Neues help-Programm für Delirpatienten

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Freiwillige Vanessa Drossert, Koordinatorin Julia Bringemeier, Leitende Ärztin Dr. Christine Thomas und Pflegefachkraft Annette Schulze Bonsel

Bielefeld (rsc). Schätzungen zufolge erleiden etwa 25 Prozent der über 60-Jährigen im Krankenhaus ein Delir. Durch diesen Verwirrtheitszustand ist der Weg in ein Pflegeheim oftmals vorprogrammiert. Die Krankheit äußert sich bei den Betroffenen in apathischen Wachphasen oder hyperaktivem Verhalten. Sie verlieren ihre räumliche und zeitliche Orientierung, verlieren die Fähigkeit neues Wissen zu speichern und können sich häufig nicht an Vergangenes erinnern. Die Ursachen für ein Delir können sehr weit gefächert sein. Bei Alkoholkranken kann der Entzug zu Delirien führen, Schlafentzug oder Verletzungen die eine stationäre Behandlung erfordern und deshalb einen plötzlichen Umfeldwechsel zur Folge haben und Weiteres gelten ebenso als Ursachen für Delirien. Oft dauert der Verwirrtheitszustand nur einige Stunden bis Wochen an. Es kommt aber auch vor, dass ein Delirium über Monate hinweg zur Demenz führt, erklärte Dr.Christine Thomas, die abteilungsleitende Ärztin der Gerontopsychiatrie am Evangelischen Krankenhaus Bethel (EvKB).

Seit 2011 wird am EvKB das Krankheitsbild Delirium erkannt und als solches behandelt. Das Delirium, oder Delir, wurde bisher nur als harmloses Durchgangssyndrom bezeichnet, das als Begleiterscheinung fast ausschließlich bei älteren Menschen ab 65 auftritt. Seit einigen Jahren hat man aber erkannt, dass Delirien zu Demenz und langfristigem Verlust der Selbstständigkeit führen können und die Mortalität der Patienten erheblich steigert. Das EvKB ist europaweit das einzige Krankenhaus, das mit dem help-Programm Delirpatienten behandelt. Help wurde in den USA entwickelt und steht für Hospital Elder Live Program. Zu den wesentlichen Zielen des help-Programms gehören die Aufrechterhaltung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten von Älteren, durch Delir gefährdeten Menschen während des Krankenhausaufenthaltes, die Verbesserung der Selbstständigkeit der Patienten bis hin zur Entlassung, die Verbesserung der Versorgesituation von älteren Patienten im Krankenhaus, die Vermeidung von Delirien, Stürzen und Komplikationen während des Krankenhausaufenthaltes. Und die Vermeidung unbeplanter Wiederaufnahmen ins Krankenhaus.

Gemessen am demographischen Trend, nachdem laut Stastischem Bundesamt im Jahre 2060 jeder dritte Bundesbürger über 65 Jahre alt sein wird, wird es immer wichtiger, dass Krankheitsbild des Deliriums angemessen zu behandeln.

Am EvKB besteht das Team des help-Programmes aus Dr. Christine Thomas, Julia Bringemeier, der help-Koordinatorin mit einer ganzen Stelle, sowie zwei Pflegefachkräften mit jeweils einer Drittelstelle, ein Nervenarzt mit einer halben Stelle und etwa sechs ehrenamtlichen Freiwilligen. Derzeit beschränkt sich das Angebot des help-Programmes nur auf die unfallchirurgische Station und die Orthopädie im Haus Gilead I, langfristiges Ziel sei aber das help-Programm auf allen Stationen auf denen Delirien vermeidbar sind, anzubieten, so Dr. Christine Thomas. Weil aber auf jeder Station neue Krankheitsbilder dazukommen sind spezielle Schulungen für das help-Team nötig. Besonders wichtig sei, dass immer ein Freiwilliger für die Patienten da ist. Bringemeier beschrieb die Rolle der Freiwilligen als eine sehr wichtige. Die Freiwilligen seien der Ruhepol für die Patienten. Vanessa Drossert, Freiwillige im help-Programm, die im Programm ein Praktikum für ihr Studium der Sozialarbeit geleistet hat erklärte ihre Motivation als Freiwillige: „Ich war sofort begeistert. Die älteren Menschen sind so dankbar und wertschätzen einen. Man merkt wirklich wie nötig diese Arbeit ist.“

Für interessierte Freiwillige steht Julia Bringemeier als Ansprechpartner zur Verfügung. Weil die Arbeit noch in den Kinderschuhen steckt sind zusätzliche Freiwillige sher wichtig. Wer Interesse hat, möge sich bei Bringemeier unter 0521/77279398 oder julia.bringemeier@evkb.de melden.

Foto: René Scharton