Nachwuchsdesigner schaffen „Durchblick“

OLYMPUS DIGITAL CAMERABielefeld. (dz) „Durchblick“ lautete der Titel der diesjährigen Modenschau der Fachhochschule Bielefeld, die am 27. und 28. Juni traditionell im Ringlokschuppen stattfand. Präsentiert wurden eindrucksvolle Abschlusskollektionen von Master- und Bachelorabsolventen des Fachbereichs Gestaltung, sowie der Illustration und rund 100 Seminararbeiten des zweiten bis sechsten Semesters. Viermal konnten die insgesamt fast 2.000 Gäste die Kreationen in einer einstündigen Show bewundern. Im Anschluss an die finale Vorstellung wurde der Modepreis 2013 an zwei Nachwuchsdesigner und ein komplettes Seminar verliehen.

„Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht…“ Dieses bekannte Sprichwort können zwar viele kreative Köpfe bestätigen, doch acht Bachelor- und zwei Masterabsolventen der Fachhochschule Bielefeld bewiesen an den vergangenen zwei Tagen das Gegenteil: „Durchblick“ war zugleich Titel und Programm der jährlich stattfindenden Abschlussmodenschau, deren Vorbereitung bereits ein halbes Jahr vorher begannen – Vom Modelcasting bis zum innovativen Druck der Einladungskarten aus Holz. Es ging um den Blick hinter die Fassade, um andere Sichtweisen und neue Perspektiven. Mit einem verschiebbaren Bühnenbild und abwechslungsreichen Lichteffekten wurden stets neue Blickwinkel für die Zuschauer geschaffen.

Hinter der Bühne herrschte kreatives Chaos, rund 80 Models mussten eingekleidet, frisiert und geschminkt werden. Mindestanforderungen für die Absolventen: Acht Kollektionsstücke im Master, vier bis fünf im Bachelor entwerfen. Andreas Stang, Bachelorabsolvent, war ehrgeizig: Seine Kollektion „штумм – stumm“ umfasste acht Outfits und faszinierte nicht nur die Zuschauer. Auch die Jury, bestehend aus kompetenden Fachleuten wie Tom Wessling (Head of Design BRAX) oder Holger Rosellen (Geschäftsführer von Windsor), empfand die kreative Auseinandersetzung des Jungdesigners mit seinen Wurzeln als so überzeugend, dass sie ihm den Modepreis 2013 in der Kategorie „Beste Künstlerische Arbeit“ verliehen. „Ich interessiere mich für sehr viele Dinge, jedoch fasziniert mich das Thema Identität besonders – wie sie konserviert und weitergegeben wird. Auf Grundlage der Geschichte meiner eigenen Vorfahren, die deutsche Kolonisten in Russland waren, habe ich in meiner Kollektion das Verstecken, Wahren und Ikonisieren von Kultur und Religion dargestellt.“, erzählt Stang, der seinen Master in Bielefeld machen will. Mehr als anderthalb Jahre hat der junge Mann an seiner finalen Kollektion, durchdrungen von religiöser Symbolik, gearbeitet – mit Erfolg.

Ebenfalls erfolgreich war die Bachelorabsolventin Maike Lüer mit ihrer Kollektion „Die Lücke selbst“. Sie erhielt den Modepreis in der Kategorie „Beste Modische Arbeit“. Die Studentin befasste sich mit  der spielerischen Auflösung des Raumes, der einen Körper umgibt. Dabei transformierte sie Bestandteile der Kleidung in eine abstrakte Form und schaffte eine Vielfalt neuer Trageweisen, in denen der Körper zum Gestalter seines eigenen Raumes wird. „Dabei nimmt der Gedanke an Offenheit und Geschlossenheit, Licht und Schatten sowie Innen und Außen eine zentrale Rolle ein“, so Lüer. Nichts erinnert mehr an die ursprüngliche Funktionalität der Kleidung und dies zeugt von der hohen Leistung der jungen Nachwuchsdesignerin.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Großes hatte auch das Seminar „Think Big“ unter der Leitung von Prof. Willemina Hoenderken im Sinn: Überdimensionales durchbricht die sonst so glatte Oberfläche des Körpers und schafft Platz für Neues, kehrt den tieferen Sinn nach außen. Acht Studierende haben irritierende Illusionen mithilfe neuer Formen geschaffen, die optische Grenzen durchbrechen und mithilfe einer koketten Choreographie der Models zum Leben erweckt wurden. Alle Teilnehmer wurden in der Kategorie „Beste Semester Arbeit“ ausgezeichnet, da die Jury sich nicht einigen und alle Arbeiten gut fand. Auch in den anderen Seminaren wie „Hiroshima, mon Amour“ oder „Le Suffrageon“ spielten die Bewegungsabläufe eine große Rolle. Jede Kollektion hatte ihre eigenen Schritte, passend zum selbstgewählten Lied und zu der Aussage der vorgestellten Werke. Erfrischende Highlights waren die überraschenden Einzüge des Faches Illustration, wo Must Haves wie der klassische Herrenanzug oder die Thematik des Vergessens zeichnerisch visualisiert wurden. Die Modenschau 2013 der Fachhochschule Bielefeld zeigte ein breites Spektrum an eindrucksvollen Kollektionen, viel Abwechslung und jeder Menge Kreativität, um für den nötigen Durchblick zu sorgen. Man darf auf 2014 gespannt sein!

Bild 1: Ein Werk von Andreas Stang aus der Kollektion „штумм“.

Bild 2: Studentische Arbeit aus dem Seminar „Think Big“.

Text & Bild: Dorothea Zaczynski