Neues Besucherzentrum zu Füßen des Kaisers

47213Münster/Porta Westfalica (lwl). Gute Aussichten – für die Aufwertung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, für den Besucherblick auf die Porta Westfalica mit Weserdurchbruch durch die Bergkette und auf die Nordwestdeutsche Tiefebene, das alles zu Kaisers Füßen von der Ringterrasse aus bei einer guten Tasse Kaffee: Für ein neues Besucherzentrum mit Gastronomie gibt es jetzt einen Modellentwurf. Das Besondere daran: Der Neubau findet Platz in einer wegen Weltkriegs- und Witterungsschäden ohnehin sanierungsbedürftigen Lücke am hangseitigen Rand der Ringterrasse.

Dem Entwurf des Büros Peter Bastian Architekten BDA aus Münster hat am vergangenen Wochenende (21.2.) in Münster ein 30-köpfiges Preisgericht aus Architekten sowie Politikern und Führungskräften des Denkmaleigentümers Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und Repräsentanten der Region um die Porta den ersten Preis zuerkannt. In einem begrenzten Wettbewerb hatten 15 Teilnehmer ihre Arbeiten abgegeben.

LWL-Direktor und Jury-Mitglied Dr. Wolfgang Kirsch: „Der preisgekrönte Entwurf macht deutlich, wie moderne Architektur und Denkmalschutz unter Würdigung der Geschichte vereint werden können.“

Je zwei Entwürfe
Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Gremien des LWL den Weg zur Sanierung des Sockels und zur Durchführung eines Architektenwettbewerbes frei gegeben. Die Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (WLV) – eine 100prozentige Tochter des LWL – hatte im Vorfeld die in die Jahre gekommene „Denkmalsgastronomie“ am Parkplatz einige hundert Meter unterhalb des Denkmals erworben. Die WLV schrieb dann auch den Wettbewerb aus.

Jedes teilnehmende Büro musste zwei Entwürfe einreichen, denn die Jury wollte sich offen halten, ob ein in die Ringterrasse integriertes Besucher-/Gastronomiezentrum oder seine Errichtung am weiter entfernten Parkplatz die optimale Lösung für das Denkmal bieten würde.

Einmalige Möglichkeit
Das Jury-Votum am Freitagnachmittag fiel einstimmig für die Ringterrassen-Lösung aus: Demnach nimmt der Entwurf von Peter Bastian die bestehenden Formen der Mauerwerks-Bögen auf und schafft eine neue Terrassenebene innerhalb des Bruchsteinsockels. Der neue Baukörper für die Besucher liegt unterhalb der Ringterrasse, so dass lediglich kleine Aufbauten für die barrierefreie Erschließung ins Foyer sorgen, aber nicht in Konkurrenz zum Denkmal treten, hieß es. Bei dieser Ergänzung der Ringterrasse handele es sich um eine historisch einmalige Möglichkeit, Interessierten die Bedeutung des Denkmals und die Geschichte vor Ort näher zu bringen. Insgesamt zeichne sich der Entwurf durch eine hohe Verträglichkeit mit dem Denkmal aus und trage zur langfristigen Sicherung des Sockels bei.

Vor mehr als 70 Jahren hatten die Britischen Streitkräfte am Kaiser-Wilhelm-Denkmal unterhalb dieser Sockelstelle eine Sprengung durchgeführt. Noch heute klafft dort eine Lücke in der Ringterrasse und im Hang darunter. Zur Verkehrssicherung zum Beispiel für die unterhalb verlaufenden Wanderwege muss dieser marode Bereich aufwendig saniert werden. Ein neues Informationszentrum samt Ausflugsgastronomie soll nun zusätzlich die Attraktivität erhöhen. Da, wo für die Sanierung im Sockelbereich abgestürztes Geröll beseitigt werden müsse, werde Gehölzwildwuchs beseitigt, so die WLV.

Fertigstellung 2016
Gemeinsam mit dem LWL plant die WLV, alle Wettbewerbsarbeiten in den nächsten Wochen der Öffentlichkeit vor Ort zu präsentieren. Noch in diesem Jahr soll mit der Sanierung der Ringterrasse begonnen werden. Die Gesamtmaßnahme könnte mit Kosten von fast fünf Millionen Euro nach heutigem Planungsstand mit der Einweihung des Besucherzentrums im Jahre 2016 abgeschlossen werden.

 

BU: Das Modell zum preisgekrönten Entwurf: Unter den Bögen der Ringterrasse (i.Vordergrund) soll das neue Besucherzentrum entstehen.
Foto: Schopmeyer Architekten BDA