Objekt im Fokus Juli & August 2017

 ,,KPM Porzellantasse mit Darstellung der Königsberger Sternwarte, nach 1830‘‘
Minden. In der Sammlung des Mindener Museums werden rund 60.000 Objekte bewahrt. Trotz Dauer- und Sonderausstellungen oder Leihgaben an andere Museen lagern 95% der Sammlung verborgen im Magazin. Die Vielfalt und die Geschichte der Sammlung und das Wissen über die Objekte stellt das Museumsteam regelmäßig in Kabinettausstellungen vor. Alle zwei Monate wird außerdem ein „Objekt im Fokus“ im Foyer des Museums ausgestellt und dort seine Geschichte erzählt.
Das Objekt im Fokus in den Monaten Juli und August ist eine Ansichtstasse aus der Königlichen Porzellan-Objekt-im-FokusManufaktur Berlin. Sie zeigt eine Darstellung der Königsberger Sternwarte. Das Objekt kam 1985 als Schenkung aus dem Familienbesitz des in Minden geborenen Astronomen und Mathematikers Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) ins Mindener Museum.
Eine Sternwarte, auch astronomisches Observatorium genannt, ist ein Ort mit wissenschaftlichen Instrumenten zur
Beobachtung des Sternenhimmels. Nach der Erfindung des Teleskops 1608 entstanden die ersten Sternwarten im
heutigen Sinne. Viele bedeutende Sternwarten wurden zwischen 1790 und 1830 errichtet.
Die Königsberger Sternwarte wurde auf dem höchsten Punkt des Königsberger Walls an der Nordwestseite der Stadt zwischen 1810 und 1813 nach den Vorstellungen des  Astronomen Friedrich Wilhelm Bessel gebaut. Der Grundriss des Gebäudes war T-förmig. Im östlichen Gebäudeteil befanden sich Wohnung, Arbeitsräume und Unterrichtszimmer. Im mittleren Teil lagerten die beweglichen Messgeräte. Diese wurden dann im westlich gelegenen Meridiansaal für astronomische Beobachtungen genutzt.
Nach Fertigstellung des Baus im Jahr 1813 trat Bessel eine Professur in Königsberg an. Ein großer Teil der damaligen deutschen Astronomen wurde bei ihm in Königsberg ausgebildet. Für die Aufstellung des Fraunhoferschen Heliometers, einem großformatigen Messfernrohr, wurde das Gebäude im Jahr 1830 durch einen Kuppelturm erweitert.
Der Bauzustand von 1830 ist auf der Tasse zu sehen, sodass man davon ausgehen kann, dass die Tasse in den 1840er Jahren hergestellt worden ist. Zudem entspricht die Ausgestaltung der trompetenförmig geöffneten Tasse dem damaligen Zeitgeschmack – dem Biedermeier. Die Darstellung der Landschaft wirkt durch das ausgeprägte Licht- und Schattenspiel, die intensive Farbausführung und die detaillierte Darstellung von Personen lebhaft und dreidimensional. Die Kostbarkeit der Tasse wird durch die großzügige Glanzvergoldung und die plastische, an Perlschnüre erinnernde Verzierung noch betont. Der Hersteller, die Königliche Porzellan- Manufaktur in Berlin, kurz KPM genannt, wurde 1763 von Friedrich dem Großen gegründet. Sie blieb bis zur Abdankung Wilhelms II. im Jahre 1918 im Besitz der Hohenzollern. Die Firma existiert bis heute.
Die von Friedrich Wilhelm Bessel gestaltete Sternwarte wurde durchgängig bis zu Ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg genutzt. Bessel hat zahlreiche Grundlagen für die heutige Astronomie gelegt, besonders für die Berechnung der Position​von Sternen. Seit 2001 vergibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis an hervorragende junge Wissenschaftler aus dem Ausland, die am Anfang ihrer Karriere stehen, aber durch ihre wissenschaftlichen Aktivitäten bereits internationale Anerkennung gefunden haben.
Bild: Objekt im Fokus © Mindener Museum