»Opening Night« in der Elbphilharmonie

Veronika Eberle Photo: Marco Borggreve

Bielefeld/Hamburg (KO).Während die Säle der baulich nahezu fertigen Elbphilharmonie hinter verschlossenen Türen spielfit gemacht werden, empfängt die Laeiszhalle ab 3. September Musiker und Publikum hoffentlich frisch erholt aus der Sommerpause. Zum Auftakt legt Kent Nagano im Kleinen Saal mit der Geigerin Veronika Eberle als Gastsolistin und der Audi Jugendchorakademie ein weiteres seiner kammermusikalisch geprägten Akademie-Konzerte mit Musik von Haydn bis Strawinsky auf.

Zu unserer Saisoneröffnung am 6. September tritt Matthias Pintscher seine Residency an, die, um der Spannweite des musikalischen Schaffens dieses Komponisten und Dirigenten halbwegs gerecht zu werden, mit »Multiversum Matthias Pintscher« überschrieben ist. Pintscher dirigiert das Orchester der Lucerne Festival Academy und bringt mit Strawinskys »L’oiseau de feu«, der San Francisco Polyphony von György Ligeti und Mark Andres »… hij … 1« ein aufregendes, ausschließlich der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmetes Programm mit.

Zu seiner mittlerweile sechsten »Opening Night« als Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters begrüßt Thomas Hengelbrock die Fans am 9. September. Gut, dass der Termin auf einen Freitag fällt und man am nächsten Morgen nicht ganz so früh aus den Federn muss. Denn die »Opening Nights« dauern gern mal etwas länger. Diesmal steht die ausschweifende musikalische Wiedersehensfreude unter dem Motto »Une affaire française«.

Mit französischem Flair starten zehn Tage später auch die Musiker des Philharmonischen Staatsorchesters. Sie feiern ihre Rentrée am 18. und 19. September unter der Leitung ihres Chefdirigenten Kent Nagano, neben dessen Dirigentenpult dann auf einem hölzernen Podest der fantastische französische Cellist Gautier Capuçon Platz nimmt, um in Richard Strauss‘ »Don Quixote« die Solopartie zu streichen. Seine Partnerin ist Naomi Seiler, Solobratschistin des Orchesters. Zudem erklingt Kernrepertoire hamburgischer Provenienz: Brahms‘ 1. Sinfonie.

NDR Elbphilharmonie Orchester, 2016

NDR Elbphilharmonie Orchester, 2016

Auch die Hamburger Symphoniker haben zum Saisonbeginn am 18. September ein Werk von Richard Strauss aufs Programm gesetzt: die Burleske für Klavier und Orchester. Für den Solopart engagierten sie Kirill Gerstein, den höchst virtuosen und zudem stilistisch vielseitigen Pianisten. Mindestens so spannend: Thomas Adès‘ »Totentanz«, ein Duett zwischen dem Tod (gesungen vom Bariton Adrian Eröd) und 15 Menschlein vom Papst bis zum Neugeborenen (allesamt gesungen von Christianne Stotijn, Mezzosopran). Adès selbst dirigierte die Uraufführung bei den BBC Proms im Juli 2013 in der Royal Albert Hall in London. Symphoniker-Chefdirigent Jeffrey Tate leitet eine der ersten Aufführungen auf deutschem Boden des auf Deutsch gesungenen Werks, das auf ein berühmtes Fries aus der Lübecker Marienkirche aus dem 15. Jahrhundert zurückgeht.

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Die grandiose Blockflötenspielerin Dorothee Oberlinger kehrt am 21. September mit dem Il Suonar Parlante Orchestra unter der Leitung von Vittorio Ghielmi zur Reihe NDR Das alte Werk zurück, die auch nach Eröffnung der Elbphilharmonie ihre Konzerte in der Laeiszhalle veranstalten wird. Weitere Aktivitäten des NDR dort im September: zwei Konzerte des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung des Ersten Gastdirigenten Krzysztof Urbański mit dem Pianisten Jan Lisiecki (am 22. und 25. September). Alle Beteiligten haben übrigens im vergangenen Juni im Rolf Liebermann Studio des NDR für eine CD-Produktion der Deutschen Grammophon all jene Werke aufgenommen, die Chopin außerhalb seiner beiden Klavierkonzerte für Klavier und Orchester komponierte,

Mit dem Pianisten Andreas Staier als Gastsolist gibt das Ensemble Resonanz am 23. September das Startsignal in eine programmatisch betont geheimnisvolle Saison – schließlich steht sie unter dem Motto »into the unknown«. Allen noch unbekannt ist nicht nur, wie das Kammerorchester aus St. Pauli ab Januar 2017 als Residenzensemble im Kleinen Saal der Elbphilharmonie klingen wird. Weitgehend unbekannt bleiben soll auch das Programm der sechs Abo-Konzerte der Saison. Lassen Sie sich also überraschen, welche Musik von Bach und Georges Lentz den Titel des Abends »galaxy – die himmel erzählen« erhellen helfen wird.

Zu guter Letzt erwartet das Publikum mit dem Auftritt des Orchestra Filarmonica della Scala aus Mailand unter seinem Chefdirigenten Riccardo Chailly am 28. September der Auftakt zu einer beispiellosen Serie von Konzerten mit Weltklasse-Orchestern, mit der die Eröffnungssaison der Elbphilharmonie besonders gefeiert wird. Dass mit Daniil Trifonov auch noch der junge Pianist dabei ist, der zurzeit die halbe Welt in fassungsloses Erstaunen versetzt (und die andere Hälfte in helle Begeisterung), ist da fast schon zu viel des Guten.

Foto: Marco Borggreve

Foto Dorothee Oberlinger

Foto: Marcus Hohn