Neue Werkpräsentation im Marta Herford

Herford. Mit der Installation „Pax Rerum Optima“ präsentiert Marta Herford vom 17. Mai bis 21. Juni die für die eigene Sammlung entwickelte Installation des Medien- und Konzeptkünstlers Simon Wachsmuth, der im vergangenen Jahr den Marta-Preis der Wemhöner-Stiftung erhielt. Mit dem Dreißigjährigen Krieg und dem Westfälischen Frieden als Ausgangspunkt konzipiert Wachsmuth in der Marta-Lobby ein „imaginäres Museum“, das diese Spuren der Geschichte in die Gegenwart transportiert und ästhetisch erfahrbar macht.

„Kunstwerke sind nicht nur auf Leinwand oder Mauer gemalte Bilder, die unsere Museen und Kirchen zieren und die Grundlage unserer aufgeklärten Wissensgesellschaft sind. Sie sind auch Teil einer historischen Spurensicherung und Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit den politischen Gegebenheiten der Gegenwart.“ -Simon Wachsmuth

Ausgehend von den Geschehnissen und Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges inszeniert Simon Wachsmuth mit „Pax Rerum Optima“ (Der Friede ist das Beste) einen vierrädrigen Wagen, der anlehnt an jenen von Mutter Courage. Im gleichnamigen Drama von Bertolt Brecht, dessen Handlung in den Zeitraum zwischen 1624 bis 1636 fällt, versucht Mutter Courage ihr Geschäft mit dem Krieg zu machen, stürzt dabei aber sich und andere ins Unglück und verliert schlussendlich ihre Kinder. Der Wagen ist gleichzeitig auch ein Symbol für die Mobilität von Bildern und eine Anspielung auf den Begriff des „Bilderfahrzeugs“, den der bekannte Kunsthistoriker Aby Warburg prägte. Damit beschrieb Warburg die Überführung von Ge-schichte in neue inhaltliche Zusammenhänge.

Mit der Installation geht der Marta-Preisträger der Frage nach, wie Dokumente, Monumente und Bilder als materialisierte Erinnerungen unser kulturelles Gedächtnis und Verständnis für Geschichte bilden können. Anhand von eigens gesammelten und recherchierten Materialien aus der Stadt und der Region Herford spinnt er einen Faden von den historischen Ereignissen aus lokaler Perspektive bis in die Gegenwart. Kunstwerke aus dieser Zeitspanne, wie beispielsweise Velasquez‘ „Die Übergabe von Breda“ oder Jaques Callots „Schrecken und Jammer des Krieges“, bilden den Mittelpunkt der Installation und werden dabei flankiert von weiteren historischen Dokumenten. Der documenta-Künstler übersetzt mit dieser Materialsammlung das historische Wissen in eine künstlerische und sinnliche Form. Er schafft eine produktive Beziehung zu den Ereignissen, bei der die damaligen Lebensbedingungen aufgespürt und auch das dunkle Kapitel der Hexenverfolgung aufgegriffen werden.

Die Installation ist als aktives, nicht abgeschlossenes Objekt zu verstehen: Während der Präsentationslaufzeit in der Marta-Lobby sind die BesucherInnen eingeladen, die Materialen als Diskussionsgrundlage zu nutzen. Geplant ist neben der stetigen Erweiterung des Werks während seines Bestehens auch die Präsentation an anderen Standorten, wie beispielsweise Rathäuser, Kirchen oder Schulen.
Marta-Preis der Wemhöhner Stiftung

Der Marta-Preis der Wemhöner Stiftung ist mit 25.000 Euro dotiert und sieht in zwei-jährigem Rhythmus die Beauftragung eines hochrangigen künstlerischen Werks für die Sammlung Marta vor. Dieses soll mit Blick auf den Sammlungs- und Ausstellungsschwerpunkt des Museums – die lebendige Auseinandersetzung mit internationaler Gegenwartskunst und Fragen zu Design und Architektur – vor Ort entwickelt werden.

Die sieben köpfige Jury, bestehend aus Heiner Wemhöner, Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff, Dr. Hannes Frank, Dr. h.c. Lutz Teutloff, Dr. Martin Engler, Martin J. Hörmann und Roland Nachtigäller, wählten einstimmig Simon Wachsmuth aus, der von Mario Codognato (ehemaliger Chefkurator 21er Haus, Wien) für den Preis vorgeschlagen worden war.

Der Preisträger Simon Wachsmuth

1964 geboren in Hamburg
1991–95 Studium der Malerei und visuellen Mediengestaltung an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien (Meisterschüler von Carl Unger und von Peter Weibel). Ebenfalls Studium am Institut für Kommunikationstheorie bei Roy Ascott.
1989 Prix Ars Electronica/ Kategorie Computeranimation
2003 Otto Mauer-Preis
2007 documenta 12
2009 Istanbul Biennale
2012 Busan Biennale
2014 Museé de Valence und Salzburg Museum
2015/16 21erhaus, Österreich