute sind noch immer etwa 90% der Patienten aufgrund einer Krebserkrankung auf der Palliativstation, der Anteil der nicht-onkologischen Fälle steigt aber an. „Dieser Trend wird anhalten“, ist sich Dr. Massenkeil sicher.

Hildegard Oesterschlink, Maike Mertel und Jürgen Petermann aus dem Team der Palliativstation vermittelten im Rahmen der Feierstunde mit mitunter heiteren Anekdoten, dass der Alltag auf der Station nicht nur traurig ist. „Es wird geweint bei uns und es ist auch manchmal ernst, aber mindestens genauso viel wird gelacht“, so Petermann. Stationsleiterin Hildegard Oesterschlink pflichtete ihm bei: „Themen wie Sterben, Leiden und Tod werden bei uns nicht ausgegrenzt, genauso aber auch nicht der Humor und die Lebensfreude.“ Trotz der Schwere sei die Arbeit sehr schön, wertvoll und sinnvoll, so die stellvertretende Stationsleiterin Maike Mertel, die genauso wie ihre beiden Kollegen schon seit Beginn an auf der Palliativstation arbeitet. „Die intensive gemeinsame und emotionale Arbeit hat uns als Team zusammengeschweißt.“

Diesen Zusammenhalt lobte auch Monika Paskarbies, stellvertretende Bürgermeisterin Stadt Gütersloh, in ihrem Grußwort: „Sie sind ein Team, das sich gegenseitig unterstützt und in schweren Situationen auffängt.“ Die Mitarbeiter der Station leisteten eine Arbeit, die weit über die normale Pflege hinausgehe: „Sie sind für die Patienten, aber auch für die Angehörigen ein verlässlicher Partner auf dem Weg des Abschiednehmens.“

Maud Beste, Geschäftsführerin Klinikum Gütersloh, würdigte die Palliativstation als unverzichtbaren Bestandteil des Klinikums und dankte den Mitarbeitern der Station für ihren Einsatz und die Arbeit. „Sie machen die Palliativstation zu einem Ort, der den schwerkranken Menschen und ihren Angehörigen eine warme, offene und liebevolle Atmosphäre bietet“, so Beste. Gleichzeitig wies die Geschäftsführerin aber auch auf die schwierige Finanzierung der Station hin: „Einrichtungen wie die Palliativstation werden im DRG-System deutlich zu gering vergütet. Ähnlich wie das Hospiz ist die Palliativstation deshalb immer auch auf Spenden angewiesen. Dennoch hat die Existenz der Station am Klinikum nie in Frage gestanden.“

Dr. Herbert Kaiser, der Leiter der Palliativstation, wagte zum Abschluss des Festaktes einen Ausblick auf die Zukunft der Palliativmedizin. „Wir werden in Zukunft immer ältere Menschen mit einer Vielzahl an Krankheiten behandeln, die über Jahre hinweg andauern können. Es wird deshalb nicht reichen, diese Patienten erst ganz am Ende des Lebens zu begleiten, sondern wir müssen frühzeitig mit einer palliativmedizinischen Behandlung beginnen.“ Dies führe nachgewiesenermaßen zu einer höheren Lebensqualität, einer Verlängerung der Überlebenszeit und am Ende zu einem friedlicheren Sterben. „Für die Palliativstation im Klinikum Gütersloh wünsche ich mir für die Zukunft den Erhalt und den Ausbau der hohen Standards, die wir in den vergangenen 20 Jahren aufgebaut haben.“

Foto: Beim Festakt zum 20-jährigen Jubiläum (v.l.): Maud Beste (Geschäftsführerin Klinikum Gütersloh), PD Dr. Gero Massenkeil (Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II), Prof. Dr. Claus Gropp (Vorsitzender des Hospiz- und Palliativvereins Gütersloh und Mitbegründer der Palliativstation), Maike Mertel (stellvertretende Stationsleiterin), Jürgen Petermann (Mitarbeiter auf der Palliativstation), Monika Paskarbies (stellvertretende Bürgermeisterin Stadt Gütersloh), Dr. Herbert Kaiser (Leiter der Palliativstation), Jens Alberti (Pflegedirektor am Klinikum Gütersloh) und Hildegard Oesterschlink (Stationsleiterin).