Nächtlicher Zaubergarten

Lichtprobe: Wie gerade aus der Tiefe des Teiches entstiegen wirkt diese Figur. Foto: Zentrale Öffentlichkeitsarbeit Stadt Gütersloh

Gütersloh (gpr). Für ihre Skulpturen geht sie auch ins Wasser: Die Künstlerin Nirgül rückt einen Scheinwerfer ein paar Zentimeter nach links. Der Effekt ist überraschend: Warmes Orange zeichnet die Konturen eines Flügels, den der Betrachter – am Ufer stehend – bisher in keiner Weise auf dem Rücken dieser Wassernixe wahrgenommen hat. Von oben beleuchtet ein satter Mond die nächtliche Szenerie im Botanischen Garten: Lichtprobe für die „Magischen Orte“. Am Freitag, 21. und Samstag, 22. September, inszeniert die Isselhorster Aktionskünstlerin Nirgül mit ihrem Team Güterslohs grünes Wohnzimmer in einer bisher unbekannten Weise – als nächtlichen Zaubergarten und sinnliches Rundumerlebnis aus Form, Licht und Ton, Stille und Bewegung.

Es ist keine laute Party, zu der die Stadt Gütersloh für ein kleines Eintrittsgeld einlädt. Im Gegenteil: Die Aktion verlangt sogar eine gewisse Disziplin, denn die Besucher werden in Gruppen durch den Garten geführt. An ca. 20 Stellen im Botanischen begegnen sie ganz unterschiedlichen Szenerien. „Zeit des Wandels“ ist der Arbeitstitel, den sich Nirgül selbst für die Inszenierung gegeben hat. Die Geschichte des Gartens liegt weitgehend den Szenen zugrunde, für die der Tontechniker und Komponist Michael Driesner eigens Musik komponiert hat. Aber es sind nicht die historischen Daten und Fakten, die diese nächtlichen Wanderungen der besonderen Art bestimmen. Wer sich den „magischen Orten“ nähern will, muss sich offen wie ein Kind auf ihre betörende, manchmal vielleicht auch verstörende Wirkung einlassen.

Nicht Verkleidung oder Verfremdung ist das Ziel dieser Inszenierung, sondern die Betonung der verschiedenen Orte in ihrer nächtlichen Schönheit. Dafür hat sich Nirgül seit fast einem Jahr fast jeden Winkel zu eigen gemacht. Für die Inszenierung hat sie auch Skulpturen modelliert, deren kristalline Oberfläche das Licht in vielfältiger Weise bricht und die in ihrer Leichtigkeit vergessen lassen, dass sie von mehreren Personen zu ihrem Standort transportiert werden müssen. „Bei Regen kommen die Lichteffekte fast noch besser zur Geltung,“ beschreibt die Künstlerin die Wirkung. Will sagen: Die Führungen finden bei jedem Wetter statt. „Aber trocken wäre doch schöner,“ sagt das All-Wetter-Team vom städtischen Fachbereich Grünflächen und der städtischen Öffentlichkeitsarbeit, das

Der Künstlerin und ihren Leuten tatkräftig zur Seite steht.

Skulptur trifft Künstlerin: Um ihre figuren in form zu bringen, geht Nirgül auch ins Wasser. Foto: Zentrale Öffentlichkeitsarbeit Stadt Gütersloh

Nicht nur was die Wettertauglichkeit angeht, arbeitet Nirgül mit ihrem gut eingespielten Team zusammen. Neben Michael Driesner sind das Frank Stiller (Licht), Jan Te Kaat (Technik) , Dietlind Hellweg (Organisation) und Stephan Stickling (Statik). Der Holter Eisenhandel, die Firma StiCo in Schloß Holte-Stukenbrock und die Firma Bostik unterstützen das Projekt. Mit Frank Stiller und Jan te Kaat setzte Nirgül 2009 die Dalke-Insel aus Anlass des 100. Stadtpark-Geburtstags in Szene und auch in Isselhorst versetzte das Team mit der Inszenierung des Bereichs an der Lutter vor zwei Jahren die Besucher in Staunen. Der Botanische Gartenaber übt auf die rührige Künstlerin, die ihr Atelier am Kirchplatz in Isselhorst hat, allerdings noch einmal eine besondere Faszination aus, die sie auf die Besucher übertragen will.

Man sollte sich Zeit nehmen für die Wanderungen, die an beiden Tagen exakt getaktet zwischen 20.15 Uhr und 23 Uhr stattfinden. Für das Davor oder Danach hält die Appelbaum-Gastonomie am Eingang des Botanischen an der Parkstraße Speisen und Getränke bereit. Auf einer kleinen Bühne präsentiert dort das Duo „Vitrine“, der kolumbianische Gitarrist Alexander Cuesta Moreno und die brasilianische Sängerin Simone Pimentel, gepflegten Jazz. Die Zutaten für einen unvergesslichen Abend sind also bereitet – die Gäste dürfen kommen.

Einen Blick ins Atelier der Künstlerin gibt es unter www.guetersloh.de. Karten für die Führungen sind im Vorverkauf (8 €) bei der Gütersloh Marketing an der Berliner Straße 63, Telefon 211360, zu erwerben. Gastronomie und „Duo Vitrine“ an der Parkstraße sind frei.