Neue Chancen durch Menschen mit Behinderung

Bielefeld. Welche Vorteile hat ein kleineres Unternehmen, wenn es einen behinderten Menschen einstellt? Mit dieser und anderen Fragen beschäftigten sich in der OWL-Aktionswoche Inklusion Unternehmen und Arbeitsmarktfachleute aus OWL. Dabei wurde deutlich, dass Menschen mit Behinderungen als Beschäftigte den Unternehmen viele Vorteile bieten, denn sie sind oft besonders motiviert und leistungsfähig. Zudem erhalten die Firmen nicht nur Zuschüsse zu Personalkosten und Investitionen, sondern auch kostenfreie Beratung und Unterstützung bei der Personalsuche.

Über 40 Unternehmensvertreter haben sich am Mittwoch im Seminar „Job Win Win“ über Vorteile und Fördermöglichkeiten für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen informiert. Veranstalter waren die Regionalagentur OWL unter dem Dach der OstWestfalenLippe GmbH, die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) e.V., die Bielefelder Wirtschaftsförderungsgesellschaft WEGE mbH und das Jobcenter Arbeitplus Bielefeld.

Vorurteile abbauen, Ängste nehmen und Arbeitgeber für die Einstellung von Menschen mit Behinderung gewinnen – diese Ziele hat das Seminar erreicht. Dr. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin des Projektträgers ISL, erläutert: „Uns geht es weniger darum, die karitative Seite der Unternehmen anzusprechen, sondern vielmehr zu vermitteln, welche Vorteile sie durch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen haben.“ Das kann ein finanzieller Gewinn, mehr Vielfalt und Kreativität in der Belegschaft, ein besseres Image in der Gesellschaft oder die Erschließung neuer Kundenkreise sein.

Befragungen von Unternehmen und eine Studie aus Bremen belegen, dass ein Großteil der Arbeitgeber sehr positive Erfahrungen mit der Beschäftigung von Mitarbeitern mit Behinderung gemacht haben. Mit einer geringen Krankenquote, guter Ausbildung, hoher Motivation und Leistungsfähigkeit stehen sie den heimischen Betrieben als Fachkräfte für interessante Positionen zur Verfügung.

Wie selbstverständlich behinderte Menschen in ihren Unternehmen integriert sind, berichteten Bettina Kuhlmann, Geschäftsführerin der Speedy Reha-Technik aus Delbrück, und Burkhard Herden, Geschäftsführer der Werkhaus gGmbH aus Bielefeld. Speedy, Hersteller von Rollstuhl-Zuggeräten, schätzt das Potenzial der behinderten Beschäftigten, „da diese das Miteinander im Betrieb und im Kundenkontakt fördern“, so Bettina Kuhlmann.

Das Seminar war eine von mehreren Veranstaltungen im Rahmen der Aktionswoche Inklusion OWL anlässlich des internationalen Tages behinderter Menschen. Unternehmen, Fachleute und Interessierte besichtigten Integrationsunternehmen, erlebten eine Graffitiaktion und informierten sich am Freitag auf der Abschlussveranstaltung darüber, wie Inklusion in OWL gelebt und umgesetzt wird.

„In OstWestfalenLippe gibt es landesweit die meisten Integrationsunternehmen“, betont Claudia Hilse, Leiterin der Regionalagentur OWL, während der Bustour zu vorbildlichen Integrationsunternehmen: „Der Besuch der drei Betriebe hat uns noch einmal gezeigt, wie behinderte Mitarbeiter voll in den Arbeitsprozess integriert werden können – und dass dabei Wirtschaftlichkeit und soziales Engagement Hand in Hand gehen.“

Weitere Informationen zur Aktionswoche: www.facebook.com/Aktion.Inklusion