Neophyten – Aliens im Wald

Neophyten_Exkursion_©W_PeteBielefeld. Stellen Pflanzen aus anderen Erdteilen wie die Spätblühende Traubenkirsche, die ursprünglich aus Nordamerika stammt und sich in der Senne stark verbreitet hat, eine Gefahr für die heimische Natur dar? Und wie soll in Naturschutzgebieten mit diesen Pflanzen, wissenschaftlich Neophyten genannt, umgegangen werden? Diese Fragen erläuterten auf Einladung des Naturparks Teutoburger Wald / Eggegebirge und des Naturschutzgroßprojektes Senne und Teutoburger Wald (NGP) Vertreter aus Wissenschaft, Forst, Landwirtschaft und Naturschutz.

Durch die fortschreitende Globalisierung kommen nicht nur immer mehr Waren aus unterschiedlichen Ländern nach Deutschland, sondern auch viele Tier- und Pflanzenarten. Einige davon breiten sich invasionsartig aus. Das kann unerwünschte Folgen nach sich ziehen. So können diese Pflanzen das Landschaftsbild verändern, einheimische Arten verdrängen sowie Ökosysteme und damit die biologische Vielfalt gefährden.

Wie groß diese Gefahr tatsächlich ist, diskutierten die Teilnehmer aus unterschiedlichen „grünen“ Berufszweigen zum Teil kontrovers. Ungeklärt ist, ob und welche Gefahren langfristig von Neophyten für Mensch und Natur ausgehen und ob eine Gegensteuerung sinnvoll und erfolgversprechend machbar ist. Dazu wurden an zwei Tagen in mehreren Vorträgen Erfahrungen und Empfehlungen dargestellt und intensiv erörtert.

Auf einer Exkursion durch die Wistinghauser Senne konnten die Tagungsteilnehmer die massive Ausbreitung der Spätblühenden Traubenkirsche an einigen Standorten begutachten. Daniel Lühr, Leiter des NGP, berichtete über den unterschiedlichen Erfolg verschiedener Maßnahmen, die zur Eindämmung der Verbreitung dieser invasiven Pflanze in lichten Kiefernwäldern führen sollen. „Mit Ringeln, Wurzelstockrodung, Mähen und Fräsen haben wir versucht, der Ausbreitung Herr zu werden. Ein abschließendes Fazit, welche dieser mechanischen Maßnahmen am erfolgversprechendsten ist, kann noch nicht gezogen werden. Erfreulich ist jedoch, dass unsere Waldrinder die Spätblühende Traubenkirsche intensiv befressen und uns damit helfen die Pflanze einzudämmen“, so Lühr.

Eine Exkursion zur Stiftung Hof Brechmann rundete das Tagungsprogramm ab.

Am Ende der Tagung konnten zwar keine Patentrezepte im Umgang mit Neophyten gegeben werden, dennoch empfanden die Teilnehmer und Referenten den fachlichen Austausch als sehr gewinnbringend für ihre eigene Arbeit und konnten mit neuen Ideen im Gepäck die Heimreise antreten.

www.ngp-senne.de

BU: Die Tagungsteilnehmer informieren sich über den Einsatz der Waldrinder gegen Neophyten im Gebiet des Naturschutzgroßprojektes.
Foto: W. Peters